CRADLE OF FILTH, GORGOROTH, MOONSPELL, SEPTIC FLESH
An einem Sonntagabend lud der Tour-Tross um CRADLE OF FILTH zu einem der letzten Konzerte des Jahres ins „Huxleys Neue Welt“ im schönen Berliner Stadtteil Neukölln.
Der Start des Abends, den neben CRADLE OF FILTH auch GORGOROTH, MOONSPELL, SEPTIC FLESH und ARSAI bestreiten sollten, war laut Homepage für 20 Uhr angesetzt, als wir um kurz nach acht die Halle betraten, standen aber eindeutig schon die Griechen SEPTIC FLESH auf der Bühne. Ob ARSAI entfallen sind oder ob sie schlicht und ergreifend vor dem offiziellen Veranstaltungsbeginn die Bühne entern mussten, ist leider nicht bekannt. Doch zurück zu SEPTIC FLESH. Das Quartett machte sich auf der Bühne enorm gut und bretterte gekonnt eine Death-/Black-Metal-Salve nach der Nächsten ins Publikum. Gekonnt eingespielte Samples und sehr aktives Stage-Acting taten ihr übriges, so dass SEPTIC FLESH, die zuvor schon auf CD überzeugen konnten, auch Live eine Band sind, die ich mir gerne noch einmal ansehen würde.
Eine kurze Umbaupause beförderten uns von Griechenland nach Portugal zu MOONSPELL. Dass MOONSPELL eine enorm gute Live-Band sind, die nach einigen schwachen Alben im Lauf der Bandgeschichte in letzter Zeit mit enorm starken Releases punkten konnte, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. So waren dann auch die Publikumsreaktionen auf FERNANDO und seine Mannen sehr positiv, auch wenn man durchaus in Frage stellen kann, ob es eine kluge Entscheidung der Band war, die härteren neuen Songs allesamt an den Anfang des Sets zu stellen und die (langsameren) älteren Nummern ans Ende zu verbannen. Das Publikum ließ sich davon aber nicht beirren und feierte die Band so, wie sie es nach mittlerweile über fünfzehn Jahren Bandgeschichte und einem starken Konzert verdient hatte.
In der folgenden Umbaupause wurde die ohnehin nicht übergroße Bühne des Huxleys mit vier Kreuzen vollgestellt. Dieser Aufbau ließ den Musikern der folgenden GORGOROTH kaum Freiraum auf der Bühne, aber wer wirklich evil sein will, der braucht eben nackte gekreuzigte auf der Bühne. Das Set von GORGOROTH war zu etwa zwei Dritteln eher langweilig. Uninspirierten Black Metal ballerten GAAHL und seine Gefährten in die Halle, die zu diesem Zeitpunkt etwa halb gefüllt war. Ab dem Ende des zweiten Drittels ließen GORGOROTH dann langsam erahnen, dass es in ihrem musikalischen Universum mehr als einen Blastbeat bei konstant hoher Geschwindigkeit und konstant sägende Gitarren gibt und rechtfertigten so ihre Beliebtheit zumindest noch ein wenig.
Eine der ersten Ansagen, die DANI FILTH machte sagte sinngemäß aus, dass CRADLE OF FILTH seit elf Jahren nicht mehr in so einem kleinen Club gespielt hatten. Dass der Club zu diesem Zeitpunkt nicht einmal mehr halb gefüllt war, macht das Konzert für die Musiker sicher nicht einfacher. Doch von solchen Kleinigkeiten ließen sich CRADLE OF FILTH nicht irritieren. Sie schienen sich „jetzt erst recht“ zum Motto des Abends gemacht haben und spielten von Anfang bis Ende eine absolut professionelle, perfekt inszenierte und gespielte Show. DANI hüpfte wie ein hyperaktives Gummibärchen auf seinen Plateau-Schuhen über die Bühne auf der die Band seinen typischen zwischen Kreischen und Growlen schwankendem Gesang perfekt musikalisch untermalte. Vermutlich forderte dieser Abend die musikalischen Qualitäten von CRADLE OF FILTH erst so richtig, denn ein Konzert vor tausenden betrunkenen feierwilligen Festivalbesuchern zu spielen ist mit Sicherheit einfacher als in einem halbvollen Club vor einem Publikum anzutreten, das am nächsten Tag zur Arbeit muss. CRADLE OF FILTH meisterten diese Aufgabe jedenfalls mit Bravour und verzichteten am Ende ihrer Setlist, die zwar den Schwerpunkt auf das Aktuelle Album der Band legte, aber auch mit Klassikern nicht geizte, sogar auf das für viele Bands typische Spiel, bei dem die Band die Bühne in der Gewissheit verlässt, dass noch nach Zugaben gerufen wird. Stattdessen hängte die Band den Zugabenblock mit sehr kurzer Pause direkt an das reguläre Set an und entließ diejenigen, die so lange ausgehalten hatten, wieder in die kalte Nacht. Ein absolut professioneller Auftritt, der die Band von ihrer stärksten Seite zeigte.



