DER WEG EINER FREIHEIT

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INTERVIEWPARTNER
NIKITA
DATUM
11.08.2011
ORT

DER WEG EINER FREIHEIT haben sich mit nur einem Album und einer EP an die Spitze der deutschen Black-Metal-Szene gesetzt. Wir haben Bandkopf NIKITA zu der aktuellen EP "Agonie" befragt.

Ben: Gratulation zu "Agonie". Nach meinem Dafürhalten klingt die EP vom Songwriting her sogar noch runder, als euer Debütalbum. Was habt ihr dieses Mal anders gemacht?

Nikita: Ich glaube bewusst haben wir nicht viel anders gemacht. Das Songwriting lief ähnlich wie zu Debützeiten ab, nur dass wir uns über die vergangene Zeit einfach weiterentwickelt haben. Das schlägt sich natürlich auf die Musik nieder. Eine wichtige Neuerung ist, dass die Aufnahmen zum ersten Mal komplett in einem professionellem Studio abgelaufen sind, was man sicherlich auch am Sound feststellen kann. Aber sonst bin ich der Meinung, dass es musikalisch gar nicht so viele Unterschiede im Vergleich zum ersten Album gibt.

Ben: Auch der Sound von "Agonie" ist etwas "reifer" und "erwachsener", was einer Black Metal Band für meinen Geschmack sehr gut tut, war es eine bewusste Entscheidung von Euch, euch vom "Lo-Fi"-Wahn der in Teilen der Black Metal Szene herrscht abzusetzen?

Nikita: Wir wollten vor allem eine reine und authentische Produktion ohne viel Geschiebe und ohne getriggerte Drums. Daher haben wir das ganze auf verhältnismäßig wenige aber dafür saubere, tighte und charakterstarke Gitarren-, Bass- und Gesangsspuren reduziert und auch das Schlagzeug so natürlich wie möglich belassen. Ich bin der Meinung, dass der eigentliche Klang und der Druck einer guten Produktion hauptsächlich von den Arrangements und dem Zusammenspiel der Instrumente kommt und nicht durch irgendwelche Kompressoren und Effekte erschaffen werden kann. Das ganze ohne viel Hickhack abgemischt ergibt einfach den Sound, den wir fahren. Bewusst und ausschließlich "Lo-Fi" aufzunehmen, indem man nur die schlechtesten Amps, Instrumente und Mics benutzt, macht zumindest für uns keinen Sinn - auch wenn es natürlich einige Bands gibt, die von genau diesem Sound leben.

Ben: Wie sieht es denn bisher mit der Akzeptanz von "Agonie" bei Fans und Medien aus?

Nikita: Wir können uns über das bisherige Feedback von Fans und Presse keinesfalls beklagen. Auch wenn es sich nur um eine EP mit einer verhältnismäßig kurzen Spielzeit handelt, wird das neue Material durchweg gut vom Publikum angenommen, was uns natürlich auch sehr freut.

Ben: Von der textlichen Ausrichtung her geht ihr auch andere Wege, als große Teile der Szene, wie schwer ist es, Black Metal abseits der Klischees zu machen?

Nikita: Das ist überhaupt nicht schwer. Meiner Meinung nach wäre es schwieriger, wenn wir uns an Klischees, von denen wir nicht überzeugt sind, orientieren würden oder uns ein besonderes Image ausdenken müssten. Darauf haben wir aber keine Lust.

Ben: Ihr schafft es eurer Musik viel mehr Atmosphäre einzuhauchen als die Bands, die mit 1000 Synthies und Orchester ins Studio gehen - habt schon daran gedacht, eure Musik derart aufzublasen?

Nikita: Nein, ich denke wir werden immer nur mit Gitarre, Bass und Schlagzeug arbeiten. Vielleicht wird in Zukunft mal ein exotisches Instrument einen kurzen Auftritt haben. Das fände ich sehr interessant. Wie schon gesagt lege ich beim Songwriting sehr viel Wert auf ein gutes und stimmiges Arrangement von Gitarren und Bass, denn dadurch wird die Musik zu einer Einheit und erschafft im Gesamtbild auch ohne flächige Synthies eine breite Atmosphäre.

