SONIC SYNDICATE kann man guten Gewissens als "Senkrechtstarter" bezeichnen. Seit ihrem Debütalbum im Jahr 2005 haben die Schweden einen Vertrag bei Nuclear Blast unterschrieben und unzählige Auftritte bei Festivals und auf Touren gespielt. Viele halten sie aufgrund ihrer stilistischen Breite und ihres Stylings für ein reines Trend-Produkt, doch sowohl live als auch auf CD kann die Band immer wieder überzeugen. Wir sprachen mit KARIN AXELSSON, der Bassistin von SONIC SYNDICATE, die freundlich und gut gelaunt Auskunft über ihre Lieblingsbands, ihre Sammelleidenschaft und das neue Album "We Rule The Night" Auskunft gab.
Ben: Wie läuft es denn bisher mit deinem neuen Band-Kollegen NATHAN? Er ist doch Brite, oder?
Karin: Ja, aber wir machen ihn zum Schweden. (lacht)
Ben: Hat er denn schon schwedisch gelernt?
Karin: Ein bisschen, er kann „Hallo“ und „Tschüß“ sagen, fragen wie es einem geht und er weiß wie man ein Bier bestellt. Die wichtigsten Dinge eben.
Ben: Das heißt dann doch sicher, dass ihr eure Bandsprache von Schwedisch auf Englisch umstellen musstet.
Karin: Es ist gerade eher Schwenglisch oder so (lacht)
Ben: Wie war er denn an „We Rule The Night“ beteiligt?
Karin: Er war von Anfang an voll dabei. Er hat mit uns die Songs geschrieben, sie mit uns im Proberaum einstudiert. Er hat außerdem zusammen mit RICHARD alle Texte geschrieben.
Ben: Findest du denn, dass man den neuen Einfluss auf dem Album heraushört?
Karin: Ja, ich glaube man hört ihn sehr stark heraus. Alleine schon, weil seine Stimme ganz anders ist als die von ROLAND war. Das hat unseren Sound natürlich schon stark beeinflusst. Außerdem hat seine Energie stark auf uns abgefärbt und die Art wie wir uns alle fühlen, hat sich mit seinem Eintritt in die Band auch stark verändert. Wir waren alle richtig gut drauf, als er zu uns gestoßen ist und wir sind alle viel enger zusammengerückt. Ich glaube, man hört dem Album auch an, wie zufrieden und glücklich wir waren, als wir es aufgenommen haben.
Ben: Es hört sich auch ein wenig an, als hättet ihr die Metal-Einflüsse etwas zurückgefahren, kann das sein?
Karin: Ja, das kann schon sein, aber es ist auf jeden Fall trotzdem „kräftig“. Der Song „Revolution Baby“ ist vielleicht einer der härtesten Songs, die wir bisher geschrieben haben. Andere Songs sind aber eher vom Rock beeinflusst, da hast du recht. Ich glaube das Album ist stilistisch einfach viel breiter gestreut, als alles, was wir bisher gemacht haben. Ich denke, dass das eine Folge davon ist, dass wir alle gemeinsam an dem neuen Material gearbeitet haben. Wir haben die Songs im Proberaum geschrieben und zusammen gejammt anstatt die Songs zu Hause zu schreiben und im Proberaum die fertigen Songs einzustudieren. Wir haben jeden Part in jedem Song gemeinsam entwickelt. Das ist der Hauptunterschied bei der Herangehensweise an „We Rule The Night“ gewesen. Deshalb ist das Album auch so vielseitig geworden, wir haben alle unsere Einflüsse mit eingebracht. Die sind bei uns auch sehr breit gefächert: Manche von uns hören Black Metal, andere hören Popmusik und einer hört sogar LADY GAGA. Ich glaube diese verschiedenen Einflüsse machen das Album interessant. Sogar ein Song wie „Turn It Up“ passt da rein. Den Song wollten wir am Anfang gar nicht aufnehmen. NATHAN und ROBIN haben mehr oder weniger zum Spaß angefangen, diesen Song zu schreiben. Der war gar nicht ernst gemeint. Aber als wir ihn dann gehört haben, haben wir anderen gesagt, dass der Song so gut ist, dass wir ihn auf jeden Fall aufnehmen müssen. Das haben wir auch getan und ich finde er ist großartig geworden. Auch der Text des Songs handelt von einer wahren Geschichte. Der Song hat sich also von einer Spaß-Nummer zu einem richtig starken Song entwickelt.
Ben: Wovon handelt der Text denn?
Karin: Den hat NATHAN geschrieben. Er handelt von einer seiner Ex-Freundinnen, die sehr viel gefeiert hat. Sie hat so lange gefeiert bis ihr die Ärzte gesagt haben, dass sie nicht mehr lange leben würde, wenn sie so weiter macht. Die Geschichte hinter dem Song ist also eher tragisch, aber das macht es noch besser, dass der Song es auf das Album geschafft hat.
