KATZENJAMMER: keine Girlgroup
Mit KATZENJAMMER schickt uns Norwegen derzeit vier ebenso hübsche wie sympathische Damen über die Nordsee. TURID, SOLVEIG, MARIANNE und ANNE MARIT waren Anfang September in Berlin zu Besuch, um ihr aktuelles Album „A Kiss Before You Go“ zu promoten. Wir sprachen mit TURID und ANNE MARIT.
Freya: Zuerst einmal muss ich euch die eigentlich langweile ich Frage nach eurem Bandnamen stellen. Die Bezeichnung KATZENJAMMER ist ja in deutscher Sprache nicht gerade eine gute Werbung. Warum der Name?
Turid: Doch, eigentlich ist der Name sogar eine tolle Werbung für uns. Wenn die Leute hören, dass sich eine Band so nennt, dann werden sie darauf aufmerksam und wollen wissen, was dahinter steckt. Eigentlich ist der Name in Deutschland also eine wunderbare Promotion für uns. Ausgesucht haben wir uns den Namen, weil wir den amerikanischen Cartoon „Katzenjammer Kids“ sehr gerne mögen. Auf Norwegisch klingt der Name ziemlich holperig und so haben wir uns für die deutsche Variante entschieden.
Freya: Zusammengerechnet könnt ihr vier über 30 Instrumente spielen und auf der Bühne tauscht ihr sie sogar untereinander aus. Habt ihr eine professionelle Ausbildung zu Musikerinnen genossen?
Anne Marit: Die meisten Instrumente haben wir uns selber beigebracht und so, wie du es sagst, klingt es auch sehr viel beeindruckender als es ist. Natürlich spielen wir viele verschiedene Instrumente, aber viele ähneln sich doch sehr. Wenn man Gitarre spielen kann, ist es einfach auch Bass-Spielen zu lernen. Ähnlich ist das dann auch mit Banjo und Ukulele. Wir beherrschen dabei auch nicht jedes Instrument professionell. Ich kann zum Beispiel einen Song auf dem Banjo spielen und das war’s und wir haben auch nicht viel Zeit, um zu üben, weil wir so wenig Zeit haben. (lacht)
Turid: Ich habe etwas Klavierunterricht genommen als ich acht Jahre alt war und Schlagzeug und Trompete habe ich gelernt. Aber das war es dann auch schon. Wir haben Musikschulen besucht, aber da haben wir eher Gesang geübt.
Freya: Ihr spielt so ein großes Instrument, auf das ein Katzengesicht gemalt ist. Was ist das?
Turid: Das ist eine Kontrabass-Balaleika
Freya: Gibt es noch Instrumente, die ihr gerne spielen lernen würdet?
Turid: Ja, Geige würde ich gerne spielen können.
Anne Marit: Und ich Cello.
Freya: Und warum habt ihr die Chance bisher noch nicht ergriffen?
Anne Marit: Es ist ganz einfach sehr schwer zu lernen und man muss jahrelang üben bevor man den Instrumenten vernünftige Töne entlocken kann.
Freya: Eure Band besteht aus vier Frauen. Würdet ihr euch selbst als Girlgoup bezeichnen?
Turid: Nein.
Freya: Und was unterscheidet euch von einer klassischen Girlgroup?
Turid: Alles? Nein, im Ernst: Wir machen ganz andere Musik als all diese typischen Mädchenbands und es war auch gar nicht geplant, dass wir eine Girlband werden. Wir haben uns über Freunde kennen gelernt und wollten zusammen Musik machen. Dass wir alles Frauen sind, war dabei nebensächlich.
Anne Marit: Wir schämen uns dabei aber auch nicht unserer Männlichkeit. Wir können manchmal auch ganz schön Boy-Girlgroup sein. Auf der Bühne kleiden wir uns sehr feminin und unsere Charaktere verkörpern diese Weiblichkeit sehr deutlich. Aber gleichzeitig können wir uns breitbeinig hinstellen, so tun als hätten wir ziemlich große haarige Eier und sehr laut schreien. Das gibt es in typischen Mädchenbands sicherlich nicht.
Freya: Eure Musik hört sich sehr nach viel Whisky, lauten Partys und viel Spaß an. Lebt ihr dieses Image oder seid ihr doch viel mehr die wohlerzogenen Mädchen als wir denken?
