Emma & Marie - Je Te Mangerais

CD-Cover
REGIE
SOPHIE LALOY
LAUFZEIT
96 min. min
FSK
16
START:
23.02.2010

Marie möchte Konzertpianistin werden. Am staatlichen Konservatorium von Lyon wird sie als Klavierschülerin angenommen. Aufgrund der schwierigen finanziellen Situation zieht sie bei Emma ein. Sie waren Freundinnen als Kinder und Emma lebt seit dem Tod ihres Vaters allein in einem riesigen Haus mitten in der Stadt. Marie, die froh ist, ein zu Hause gefunden zu haben, muss bald feststellen, dass Emma eine ziemlich seltsame und anstrengende Vermieterin ist - Männerbesuche sind nicht erlaubt und sie nimmt Marie sehr in Beschlag.

Marie ist von Emmas geheimnisvoller Ausstrahlung und ihrer Selbstsicherheit gefesselt. Als Emma ihr jedoch körperlich näher kommt, ist sie verwirrt. Auf der einen Seite scheint sie die Avancen zu genießen, auf der anderen Seite gerät dadurch ihr Weltbild ins Wanken. Hin- und hergerissen zwischen den verschiedenen Erwartungen und dem Wunsch nach Freiheit und Emanzipation versucht Marie, sich auf ihre Abschlussprüfung vorzubereiten.

Je länger Emma und Marie zusammenwohnen, umso deutlicher treten die charakterlichen Unterschiede der beiden Frauen zutage.

Der französische Titel transportiert einen Großteil der Handlung zum Betrachter: „Je Te Mangerais“ – Ich werde dich verschlingen.
Wer hier wen verschlingt bzw. frisst, scheint leicht zu beantworten zu sein, stellt Emma ihrer neuen Mitbewohnerin doch von Anfang an ganz klare Regel auf.
Marie, auf das Zimmer angewiesen, kapituliert und akzeptiert diese Regeln. Nach und nach dringt Emma in alle Lebensbereiche ihrer Mitbewohnerin vor: in die Familie, in den täglichen Wettbewerb in der Schule, in ihr Liebesleben. Marie zieht aus, um dem zu entkommen und kehrt zurück, weil sie sich nicht geschlagen geben will.

Man könnte einen Film voller Zickigkeit zwischen zwei sehr unterschiedlichen Frauen erwarten, deren Missgunst untereinander sie unansehnlich erscheinen lässt. Emma und Marie sind jedoch auch dann würdevoll, wenn sie schon längst zu zweit am Boden liegen. Die Regisseurin SOPHIE LALOYS verliert nie den Respekt vor ihren Figuren, sie werden nicht karikiert und nicht vorgeführt. Die Geschichte wird von einem inneren Blickwinkel erzählt, die Schauspielerinnen erscheinen ungeschönt und sehr natürlich.

LALOYS verwischt die Grenze zwischen den Stereotypen des guten und des bösen Mädchens. Die Frauen kämpfen auf Augenhöhe, sie sind sich ebenbürtig. Sie kämpfen weiblich: mit den Augen, den Händen und ihrer Sprache. In ihren Gesichtern spiegeln sich sämtliche Emotionen wider, die nicht ausgesprochen werden dürfen: Neid, Wut, Eifersucht.

Die Tragik des Films offenbart sich dem Betrachter bei klassischer, tragender Klaviermusik. Ein besonderes Merkmal dieses Films: er spielt in Lyon – nicht in Paris. Es entsteht der Eindruck man sei mit dabei, wenn sie sich lieben und hassen, sich verachten und dennoch nicht voneinander loszukommen scheinen.

Mein Resümee: ein tragischer, dramatischer Film ohne Happy End.
Hübsche Hauptdarstellerinnen, die zuweilen ziemlich psychotisch dargestellt werden, in ihren Figuren. Sehr französisch in der Art der Kostüme und der Kulisse, aber dennoch ein schöner Film für einen netten Abend zu zweit.

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AUTOR

Isabelle S.
Isabelle S.

Autorenwertung:
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(7 von 10 Punkten)
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