HOLGER WEINBACH: Die "Eiswolf-Saga" wird fortgesetzt

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INTERVIEWPARTNER
HOLGER WEINBACH
DATUM
02.11.2010
ORT

In diesem Monat wird der zweite Teil der "Eiswolf-Saga" im Acabus-Verlag unter dem Titel "Irrwege" erscheinen. Der erste Band "Brudermord" - ebenfalls in diesem Jahr veröffentlicht - befindet sich bereits in der dritten Auflage. Grund genug, ein Interview mit dem beliebten Autor HOLGER WEINBACH aus Freiburg zu führen.

Carola: Hallo Holger, wie kommt man als gelernter Architekt zum Bücher schreiben und warum hast du dich gerade für einen historischen Roman entschieden?

Holger: Das ist eine vielleicht merkwürdige Geschichte, aber letztendlich war es eine scherzhafte Bemerkung meiner Frau, die mich zum Schreiben bewegt hat. Ich habe mich zwar als Student schon mit dem Schreiben beschäftigt, doch das waren nur erste Gehversuche und die dienten nur dem Selbstzweck. Nichts davon wurde je veröffentlicht. Mit dem Gedanken ein Buch zu verfassen habe ich mich erst im Herbst 2001 ernsthaft auseinandergesetzt. Damals begann ich mit dem Manuskript eines Kinderbuches, das ich auch noch selbst illustrieren wollte. Meine Ausbildung als Architekt hat mir bei diesem Vorhaben sehr geholfen. Es bestehen nämlich gewisse Gemeinsamkeiten zwischen Literatur und Architektur. Fachlich natürlich nicht, aber in der Arbeitsweise und dem Umgang mit der Kreativität habe ich viel von meinen Erfahrungen in der Architektur profitiert und auf die Literatur übertragen können. Beide Tätigkeiten leben zunächst von der Idee, einer Vision, die in einem Entwurf konkretisiert wird und schließlich in einem Werk endet. Bis zum Ergebnis ist bei beidem intensive Arbeit notwendig, ganz gleich ob ein gutes Gebäude oder Buch entstehen soll.
Da ich selbst gute historische Romane zu schätzen weiß, fiel mir die Wahl des Genres nicht schwer. Obwohl ich mir gerade mit dieser Wahl vielleicht das schwerste Feld ausgesucht habe, um in der Branche zu bestehen. Zumindest hat es manchmal den Anschein. Dennoch fiel es mir leicht, die Geschichte um Faolán und Svea in der „Eiswolf-Saga“, die zunächst als Fantasy-Epos angelegt war, auf real-historische Beine zu stellen, und in der Zeit des 10. Jahrhunderts, als die Otto der Große regierte, zum Leben zu erwecken. Zum einen vielleicht, weil das Mittelalter selbst eine Art Steckenpferd für mich ist. Zum anderen aber sicherlich, weil die damalige Zeit auch noch Raum für Spekulationen und Interpretationen des damaligen Lebens lässt. Damals wurde noch nicht so viel dokumentiert wie im Spätmittelalter. Um dennoch auf historisch sicherem Boden zu wandeln, scheue ich keine Mühe, meine Manuskripte von einem Historiker gegen prüfen zu lassen. Da muss alles stimmen.

Carola: Schreibst du deine Geschichten auch nach einer Art "Bauplan" oder wovon oder von wem lässt du dich inspirieren?