Turid: Natürlich benehmen wir uns immer gut. Zumindest so lange bis wir sehr viel Whisky getrunken haben. (lacht)
Anne Marit: Wir lieben unseren Whisky, aber eigentlich nippen wir nur hier und da mal daran. Meistens gehen wir sehr früh ins Bett, weil der nächste Tag anstrengend wird und das Publikum es erwartet und auch verdient, dass wir hundert Prozent geben.
Turid: Ein ausschweifendes Partyleben wäre für uns viel zu ermüdend. Ich kann verstehen, dass junge Bands das ausleben müssen, das haben wir auch getan. Aber wir haben damit auch sehr schnell wieder aufgehört.
Freya: Eure Gigs sehen immer ein wenig chaotisch aus. Wie viel davon ist einstudiert und was improvisiert?
Anne Marit: Die Setlist steht immer fest und wir legen auch im Voraus fest, wer was an welcher Stelle sagt. Es ist wichtig für uns, dass wir ein Gerüst haben, an das wir uns während der Shows halten können. Das macht es uns dann einfacher das Publikum mit einzubeziehen.
Freya: Ihr habt in Norwegen an einer Talentshow teilgenommen. Habt ihr gewonnen?
Turid: Nein, wir haben nicht den ersten Platz belegt, aber eine ganze Menge Geld gewonnen. Es klingt auch etwas albern, wenn man sagt, wir hätten an einer Talentshow teilgenommen. Das klingt so als wären wir bei DSDS aufgetreten. So war es aber nicht. Die Show in Norwegen war wesentlich ernsthafter und man konnte ein Stipendium oder auch Geld für neue Instrumente gewinnen.
Freya: Was habt ihr dann mit dem Geld angefangen?
Anne Marit: Wir haben Instrumente gekauft und einen großen Koffer für unsere Balaleika.
Freya: Ihr seid ja nun schon ziemlich bekannt. Haben der Erfolg von KATZENJAMMER und auch euer Auftritt in der Show euer Leben verändert?
Turid: Nein. Die Show ist wirklich nicht mit den großen Casting-Shows zu vergleichen und sicherlich hat uns dort auch nicht jeder gesehen. In Norwegen sind wir auch gar nicht so bekannt, weil wir in den letzten Jahren doch eher in Deutschland und anderen europäischen Ländern gespielt haben. Wir hoffen sehr, dass man uns zuhause noch nicht vergessen hat. (lacht)
Freya: Ich habe gelesen, dass die meisten eurer Songs von einem Komponisten geschrieben wurden. Wie sehr seid ihr in den Entstehungsprozess eurer Songs mit einbezogen?
Anne Marit: Das trifft auf unsere aktuelle CD nicht mehr zu. Bei unserem ersten Album hat uns ein guter Freund, MATS RYBØ, sehr viel geholfen. Bei diesem Album war das aber anders. Er schreibt die Songs mit uns zusammen. Manchmal schreibt er die Texte und dann wieder die Musik. Dabei kooperieren wir aber sehr gut. Meistens läuft es so ab, dass er uns eine Demoversion vorlegt und wir den Song dann zusammen arrangieren. Ich würde sagen, dass er beim aktuellen Album 40 Prozent beigesteuert hat und wir die restlichen 60. MATS ist ein fantastischer Songwriter und es gibt für uns keinen Grund diese Zusammenarbeit zu beenden.
Freya: Eure Musik umfasst sehr viele verschiedene Facetten. Könnt ihr ausmachen, woher eure Einflüsse kommen?
Turid: Ja, aus aller Welt. Unsere Musik ist inspiriert von Farben, von Bildern, von Filmen, anderen Künstlern. TOM WAITS, zum Beispiel, hat uns sehr beeinflusst. Jede von uns sieht die Welt anders und so ist KATZENJAMMER eine Mischung aus dem, wie wir die Welt sehen.
Freya: Inwiefern habt ihr euch von TOM WAITS beeinflussen lassen?
Anne Marit: Wir schätzen einfach seine Lebensweise und die Stimmung, die er in seinen Songs transportiert. Er ist sehr mysteriös und das hat auch unsere aktuelle CD inspiriert. Und wir selbst wären auch gerne ein bisschen mysteriöser. (lacht)
Freya: Habt ihr ihn denn schon mal getroffen?
Anne Marit: Nein, leider nicht. Das wäre schön.





