Wacken Open Air 2008
Wie immer haben die Veranstalter beim W:O:A sich nicht lumpen lassen und ein astreines LineUp zum neunzehnten Jahrestag des Festivals präsentiert.
Den Start machten am Donnerstag Nachmittag GIRLSCHOOL, für die schon alleine spricht, dass sie zu den Lieblingsbands von LEMMY von MOTÖRHEAD gehören, der auch schon mit ihnen im Studio stand. Die Damen konnten das bei hervorragendem Wetter feiernde Publikum mit ihrer frischen Mischung aus Rock mit Metal-Einschlag von Anfang an mitreissen.
Noch mehr Damen, diesmal insbesondere leichtbekleidete, gab es danach auch auf der Party Stage bei NASHVILLE PUSSY zu sehen. Die Musik dürfte hier für die meisten Metaller wohl der geringste Anwesenheitsgrund gewesen sein, eher schon das knappe Höschen von Bassistin KAREN CUDA... Aber das kann man am ersten Wacken-Nachmittag sicher auch noch als guten Grund durchgehen lassen.
Danach ging es wieder ab zur Hauptbühne, wo die jungen Australier AIRBOURNE auftraten. Ein Newcomer, wie er im Buche steht und wie wir ihn uns öfter wünschen. Von der soliden Rockmusik zwischen AC/DC und ROSE TATTOO bis hin zur gut gelaunten Bühnenshow passte hier einfach alles und Sänger und Gitarrist JOEL O'KEEFFE liess es sich auch nicht nehmen, eine der Traversen an der Bühnenseite zu erklimmen und ein Gitarrensolo in 30 Metern höhe zum besten zu geben. Wären nur alle Newcomer so gut und so engagiert...
Zu den musikalisch vollkommen belanglosen AVENGED SEVENFOLD war es dann auch Zeit, sich pünktlich zum musikalischen Höhepunkt zur zweiten Hauptbühne zu begeben. Diesen Höhepunkt lieferten IRON MAIDEN dann auch in gewohnter Routine. Dass das Metal-Urgestein wohl zu den besten Live-Bands der Szene gehört, ist ein offenes Geheimnis. Diesen Status untermauerten sie auch äußerst eindrucksvoll als Headliner beim Wacken Open Air. Von den Klassikern vom "Number Of The Beast"-Album bis hin zu "Seventh Son Of A Seventh Son" spielte die Band eine Best-Of-Set, das - wie die gesamte "Somewhere Back In Time"-Tour den Schwerpunkt auf die Mitte der achziger Jahre legte.
Am Freitag mittag gab sich eine weitere Metal-Legende auf der Party-Stage die Ehre: SCHMIER, seines Zeichens Frontman der Thrash-Combo DESTRUCTION stand mit seiner Zweitband HEADHUNTER vor erschreckend geringem Publikum, was aber definitiv auch am vorherigen Platzregen lag.
Nach kurzem Zwischenspiel von KAMELOT und SOILWORK war es dann an der Zeit, den großen Herren von OPETH zu lauschen. MIKAEL ÄKERFELDT war offensichtlich gut gelaunt und liess es sich nicht nehmen, zwischen den wie immer großartig gespielten Songs von "Blackwater Park" über "Ghost Reveries" bis hin zu "Watershed" - laut ÄKERFELDT wie alle Songs "keine Hitsingles" - mit dem Publikum zu scherzen. Mr. Charisma hatte die Wacken-Meute voll im Griff.
Danach war es während der BODOMskinder an der Zeit, sich etwas Grillfleisch zu genehmigen, um rechtzeitig zu THE HAUNTED frisch gestärkt vor der Party Stage stehen zu können. Und dieser Weg lohnte sich auf jeden Fall, denn die Schweden spielten sich souverän und mit viel Energie und der nötigen Aggressivität durch ihr Set.
Nach einer Verschnaufpause bei AVANTASIA, die durchaus nicht übel waren, ging es dann in's Zelt zu den EXCREMENTORY GRINDFUCKERS, die es wie immer schafften, mit ihren krank-schrägen Grindcore-Interpretationen bekannter Schlager und Popsongs, die Stimmung im Partyzelt zum kochen zu bringen. Schöner Abschluss eines langen Tages.
Nach einer weiteren kurzen Nacht begann der letzten Festivaltag. Und der begann gewaltig mit den Thrash-Klassikern EXODUS, bei denen man sich nur fragen konnte, warum eine so geniale Live-Band als eine der ersten Bands des Tages auf die Bühne musste.
Später gab es dann noch die gute, aber etwas lustlose Reunion-Show der Splatter-Großväter CARCASS und dann mit AT THE GATES wieder Schweden-Metal vom feinsten. Diese Band, die in ihren früheren Tagen unter anderem heutige Szenegrößen wie IN FLAMES und SOILWORK entscheidend beeinflusst haben, zeigten, dass sie auch nach längerer Pause diesen Nachkommen um nichts nachstehen, sondern im Gegenteil noch immer ganz vorne mitspielen.
Eine Überraschung gelang danach NIGHTWISH, von denen ich mir eigentich überhaupt nichts erwartet hatte, bei denen aber vor allem die neue Frontfrau ANETTE OLZON eine super Show ablieferte. Charmant, teilweise etwas naiv aber offensichtlich sehr gut gelaunt, war ihre Stimme vor allem auch bei älteren Nummern angenehm zu hören und zeigte sich immer wieder mit rockigem Einschlag.
KREATOR sind eine Macht für sich und spielten als letzte Band vor den Grand Prix-Gewinnern LORDI eine erwartet gute, aber nicht sonderlich überraschende Show mit schicker Video-Untermalung.
Das Fazit des Wacken Open Air 2008 ist damit für mich: ein super Festival, das schon alleine wegen seines (wieder einmal) exzellenten LineUp, unseren äußerst unterhaltsamen schweizer Zeltnachbarn und den tausenden gut gelaunten Metalheads die Reise wert war. Als einziger Kritikpunkt bleibt da zu vermerken, dass die Sicherheitsvorkehrungen doch teilweise etwas locker gehandhabt wurden. Zum Beispiel wurden nach einigen Bands am Einlass teilweise nicht mehr kontrolliert, was aber deutlich schwerer wiegt ist, dass bei 75.000 Besuchern der ein oder andere Wellenbrecher im Zuschauerbereich sicher nicht verkehrt wäre, um den Druck von den vorderen Reihen gerade bei den Headlinern wie IRON MAIDEN zu verringern.
Schließlich wollen wir doch alle auch in den nächsten Jahren in Wacken feiern ohne irgendwann einen Toten wie in Roskilde beklagen zu müssen.




