X-FUSION

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INTERVIEWPARTNER
Jan L.
DATUM
27.02.2011
ORT

Wir führten ein Interview mit dem Industrial Electrohead JAN L. - dem Mann hinter den Projekten X-FUSION und NOISUF-X. Erfahrt mehr über sein neues Album „Thorn In My Flesh“und natürlich auch über JAN L. selbst.

Astrid: Noch nicht mal ein Jahr ist seit dem Release deines letzten NOISUF-X-Albums „Excessive Exposure“ vergangen, da steht bereits dein neuestes X-FUSION-Werk in den Regalen. Hast du unmittelbar nach dem Release mit der Produktion angefangen?

Jan: Ich habe sogar vor dem Release angefangen. Ein Album ist bei mir meist ungefähr drei Monate vor Release fertig. Dann beginnt das Label mit seiner Arbeit und plant die Veröffentlichung, Werbung und Vertrieb. In dieser Zeit bin ich natürlich auch schon kreativ. Wenn man es genau nimmt, bin ich eigentlich ständig in der Produktionsphase, die allerdings von anderen Arbeiten wie Masterings und Produktionen für andere Bands unterbrochen wird.

Astrid: In unserem damaligen Interview hast du von der „düsteren“ Zukunft deiner beiden Projekte geredet und gesagt, dass du nicht wüsstest wie lange du dir den „Luxus“ Musik zu machen noch leisten kannst. Wie sieht die Zukunft jetzt – 11 Monate später – aus?

Jan: Auch wenn es ein leidiges Thema ist, aber es geht eigentlich ständig bergab mit der gesamten Musikbranche – und das ist in unserer Szene auch nicht anders. Während ein Künstler damals noch steigende Verkaufszahlen hatte, wenn seine Musik irgendwie ankam, kann man heute schon froh sein, wenn die Verkaufszahlen bei wachsender Hörerschaft auf gleichem Niveau bleiben. Den großen Reichtum erwartet natürlich keiner in dieser Szene, aber als Band möchte man ja auch wieder in seine Projekte investieren können. Das kommt ja letztendlich auch dem Hörer zugute. Was mich persönlich betrifft: Wenn ich diese große Leidenschaft für die Musik nicht wäre, hätte ich schon längst aufgehört, denn aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist dies nicht wirklich ein lukrativer Job. Ich bin selbst gespannt, wann meine persönliche Schmerzgrenze erreicht ist – die Hoffnung, dass es in diesem Bereich noch einmal bergauf geht, habe ich leider nicht mehr. Früher hatte man Fans, heute leider nur noch Hörer.

Astrid: Obwohl du mal gesagt hast, dass X-FUSION nicht auf clubtauglichkeit ausgerichtet ist, finden sich durchaus clubtaugliche Tracks wie zum Beispiel „Holy Grail“ oder „Easy To Hate“ auf deinem neuen Werk. Ist dies eher eine zufällige oder gewollte Entwicklung?

Jan: Geplant ist es nicht, da ich Musik wirklich aus dem Bauch heraus mache. Wenn ich aber die Songs auswähle, die dann letztendlich auf das Album kommen, achte ich schon darauf, dass eine gesunde Mischung aus orchestralen, Mid-Tempo und schnellen Tracks dabei heraus kommt, damit die Abwechslung nicht zu kurz kommt. Bei den eher tanzbaren Songs hat vielleicht noch der NOISUF-X Einfluss etwas nachgewirkt. Da ich an beiden Projekten abwechselnd arbeite, kommt es gerade dann zu gewissen Überschneidungen, wenn ein Projekt gerade beendet ist und mit dem anderen begonnen wird. So einfach kann man da nicht immer hin und her switchen.

Astrid: Wenn du das Gesamtkonzept „Thorn In My Flesh“ in knappen Worten beschreiben müsstest, welche wären das?

Jan: Eine bunte Mischung tiefschwarzer Songs. (grinst)

Astrid: In „Strange New World“ sind – aus unserer Sicht erstmals Gitarrensounds zu hören. Ein neues Stilelement im X-FUSION-Sound?

Jan: Nein, Gitarrenelemente gibt es bei X-FUSION wirklich schon von Anfang an – allerdings mal mehr und mal weniger präsent und mal mehr und mal weniger verzerrt. Es gibt eigentlich kaum Instrumente, vor denen ich bei X-FUSION nicht Halt mache. Da war ich schon immer sehr experimentierfreudig.

Astrid: „Funeral Cortege“ ist ein sehr düsterer und epischer Track. Was hat dich zu diesem Track inspiriert?

Jan: Woher die Inspiration und Kreativität kommt, kann ich in den meisten Fällen gar nicht genau sagen. Aber gerade bei den orchestralen Songs habe ich bestimmte Bilder oder Sequenzen vor dem geistigen Auge, die ich dann versuche musikalisch einzufangen. Das hat immer sehr viel mit meinem Gemütszustand zu tun. Es ist wie mit dem Träumen: Irgendeine Ursache werden sie schon haben, aber welche, kann man sich meist nicht erklären. Ist vielleicht auch besser so. (lacht)

Astrid: „Kalt“ ist der einzige Track auf Deutsch. Gibt es einen speziellen Grund warum dieser Song nicht in englischer Sprache ist?

