Wave-Gotik-Treffen 2010


Montag
Cinestar

„Gothic: Darker Stories“-Lesemarathon
Im Rahmen des 19. Wave-Gotik-Treffens in Leipzig startet die Beltz Verlagsgruppe einen Lesemarathon zu dem jüngst erschienen Buch „Gothic: Darker Stories“. Dies ist eine Sammlung von achtzehn dunklen, grusligen und dunkel-romantischen Kurzgeschichten von achtzehn Autoren. Zusammengetragen wurden diese vom Autor und Herausgeber BORIS KOCH.
Nach einer kurzen Einleitung durch BORIS KOCH lasen MARKUS HEITZ, ANNA KUSCHNAROWA und CHRISITAN VON ASTER nacheinander ihre Kurzgeschichten. Der Kinosaal war bis auf den letzten Platz gefüllt und die Besucher amüsierten sich prächtig. CHRISTIAN VON ASTER hatte anfangs einige Artikulationsschwierigkeiten, die er mit Humor und kurzen Zungenlockerungsübungen überwand und dann ohne weitere Probleme sein Text „Die Brut“ zum Besten gab. (BB)

Kohlrabizirkus

K-BEREIT
Den Opener auf der Bühne des Kohlrabizirkus machten am Montag K-BEREIT. Das Duo aus Frankreich steht für guten und schnörkellosen Old-School-EBM. DOMINIQUE LALLEMENT (KRIEGSBEREIT, COBALT 60) gründete mit seinem Freund FRED SEBASTIAN das EBM-Projekt als eine kraftvolle Mischung aus den Sounds von COBALT 60 und KRIEGSBEREIT. An der Musik und den Outfit des Duos ist der große Einfluss von FRONT 242 gut zu erkennen. Die Bühnenshow wirkte teilweise etwas unsicher, was allerdings nicht den Gesang betraf. Zu Beginn des Konzerts waren noch nicht allzu viele Zuschauer anwesend – jedoch füllte sich der Kohlrabizirkus im Laufe des Konzertes. Als plötzlich die ersten Töne des FRONT 242-Klassikers „Headhunter“ durch die Boxen drangen, horchten die Leute auf und wohlmeinende Rufe wurden laut. (BB)

KIEW
KIEW traten im Kohlrabizirkus mit ihrem neuen Album „Mental [Per]mutation“ an. Die Halle war von Beginn an bestens gefüllt. Kein Wunder, denn ANDREAS THEDENS, MATTHIAS KULCKE und STEPHAN THIEMICKE haben mittlerweile wohl so etwas wie Kultstatus erreicht. So wurde dann auch ordentlich zu neuen wie alten Titeln getanzt, während auf der Bühne die gewohnt irre Show samt Videoprojektionen zum Besten gegeben wurde. Über weite Strecken wurden KIEW dabei von DR. DEBIL unterstützt, der den Norddeutschen sowohl sangestechnisch als auch an den Maschinen zur Hand ging. Den Klassiker „Feierabend In Kiew“ gab es übrigens nicht zu hören. Dank der klasse Songauswahl dürfte den aber auch niemand vermisst haben (FK)

IN STRICT CONFIDENCE
Als Vertreter des Alternative Electro stachen IN STRICT CONFIDENCE aus dem Line-Up dieses Tages, das zumeist aus Industrial-Bands bestand, besonders hervor. Als Co-Headliner sorgten sie für einen sehr gut besuchten Kohlrabizirkus. Der Einlass wurde zwischenzeitlich sogar aufgrund von Überfüllung eingestellt. Fast pünktlich begannen die Damen und Herren um Mastermind DENNIS OSTERMANN mit ihrer Show, die zur Freude der Fans wieder mit weiblicher Stimme unterstützt wurde. NINA DE LIANIN, ein Neuzugang im ISC-Zirkus, verlieh den Songs mit ihrem Gesang eine perfekte Stimmung. Vom roten Lackoutfit sei hier mal ganz zu schweigen. Musikalisch bot man den Fans die gesamte Hit-Palette seit dem Album „Love Kills!“. So gehörten neben den Titeln „My Despair“ und „Silverbullets“ aus dem jüngsten Longplayer „La Parade Monstreuse“, unter anderem auch „Promised Land“, „Herzattacke“ und „Seven Lies“ zur Setlist. Visuell unterstützt wurde die Show mit den passenden Videoclips und Fotos aus dem Artwork des jeweiligen Albums. So boten ISC ihren Fans eine großartige und kraftvolle Show, die sie mit ihren wohl bekanntesten Hit „Zauberschloß“ und „Engelsstaub“ abschlossen. Leider muss man auch erwähnen, dass der Sound in der Halle nicht für alle Besucher perfekt war. So waren die E-Gitarren teilweise zu präsent, während der Gesang von DENNIS unterging. Auch während der Gesangspassagen, in denen DENNIS und NINA eigentlich gleichzeitig zu hören sein sollten, konkurrierten sie eher miteinander, als zu harmonieren. Das lag aber weniger an den Gesangskünsten der Protagonisten. Insgesamt war das Konzert von ISC eines der großartigsten des diesjährigen WGTs. Nach Ende des Konzerts fand fast ein kompletter Zuschauertausch statt. Während ISC Fans sich nach draußen quälten, drängten sich andere Besucher durch den schmalen Gang in die Halle, um den letzten Act des Abends, THE KLINIK, erleben zu können. (SH)

