VOLBEAT

Foto
Foto: Erik Weiss
INTERVIEWPARTNER
THOMAS BREDAHL, JON LARSEN
DATUM
09.09.2010
ORT
Berlin, Universal-Gebäude

Es ist ein grauer, verregneter Septembertag. Auf der Spree unter der Oberbaumbrücke, die Kreuzberg und Friedrichshain verbindet, geben die Rapper K.I.Z. ein Konzert auf einem Boot. Vom achten Stockwerk des Universal-Gebäudes wirkt das Treiben unten auf der Straße, die voller Fans ist, weit entfernt und hektisch. Oben herrscht allerdings Ruhe. Hier haben sich THOMAS BREDAHL und JON LARSEN, Gitarrist und Schlagzeuger der dänischen Überflieger VOLBEAT, in einem Raum ihrer neuen Plattenfirma eingerichtet, um der Musikpresse der Hauptstadt Rede und Antwort zu stehen.

Ben: Unser letztes Interview ist ziemlich genau zwei Jahre her. Damals hast du mir gesagt, dass "Guitar Gangsters And Cadillac Blood" das beste VOLBEAT-Album sei, bis ihr das nächste Album veröffentlicht.

Thomas: Ja, das würde ich heute wieder genauso sagen. Ich glaube, dass "Beyond Hell/Above Heaven" das beste VOLBEAT-Album ist, bis wir das nächste Album veröffentlichen. (lacht) Diesen Teil kannst du aus dem letzten Interview kopieren. Das kommt sicher daher, dass ein neues Album sich immer frisch und besonders anfühlt, wenn es auf den Markt kommt. Man hat üblicherweise sein Bestes gegeben und deshalb ist das aktuelle Album immer das beste.

Ben: Ich hatte die Sorge, dass beim vierten Album irgendwann die Routine einsetzt und dass ihr anfangen würdet, euch zu wiederholen und abzunutzen. Aber es gibt doch eine deutliche Entwicklung bei "Beyond Hell/Above Heaven" zu verzeichnen. Wo seht ihr denn diese Entwicklung?

Thomas: Wir haben dieses Mal mit sehr vielen Gastmusikern gearbeitet. Das hat uns sicher geholfen, uns weiter zu entwickeln, weil es den Prozess des Songwritings beeinflusst hat. Es gibt einem die Möglichkeit, neue Elemente einfließen zu lassen.

Ben: Ich war auch überrascht, dass eure Entwicklung euch aber gleichzeitig nicht weiter zum Mainstream geführt hat.

Jon: Viele Leute denken, dass eine Band, die zu einem größeren Label wechselt, hinter dem Geld her ist und ihre Musik an finanziellen Interessen ausrichten wird.

Thomas: Wir haben das Gegenteil gemacht. Für mich fühlt sich "Guitar Gangsters And Cadillac Blood" an, als wäre es unser Debüt auf einem Major Label. Dieses Album ist das poppigste und wir hatten damals schon Angebote von Major Labels. Aber wir wollten unseren Vertrag mit Mascot Records erfüllen. Vielleicht hat der Wechsel zu Universal uns also eher anders herum beeinflusst. Wir wollten dieses Klischee nicht erfüllen und kein typisches Major-Label-Album aufnehmen. Der Grund, warum wir heute da stehen, wo wir stehen, ist, dass die Leute das mögen, was wir machen. Und wir mögen es auch.

Jon: Ja, die Idee war, uns beim neuen Album mehr auf unsere musikalischen Wurzeln zu orientieren, als wir das bei "Guitar Gangsters And Cadillac Blood" getan haben. Wir wollten uns ein wenig zurück zum ursprünglichen VOLBEAT-Sound bewegen. Wir haben deshalb versucht, uns beim Songwriting etwas stärker an den Gitarren-Riffs zu orientieren anstatt die Gesangslinien ins Zentrum zu rücken. Natürlich sind die Gesangslinien immer noch da, aber wir haben bei einigen Songs versucht, einfach nur harte Metal-Riffs zu schreiben und die Songs darum herum zu konstruieren.

Ben: Viele Fans freuen sich sicher, dass es wieder mehr Doublebass zu hören gibt und härtere Riffs.

Jon: Das ist interessant, dass du das ansprichst. Bei "Guitar Gangsters And Cadillac Blood" gab es einige Journalisten, die bemängelten, dass es zu viel Doublebass gäbe, während andere kritisiert haben, dass es angeblich so gut wie keine mehr gab. Das war aber nie etwas, worüber wir uns Gedanken gemacht haben. Auch jetzt wollten wir die Doublebass nicht unbedingt in den Songs haben, es gab nur bei den neuen Songs etwas mehr Platz dafür und wir haben dieses Element eingesetzt, wo es passte. Das war schon immer unsere Vorgehensweise.