Ben: Derzeit scheint es in einigen Magazinen einen regelrechten "trueness"-Hype zu geben, bei dem gerade bei Black Metal Bands immer mehr Wert auf Klischee und "Bösartigkeit" gelegt wird. Glaubt ihr, dass es für euch besonders angesichts der Tatsache dass Black Metal einen sehr speziellen Fankreis anspricht manchmal einfacher wäre, wenn ihr solche Trends mitgehen würdet?

Nikita: Ich glaube nicht, dass das einfacher wäre. Ich finde es schwieriger etwas zu tun oder zu sagen, von dem ich nicht voll und ganz überzeugt bin. Man muss auch wissen, ob man Musik für eine bestimmte Gruppe von Menschen machen will. Auf jeden Fall haben umgedrehte Kreuze, Pentagramme, Corpsepaint und der ganze Kram nichts mit dem zu tun, was wir mit unserer Musik ausdrücken wollen.

Ben: Ich finde, speziell auf "Agonie" kann man immer wieder ein wenig NOCTE OBDUCTA heraushören - was für Bands stehen Pate für eure Musik?

Nikita: NOCTE OBDUCTA haben einen großen Einfluss auf meine musikalische Entwicklung genommen und waren auch eine der ersten deutschen Black Metal Bands, die ich gehört habe. Erst vor kurzem gab es ein Statement, dass sie noch in diesem Jahr ein neues Album veröffentlichen und als Band wieder aktiv sein werden, worauf ich natürlich sehr gespannt bin. Ansonsten wären noch DISSECTION, ORLOG, NAGELFAR oder EMPEROR zu nennen, die für mich echte Meilensteine veröffentlicht haben.

Ben: Ihr habt die erste Fassung eures Debüts mit Drumcomputer eingespielt, inzwischen habt ihr aber einen richtigen Drummer aus Fleisch und Blut, inwiefern hat das eure Arbeitsweise geändert oder beeinflusst?

Nikita: CHRISTIAN nahm zwar nicht direkt Einfluss auf das Songwriting aber ich versuchte trotzdem seinen Anforderungen an Rhythmik und Tempo gerecht zu werden und das Material auf sein Drumming auszurichten. Von daher hat er indirekt vielleicht schon zu einer etwas anderen Richtung beigetragen, die ich ohne ihn nicht eingeschlagen hätte. Mit ihm konnten wir aber auch unsere ersten Konzerte spielen, die uns sowohl als Band als auch persönlich um einiges weiter gebracht haben. Jedoch musste er uns kurz nach den Aufnahmen zur EP aus zeitlichen Gründen verlassen und TOBIAS S. übernahm seinen Platz auf dem Drumhocker.

Ben: Ihr seid dafür, dass es die Band noch nicht so lange gibt, schon sehr erfolgreich, wenn man bedenkt, dass Black Metal Spartenmusik ist. Was ist das Geheimnis dahinter?

Nikita: Entweder ein Monsterlabel mit einem riesen Promo-Apparat oder eben doch einfach die Qualität der Musik. Und dafür gibt es zum Glück auch heute noch zahlreiche Beispiele.

Ben: Wie wird es mit DER WEG EINER FREIHEIT weitergehen? Was sind eure Ziele und Wünsche?

Nikita: Wir wollen uns keineswegs auf die faule Haut legen und arbeiten schon am nächsten Album, das man vielleicht schon im nächsten Jahr erwarten darf. Anfang nächsten Jahres ist außerdem die erste größer angelegte Tour geplant, bei der wir hoffentlich auch andere Länder besuchen werden. Ansonsten lassen wir die Zukunft einfach auf uns zukommen und sind weiterhin gespannt, was sie uns bringt!

Ben: Danke für eure Zeit, das letzte Wort überlasse ich euch!

Nikita: Danke dir für das Interview und allen Lesern für ihr Interesse! "Agonie" gibt es als limitiertes Digipak sowie als Gatefold Vinyl in unserem Online-Shop unter www.derwegeinerfreiheit.de und bei allen sonst bekannten Läden und Mailordern!

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Ben
Ben:
"Der eigentliche Klang und der Druck einer guten Produktion kommt hauptsächlich von den Arrangements und dem Zusammenspiel der Instrumente und kann nicht durch irgendwelche Effekte erschaffen werden."