Körperwelten & Der Zyklus Des Lebens
“Je älter ich werde, umso mehr realisiere ich, dass er Tod das Normale ist und das Leben die große Ausnahme” (DR. GUNTHER VON HAGENS)
Und genau diese Erkenntnis hat DR. GUNTHER VON HAGENS dazu gebracht die Ausstellung „Körperwelten“ ins Leben zu rufen. Seit 1995 in Japan die erste „Körperwelten“-Ausstellung zu sehen war, konnten rund 30 Millionen Besucher sie in über 50 Städten Europas, Asiens und Nordamerikas bestaunen. Zurzeit gibt es weltweit sechs dieser aufsehenerregenden Ausstellungen. Die jüngsten wurden durch folgende Themenschwerpunkte ergänzt:
Body Worlds – The Cycle Of Life
Body Worlds & The Story Of The Heart
Body Worlds & The Brain – Our Three Pound Gem
Körperwelten – Die Anatomie der Tiere
Körperwelten – Eine Herzenssache
und
Körperwelten & Der Zyklus Des Lebens.
Letztere gastiert derzeit in Offenbach am Main. Dort werden noch bis zum 29. August 2010 180 echte menschliche Plastinate in Form von Organen, Organkonfigurationen und transparenten Körperscheiben, sowie 20 Ganzkörperplastinaten gezeigt.
Anhand der gezeigten tierischen und menschlichen anatomischen Präparate, die, wie GUNTHER VON HAGENS betont, alle von freiwilligen Spendern stammen, können sich Besucher aller Altersklassen auf eine wirklich interessante Selbstentdeckungsreise begeben. Erklärtes Ziel der Ausstellungen ist es „…ein breites Publikum über das Innere und die Funktionen des menschlichen Körpers zu informieren und die Auswirkungen von Krankheiten und Störungen auf die Gesundheit und die eigene Lebensweise aufzuzeigen.“, so die Pressestelle von Körperwelten.
In der Ausstellung in Offenbach sind zwischen den einzelnen Plastinaten große Leinwände aufgebaut, auf denen Filme und Texte zu sehen sind, welche die Bedeutung des eben Gesehenen vertiefen. Sie laden zum Verweilen und Nachdenken über die Auswirkungen unserer Lebensweise und Krankheiten auf unseren Körper ein. Um noch mehr Informationen zu erhalten wird den Besuchern die Möglichkeit geboten, gegen eine kleine Leihgebühr eine Audioführung zu bekommen. Hier werden in leicht verständlicher Weise weiterführende Informationen zu Organfunktionen, sowie häufige Erkrankungen und langfristige Auswirkungen von übermäßigem Tabak- und Alkoholkonsum erläutert. So erfahren auch medizinische Laien erstaunliche Zahlen und Fakten zu den Exponaten. Außerdem wird eine spezielle Kinderführung angeboten.
Die von DR. ANGELINA WHALLEY konzipierte Ausstellung „Körperwelten & Der Zyklus Des Lebens“ beginnt mit einer multimedialen Darstellung der Zellteilung, die durch eine beeindruckende und zugegebener Maßen auch etwas beklemmende Ausstellung plastinierter Embryos und Föten in verschiedenen Entwicklungsstadien ergänzt wird. Diese Plastinate stammen alle aus historischen anatomischen Sammlungen.
Die Besucher können sehen, wie sich aus einem winzigen Stückchen Zelle das Skelett entwickelt, die Muskeln und Nerven und letztendlich ein Kind entsteht. Die nächsten Plastinate handeln von der Entwicklung in der Jugend.
DR. ANGELINA WHALLEY und GUNTHER VON HAGENS zeigen auf, wie sich Muskeln, Nervensystem, und das Sehvermögen entwickeln. Besonders eindrucksvoll sind hier die Ganzkörperplastinate zum Thema Haut dem größten Organ des Menschen, zum Nervensystem und zum Thema Muskeln, Sehnen und Bänder. Außerdem wird in diesem Bereich anhand eines Filmes und diverser Präparate die Bedeutung von Adern und Arterien aufgezeigt und was passiert, wenn sie während des Alterungsprozesses, auf Grund falscher Ernährung und den unter anderem daraus entstehenden Krankheiten verkalken. An einer großen Wandtafel erhalten die Besucher Tipps zur Verhinderung solcher Erkrankungen.