Thomas: Jeder Journalist und auch jeder Fan hat natürlich seinen persönlichen Geschmack und wenn du dir 100 VOLBEAT-Fans nimmst, dann sind einige dabei, die auf die Metal-Songs stehen, während andere auf die punkigen Nummern stehen und wiederum andere eben die Pop-Singles oder die Rockabilly-Songs mögen. Es ist einfach etwas für jeden dabei und das finde ich gut. Es macht uns sehr viel Spaß, jetzt kurz vor dem Release die ersten Reviews zu lesen. Da gibt es Metal-Magazine, die es mögen, dass wir wieder etwas härter werden, während es in Dänemark in der Mainstream-Presse Stimmen gibt, die den Song mit BARNEY (GREENWAY, NAPALM DEATH) hassen und sich fragen, was uns wohl dazu veranlasst hat. Das freut uns, weil es nicht um einen oder zwei "Sterne" oder "Punkte" in der Album-Wertung geht, sondern darum, etwas Neues zu machen und Grenzen zu überschreiten. Mein Vater sagte beispielsweise "macht bitte nicht noch mehr solche Songs, sonst verkauft ihr bald keine CDs mehr", aber wie die Mainstream-Presse kennt er eben die Metal-Szene nicht. Und wenn solchen Leuten der Song nicht gefällt, ist es doch einfach für sie, ihn beim Hören einfach zu überspringen oder die mp3-Datei zu löschen. (lacht) Ich finde den Song toll und ich finde, er passt hervorragend in das Album. Der Text ist toll, der Refrain ist toll und der Kontrast zur Strophe mit einem dreckigen Riff und heftigem Drumming ist das Salz in der Suppe, das die nötige Abwechslung auf dem Album liefert. Ich mag den Song, weil er sich komplett von unseren anderen Songs unterscheidet. Vielleicht fühlt sich die Pop-Presse dadurch provoziert, aber die Metal-Fans fühlen sich doch von den Popsongs provoziert und mit denen möchten wir es uns auf keinen Fall verscherzen.

Ben: Obwohl ihr experimentiert und auf "Beyond Hell/Above Heaven" neue Wege beschritten habt, ist es doch wieder ein sehr typisches VOLBEAT-Album geworden...

Thomas: (unterbricht) Ja auf jeden Fall. Es wurde von denselben Typen eingespielt, es hat denselben Produzenten und wir haben dasselbe Equipment verwendet, wie beim letzten Mal. Wir haben unseren Sound gefunden und alles, was wir machen, wird diesen Sound haben.

Ben: Bei "Guitar Gangsters And Cadillac Blood" seid ihr ja schon mit fertigen Songs ins Studio gegangen und hattet dadurch eine sehr kurze Studiozeit. War das dieses Mal wieder so?

Thomas: Ja, dieses Mal haben wir drei Wochen lang aufgenommen. Das ist unsere Arbeitsweise. Wir arbeiten hart und sind gut vorbereitet, wenn wir ins Studio kommen. Die Songs aufzunehmen hat etwa zwei Wochen gedauert. Danach waren eine Woche lang die verschiedenen Gäste im Studio und hinterher haben wir an den Gitarrensounds herum gespielt und ein wenig Zeit damit verbracht, kleine Extras mit einzubauen. Das haben wir schon beim letzten Album gemacht, aber dieses Mal haben wir mehr Wert auf Nuancen im Klangbild und tonale Details gelegt. Mehr Zeit zu verwenden würde uns nicht weiter bringen, weil wir die Songs zu diesem Zeitpunkt normalerweise bei den Proben und bei den Aufnahmen sehr oft gespielt haben. Da wird man dann etwas betriebsblind.

Ben: Viele Leute sind bei euch ja sehr auf euren Frontmann MICHAEL fokussiert. Fällt es euch manchmal schwer, hinter ihm zurück zu stecken?

Jon: Nein überhaupt nicht. Er ist derjenige, der vorne steht, der die Songs schreibt und der singt. Natürlich wird er am meisten wahrgenommen.

Thomas: Das ist in fast jeder Band so.

Jon: Ja, in fast jeder Band bekommt der Sänger am meisten Aufmerksamkeit.

Thomas: Außerdem ist es ja auch kein Geheimnis, dass MICHAEL derjenige ist, der die ganzen Ideen hat. Ohne ihn gäbe es VOLBEAT nicht. Und wenn es VOLBEAT eines Tages nicht mehr gibt, dann kann er vielleicht eine Solokarriere starten, wir können das eher nicht. Außerdem ist er derjenige, der auf der Straße erkannt wird, während wir ein ganz normales Leben führen können, was ich wirklich gut finde. Inzwischen tritt er aber viele Interviews an uns ab, weil das wirklich viel Arbeit ist. Und wir reden natürlich gerne über die Band. Deshalb sind wir ja auch heute hier.

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Ben
Ben:
"VOLBEAT Veröffentlichen ihr neues Album "Beyond Hell/Above Heaven" und bereiten sich auf ihre kommende Tour vor."