Holger: Ja, ich gehe nach einem gewissen Schema oder Bauplan vor, wenn auch auf eine andere Art als beim Bauen. Aber diese Arbeitsweise musste ich mir erst einmal aneignen. Denn nach der Vision zu einem Plot beginnt wie bei einem Gebäude auch hier die Arbeit mit der Dokumentation der Gedanken. Statt eines Strichs ist es hier eher ein Wort. Statt einer Skizze ist es der grobe Inhalt eines Kapitels. Diese Abrisse stehen dann erst einmal als grober Handlungsablauf in einer Datei, die ich für jedes neues Kapitel heranziehe und an die bisherige Entwicklung der Geschichte anpasse. Wie beim Bauen muss ich auch bei den einzelnen Kapiteln an genauen Strukturen arbeiten, Charaktere müssen entwickelt und Details ausgebildet werden. Das ganze steigert sich bis zum Veröffentlichungstermin und gipfelt leider meist in Nachtarbeit, während der ich noch einmal jedes Detail prüfe.
Meine Inspiration für diese Arbeit hole ich mir zum einen bei meiner Familie. Faoláns und Sveas Charaktereigenschaften finden sich auch dort. Aber auch Gespräche mit guten Freunden, denen ich meine Geschichten und Ideen anvertrauen kann, bringen mich hin und wieder an einen Punkt, an dem ich den Plot aus einem völlig anderen Blickwinkel zu betrachten beginne. Daraus ergeben sich manchmal völlig neue Handlungsweisen der Figuren. Und dann sind da noch Bücher und ein paar wenige Filme, die mich immer wieder inspirieren.
Doch am meisten beflügeln mich die Menschen in meinem Umfeld und deren Eigenschaften und Macken, die sie zu liebens- oder hassenswerten Menschen machen. Diese Menschlichkeit ist es, die ich meinen Charakteren einzuhauchen versuche, um sie dem Leser so nahe wie möglich zu bringen. Und ihre Entwicklung liegt mir auch wesentlich mehr am Herzen als akribisch oder gar verkrampft historische Details in den Plot einzuarbeiten. Diese sind natürlich vorhanden und wichtig, doch die Saga ist nicht überfrachtet damit und beginnt auch nicht mit bekannten Schlachten oder einem bestimmten Ereignis. Das wird sich zum Ende der Reihe allerdings verdichten, zumindest sieht das der momentane „Bauplan“ vor, doch sie lebt nicht davon. Das Leben wird dieser Reihe von ihren Charakteren eingehaucht.

Carola: Wie wir wissen, soll es von der „Eiswolf-Saga“ sechs Bände geben. Der erste Band befindet sich derzeit in der dritten Auflage, der zweite Band "Irrwege" erscheint jetzt im November. Hast du den gesamten Ablauf für ein so umfangreiches Werk bereits im Kopf? Welche Zeiträume sind bei den Veröffentlichungen geplant?

Holger: Der grobe Rahmenplot und das Ende sind natürlich schon vorhanden und auch schon schriftlich festgehalten. Das meiste entwickelt sich aber noch und befindet sich daher hauptsächlich in meinem Kopf. Denn Band drei bis sechs sind momentan nur sehr rudimentär skizziert. Ich weiß zwar, wie das Ende der Saga aussehen wird, doch die genauen Umstände, das Setting, etc. sind noch im Fluss und werden erst mit dem Verfassen des Manuskripts endgültige Form erhalten. Das eine habe ich nämlich gelernt: Meine Charaktere haben ein gewisses Eigenleben entwickelt und ich lasse ihnen die Freiheit, beim Schreiben das zu tun, was ihnen am nächsten liegt.
Oft bekomme ich die Frage gestellt, wann es mit der Saga weitergehen wird. Das freut mich natürlich und am liebsten würde ich jeden Tag mit dem Schreiben verbringen. Doch meine Brötchen verdiene ich nach wie vor mit der Architektur und dadurch wird die Zeit für die Schreiberei doch etwas eingeschränkt. Dennoch ist ein Rhythmus von einem bis anderthalb Jahren zwischen den einzelnen Bänden anvisiert. Auch wenn meine Leser das gerne etwas schneller hätten, ich bin überzeugt, dass diese Zeit notwendig ist, um die Qualität aufrecht zu erhalten.

Carola: Unterstützt dich deine Familie bei deinem Projekt oder sind es eher die härtesten Kritiker?