THE KLINIK
Den krönenden Abschluss des 19. Wave-Gotik-Treffens lieferten die Elektro-Urgesteine von THE KLINIK. Mit vollständig bandagierten Gesichtern und in schwarze Ledermäntel gehüllt betraten MARC VERHAEGEN und sein Keyboarder die Bühne. In dämmriger Beleuchtung startete das an diesem Tage bestbesuchte Konzert im Kohlrabizirkus. Der belgische EBM-/Industrial-Pionier sang in altgewohnter Manier mit minimalistischer Bühnenperformance Klassiker wie „Braindamage“, „Moving Hands“ und „Surviving In Europe“. Untermalt wurde das Konzert von feuernden Strobos, kurzen grellweißen Scheinwerfersalven und einer zerstückelten Videopräsentation im Hintergrund. Im Laufe des Konzerts wurden die schweren Mäntel dann gegen offenherzige Westen getaucht und zum Schluss stand MARC VERHAEGEN mit freiem Oberkörper und weißer Plastikgesichtsmaske auf der Bühne. Nach einer kurzen Zugabe endete das Konzert von THE KLINK und damit auch das letzte Konzert des 19. Wave-Gotik-Treffens. (BB)

Nachwort zum 19. Wave-Gotik-Treffen
Nach vier Tagen der dunklen, friedlichen Zusammenkunft, ging das 19. Wave-Gotik-Treffen in 2010 zu Ende. Nach einem kurzen Brainstorming am „day after“ muss festgehalten werden, dass Leipzig in diesem Jahr nicht ganz so schwarz war, wie in die Jahren zuvor. Meist ist man ohne großes Quetschen in die Straßenbahnen eingestiegen, die Veranstaltungsorte waren nicht so gut gefüllt wie gewohnt und die Innenstadt und der Bahnhof präsentierten sich nur in einem dunklen Grauton. Dieser Umstand tat dem Festivalfeeling jedoch keinen Abbruch.
Allerdings wurden schon während des Festivals einige Stimmen laut, dass die Eventplanung in diesem Jahr etwas schief ging. Die „großen“ Bands traten gleichzeitig auf und an zwei Abenden war das Konzert des Headliners schlechter besucht, als die anderen Konzerte an diesem Tag.

Wie schon erwähnt gab es auch in diesem Jahr keine großen Gewaltausbrüche und man konnte ein friedliches Miteinander feiern.
Einigen Festivalbesuchern fiel jedoch auch in diesem Jahr wieder auf, dass der Anteil der rechten Szenegänger weiter gestiegen zu sein schien. Man kann nur hoffen, dass dies kein Trend und in Zukunft zu einem Problem wird. Denn die schwarze (!) Szene will auch weiterhin friedliche Treffen, ohne ausgrenzende und menschenverachtende Einflüsse, abhalten.
Die Zahl und auch das Spektrum der angebotenen Veranstaltungen – Konzerte, Lesungen, Rollenspiele, Frühstück und Picknick, Ausstellungen und Führungen – ist in diesem Jahr auch wieder gewachsen. Der Festivalplan umfasste dieses Mal drei DIN-A4 Seiten, der Stadtplan war hingegen nur halb so groß wie früher. Mit den ganzen eingezeichneten Namen der Veranstaltungsorte war eine Orientierung – grade für Erstbesucher – etwas schwierig.
Gespannt sollte man auf das nächste Jahr sein. Denn 2011 steht das 20-jährige Jubiläum des Wave-Gotik-Treffens an – und das sollte natürlich standesgemäß gefeiert werden. (BB)

Unsere Autoren:
Biggy Riedmüller (BR)
Ben Blaschke (BB)
Ben Kettner (BK)
Freya Kettner (FK)
Stephan Hartung (SH)
Yvonne Schöneck (YS)

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