Ben: Gibt es denn auch Songs, mit denen du dich emotional so verbunden fühlst?
Karin: Das ist eine schwierige Frage. Für mich ist es anders, weil ich keine Texte geschrieben habe. Ich glaube jeder hat da einen anderen Zugang zu den Songs. Ich glaube zu „My Own Life“ habe ich die stärkste Bindung. Das ist ein Song, mit dem sich jeder irgendwie identifizieren kann, denn er handelt davon, dass man in seinem Leben eine Sache mit hundertprozentiger Hingabe macht. Die Aussage ist im Endeffekt, dass man nie etwas erreichen wird, wenn man den Hintern nicht hoch kriegt, um etwas zu tun. Und am Ende ist das auch das, was ich mit der Band gemacht habe. Ich habe mich entschlossen es richtig zu tun und die Band an die erste Stelle in meinem Leben zu stellen, egal wer mich dabei unterstützt.
Ben: Das war sicher eine schwierige Entscheidung, weil eine Band ja weniger Sicherheit bietet, als ein „normaler“ Job.
Karin: Ja, das stimmt auf jeden Fall. Außerdem waren meine Familie und meine Freunde vor die Wahl gestellt, ob sie meine Entscheidung akzeptieren oder nicht. Denn die Entscheidung bedeutet auch, dass sie alle erst an zweiter Stelle kommen. Ich kann zum Beispiel nicht eine Show absagen, um am Wochenende mit meinen Freunden rum zu hängen. So funktioniert das nicht. Sie müssen warten, ob ich am Wochenende Zeit habe oder nicht. So kriegt man aber auch sehr schnell mit, wer die wahren Freunde sind.
Ben: Wenn du schon deine Familie erwähnst: Haben sie dich bei deiner Wahl unterstützt?
Karin: Ohne sie hätte ich überhaupt nichts geschafft. Ich glaube meine Eltern sind der Grund, dass ich es so weit gebracht habe. Sie haben auch Gitarre und Bass gespielt und sie hätten mich natürlich drängen können, einen „normalen“ Job zu suchen. Aber stattdessen haben sie mich immer unterstützt und mich gefragt, ob sie mir irgendwie helfen können. Sie sind bei unserer ersten großen Tour nach Budapest geflogen, um zu sehen, wie das auf Tour so abläuft. Und dieses Jahr waren sie auch beim Metaltown-Festival, um uns zu sehen. Sie mochten RAMMSTEIN und COHEED AND CAMBRIA. Das finde ich lustig. Mein Vater hatte gestern Geburtstag und meine Mutter hat ihm eine CD von COHEED AND CAMBRIA geschenkt. (lacht)
Ben: Die Rock- und Metal-Szene ist ja sehr stark von den Männern dominiert...
Karin: (unterbricht) Auf jeden Fall!
Ben: Glaubst du denn, dass du es als Frau eher leichter oder schwerer hattest, als deine männlichen Kollegen?
Karin: Es gibt immer wieder Leute, die nicht glauben, dass ich wirklich spiele. Die denken, der Bass käme vom Band und ich würde nur auf der Bühne stehen, um zu posen. Dann frage ich mich, ob ich etwa möglichst schlecht spielen müsste, damit diese Leute mir glauben, dass ich live spiele.
Ben: So ein-, zweimal im Konzert richtig daneben greifen?
Karin: Ja genau – aber muss ich wirklich so weit gehen? Ich glaube nicht. Und es gibt ja auch viele nette Leute im Business, nicht jeder ist so ein Arschloch. Man muss sich einfach mit netten Leuten umgeben, die einen unterstützen und wissen, wie gut man ist, dann kann man den ganzen Idioten da draußen sagen, dass sie abhauen und es erst einmal selber besser machen sollen.
Ben: Zuletzt haben wir ja von einem Unfall bei einem Videodreh bei euch gehört.
Karin: Ja, wir haben ein Video zu „Turn It Up“ gedreht und im Video gibt es eine Szene, wo eine Frau die ganze Band mit einer Gitarre erschlägt. Im Video sieht es ziemlich cool aus, aber weil wir beim Dreh eine echte Gitarre verwendet haben, war die ziemlich schwer. Und die Darstellerin war es wohl nicht gewohnt, so eine Gitarre über dem Kopf zu schwingen, deshalb hat sie sich etwas verschätzt und mich voll am Kopf getroffen. Aber ich hatte Glück, weil ich etwas Zeit vor der nächsten Show hatte, in der ich mich zu Hause auskuriert habe. Die Gitarre haben wir übrigens aufgehoben.