Holger: Ja, sie unterstützen mich, absolut. Meine Frau hat mich nicht nur auf die Idee gebracht, ernsthaft mit dem Schreiben zu beginnen, sondern hat mich auch dabei unterstützt, als ich Ende 2008 meinen sicheren Job als angestellter Architekt gekündigt habe, um mich selbstständig zu machen. Nur so konnte ich mehr Zeit für die Literatur finden und auch mal tagsüber schreiben, statt nachts, nach einem zehn- bis zwölf-Stunden-Tag im Büro. Verrückt, denn damals hatte ich noch keinen Verlag in Aussicht.
Meine Kinder hingegen sind noch etwas zu jung, um zu verstehen, was der Papa da eigentlich macht und warum er immer bis spät in die Nacht arbeitet. Aber sie finden es gut, dass ich Bücher schreibe. Kritik kommt seitens meiner Frau natürlich und darum bitte ich auch. Sie ist die Erste, die ein Manuskript zu lesen bekommt und damit auch die Erste, die Mängel aufdeckt. Und dafür bin ich ihr sehr dankbar und kann damit umgehen, wie allgemein mit Kritik. Zumindest glaube ich, dass ich das kann.

Carola: Gibt es bereits Termine für Lesungen oder worauf dürfen sich deine Fans als nächstes freuen?

Holger: Lesungen stehen momentan nicht im Raum. Ich denke aber, dass 2011, nach Veröffentlichung des zweiten Bandes, einige anstehen werden, vielleicht auch im Freiburger Raum – meiner Wahlheimat. Ich stehe in Kontakt mit unterschiedlichen Leuten, doch konkret ist noch nichts.

Carola: Was liest du selbst am liebsten? Kommst du überhaupt noch dazu?

Holger: Ja, ich komme noch oder vielmehr wieder zum Lesen. Mein Lieblingsgenre ist Fantasy, dicht gefolgt von historischen Romanen. Aber auch Science-Fiction steht in meinem Bücherregal. ISAAC ASIMOV habe ich schon als Jugendlicher gelesen. Zu meiner Lieblingslektüre zählt nach wie vor „Der Herr Der Ringe“. TOLKIEN habe ich ebenfalls in meiner Jugend das erste Mal genossen. Momentan lese ich aber kein Buch dieser Genre, denn zurzeit liegt auf meinem Nachtschränkchen ein Werk von KAFKA: „Das Schloss“.

Carola: Mit Blick auf die Zukunft: Was kommt nach der „Eiswolf-Saga“?

Holger: Es werden noch ein paar Jahre ins Land gehen, ehe die „Eiswolf-Saga“ beendet sein wird. Aber in der Tat habe ich bereits weitere Projekte im Hinterkopf, die sich wahrscheinlich aber erst dann realisieren lassen, wenn die Saga abgeschlossen ist. Wenn mich meine Leser nach sechs Bänden um Faoláns Schicksal noch nicht in eine Genre-Schublade gesteckt haben, würde ich es auch mal mit einem anderen Thema versuchen wollen. Ich hätte da Ideen für zwei Real-Satiren auf Lager, die gegen 2015 dringend einen Verlag suchen.

Carola: Wo wir gerade bei der Zukunft sind: Was wünschst du dir? Welches Ziel hast du dir gesteckt?

Holger: Beruflich habe ich mir vor etwa zwei Jahren vorgenommen, eines Tages von der Schriftstellerei leben zu können. Bis dahin ist es zwar noch ein langer Weg, doch es ist das erklärte Ziel. Deshalb wünsche ich mir persönlich natürlich, dass ich mit meiner „Eiswolf-Saga“ möglichst viele Menschen erreiche, dass sie das Schicksal um Faolán und Svea ebenso mitreißt wie es bei mir inzwischen der Fall ist. Privat wünsche ich mir weiterhin Zufriedenheit, Gesundheit und Gelassenheit.

Carola: Vielen Dank für deine Zeit und weiterhin viel Erfolg. Wir lesen bestimmt bald wieder von dir.

Holger: Ich danke dir. Und ja, ich denke noch genug Kraft in den Fingern und Ideen im Kopf zu haben, um einige Geschichten zu Papier bringen zu können.

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AUTOR

Carola
Carola:
"Auf den Spuren der "Eiswolf-Saga""