Jan: Nicht wirklich, auch das ist eher ein Bauchgefühl. Ab und an habe ich einfach ein Verlangen danach, etwas auf Deutsch zu schreiben. Es gibt Themen oder Texte, die auf Deutsch einfach besser funktionieren. Zudem fühle ich mich im Deutschen natürlich auch eher "zu Hause" als im Englischen, so dass gewisse Wortspielereien oder Redewendungen möglich sind, die ich auf Englisch nicht so gut umsetzen könnte.

Astrid: Ich gebe dir nun drei Stichworte vor und du sagst mir deine Meinung dazu.

20. Wave Gotik Treffen:

Jan: Bisher sieht es nicht so aus, als würde ich da spielen. Folglich wäre ich dann auch nicht da. Aber warten wir mal ab.

Astrid: MySpace contra Facebook

Jan: ... geht mir beides auf den Sack. Wer 100 % Information will, der geht auf meine Homepage. Wer mit 5 % Information zufrieden ist, geht auf Facebook und Co. Ich finde diese Entwicklungen auf solchen Seiten wirklich schade. Da gibt man sich als Band die Mühe eine Homepage zu bauen und zu pflegen und nutzt die Möglichkeit sich auch optisch so darzustellen, wie man es als passend empfindet, und dann laufen alle zu den Social-Networks, wo Daten ausspioniert werden und eine Band sich in ein vorgefertigtes Schema pressen lassen muss, in dem Gestaltungsmöglichkeiten und Informationsgehalt auf ein Minimum reduziert wird. Ich persönlich setzte da nach wie vor auf meine Homepage. Abgesehen davon habe ich auch keine Zeit auf 20 Networks alle Daten meiner Projekte zu aktualisieren. Diese Zeit stecke ich lieber in meine Musik. Daher habe ich auf Facebook, MySpace usw. nur die nötigsten Infos zusammengestellt. Abgesehen davon existieren auf jeder Plattform auch genügend Fake-Accounts – das heißt, wer sich die Mühe macht etwas zu meiner Musik auf diesen Plattformen zu sagen, anstatt mein Gästebuch oder Forum zu nutzen, kann fast davon ausgehen, dass seine Kommentare NICHT bei mir ankommen.

Astrid: Der perfekte Soundtrack zum Untergang

Jan: Die Apokalypse wird, wenn es denn soweit ist – oder ist es das schon? – wohl nicht auf Albumlänge passieren. Aber zum Glück gibt es ja mittlerweile genug X-FUSION Alben. (lacht)

Astrid: Hast du schon einmal darüber nachgedacht, ohne Vocal-Verzerrer zu singen?

Jan: Ehrlich gesagt benutze ich auf diesem Album gar keinen richtigen Verzerrer. Außer etwas Röhrensättigung kommt da nichts extrem Stimmverfremdendes zum Einsatz. Ganz clean zu singen wäre also nicht so viel anders. Es würde halt klingen wie bei einer Black-Metal-Band. Die "Gesangsart" ist ja die gleiche. Wenn Du allerdings von "richtigem Gesang" sprichst – nein, ich schreie lieber rum – das transportiert meine Emotionen angemessener.

Astrid: Du hast kürzlich das neue TYSKE LUDDER-Album, das ebenfalls im März erschienen ist, gemastert. Was unterscheidet die Arbeit an eigenen Projekten von der Arbeit an Werken anderer Bands?

Jan: Bei meinen eigenen Sachen spielt die Kreativität eine große Rolle, wogegen beim Mastering fast ausschließlich auf technischer Ebene gearbeitet wird. Ich greife ja nicht ins musikalische Geschehen einer Band ein, sondern versuche ihre Musik qualitativ so zu veredeln, wie die Band sich das vorgestellt hat. Das Mastering ist ja nur noch der letzte Feinschliff und nicht das Allheilmittel, wie oft vermutet wird. Der Grossteil der Lorbeeren sollte also an die Band selbst gehen.

Astrid: Wird man dich 2011 live zu sehen bekommen?

Jan: Auf jeden Fall. Die ersten Live-Termine für NOISUF-X sind bestätigt und auf meiner Website zu finden. Und dass ich mit X-FUSION nicht live spiele, weißt du ja sicher.

Astrid: Wie geht es weiter? Wird 2012 das nächste NOISUF-X-Album erscheinen oder was hast du schon konkret in Planung?

Jan: Ich arbeite schon seit längerer Zeit wieder an neuem NOISUF-X Material. Wann genau und in welcher Form da etwas erscheint, ist aber noch nicht geplant. Vielleicht wird es sogar noch dieses Jahr was - aber das steht noch in den Sternen.

Astrid: Dann gehören dir die letzten Worte dieses Interviews.

Jan: Danke an diejenigen, die meine Musik zu schätzen wissen und sie auch unterstützen. Allen anderen sollen die Ohren abfaulen. (lacht)

Interview: Dietmar Fels und Astrid Kerber

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AUTOR

Anne Goldacker
Anne Goldacker:
"Wir sprachen mit JAN L. über das neue Album seines Projektes X-FUSION."