Sehr imposant ist auch das Exponat der Blutgefäße eines Kaninchens. Im Zusammenhang mit den Blutgefäßen und Nerven wird nun die Arbeit des Herzens, sowie des Gehirns aufgezeigt. Mit Hilfe von stabilen Kunststoffaufgüssen von Gefäßsystemen und transparenten Körperscheiben können die Besucher unter anderem. einen Blick in das Herz, die Lunge und das Gehirn werfen. Sie sehen wie verkalkte Arterien (Arteriosklerose) oder Teile des Gehirns nach einem Hirnschlag (Schlaganfall) aussehen. Auch die Atemorgane fehlen in dieser Sammlung nicht. Der Vergleich zwischen der Lunge eines Nichtrauchers und der eines langjährigen Rauchers macht deutlich, wie viel Teer sich in diesem Organ ansammeln kann. Die stark verfärbte Lunge ist an einigen der ausgestellten Plastinate eindrucksvoll zu sehen.
Um aufzuzeigen wie sich eine gesunde Lebensweise auf den Organismus und somit auf die Lebenserwartung auswirkt, werden die Besucher nun durch einen ruhigen Teil der Ausstellung mit Fotos geleitet, die sehr alte Menschen und deren Lebensart aufzeigen. Das leise Plätschern eines großen Zimmerbrunnens, der wie eine riesige japanische Vase geformt ist, lädt zum Verweilen ein und entspannt mit dem angenehmen weichen Leicht die Sinne.
Von diesem Ruhepol aus gelangen die Besucher wieder zurück auf die Reise durch den menschlichen Körper. Nach einem sehr beeindruckenden Plastinat von den Blutgefäßen einer Gans und eines menschlichen Armes, gelangt man in den Bereich der Verdauung. Den Besuchern wird veranschaulicht, wie lang ein menschlicher Darm ist, wie wichtig dessen Arbeit für das Wohlbefinden ist und wie Leber und Nieren arbeiten.
In einem abgesonderten Bereich, der nur für Besucher ab 16 Jahren freigegeben ist, widmet sich die Ausstellung dem Thema Geschlechtsverkehr. Zwei sehr beeindruckende Ganzkörperplastinate von Paaren beim Geschlechtsverkehr erwarten die Besucher. Die Exponate zeigen ein Paar während des Aktes auf einem Stuhl und das zweite beim Sex im Stehen unter der Dusche. Bei beiden Exponaten wird den Besuchern ein tiefer Blick in das Innere von Mann und Frau gewährt. Eine große Tafel erläutert die Veränderung der Auffassung der Vorgänge beim Geschlechtsverkehr in Wandel der Zeit – vom Mittelalter bis heute.
Im letzten Teil der Ausstellung werden die Harnwegs- und Geschlechtsorgane und deren Funktion, sowie die „Zusammenarbeit“ zwischen Skelett, Gehirn, Nerven und Muskeln erörtert.
Hier stehen auch das größte und das kleinste der hier gezeigten Plastinate. Die Besucher können ein sehr beeindruckendes Ganzkörperplastinat einer Giraffe und direkt daneben das einer Maus begutachten. Sie können erfahren, wie der Organismus dieser Tiere funktioniert und warum zum Beispiel eine Giraffe nicht an einem zu hohen Blutdruck im Kopf stirbt, wenn diese den Kopf auf den Boden senkt.
Mit „Körperwelten“ ist DR. GUNTHER VON HAGEN eine sehr faszinierende und kontrovers diskutierte Ausstellung gelungen. Derart detaillierte Einblicke in den menschlichen und tierischen Körper zu bekommen, war bisher einzig Berufsgruppen wie Medizinern und Pathologen vorbehalten. Nun vermittelt die Ausstellung jedem Interessierten Wissen darüber, wie komplex, aber auch wie verwundbar und zerbrechlich der menschliche Körper ist. Gleichzeitig fördert sie die Auseinandersetzung mit Krankheiten und dem Tod – nicht zuletzt dadurch, dass die Besucher mit echten menschlichen Körpern konfrontiert werden, denen man unter Umständen die Spuren ihres Lebensstils (wie zum Beispiel einer Raucherlunge oder einer Fettleber) durchaus noch ansieht.
Abbildungen in Büchern und Filmen können dies nicht annähernd so gut und eindringlich aufzeigen, wie es diesem „dreidimensionales Lehrbuch“ gelingt.
„Die Ausstellung „Körperwelten“ ist ein Ort der Aufklärung und der inneren Einkehr, ein Ort philosophischer und religiöser Selbsterkenntnis. Kein illegaler Friedhof, kein postmortaler Schönheitssalon. Sie zeigt den Körper als besten Repräsentanten der Seele, der sich dem Besucher deutungsoffen entgegenstellt.“ (GUNTHER VON HAGEN)




