MATTHAU MIKOJAN, WINTERSPRING, PUB'N'STEEL

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DATUM
12.03.2010
ORT
Leipzig

Es schien, als ob die Hauptperson des Abends das winterliche Wetter aus seiner Heimat Finnland direkt mit auf Deutschlandtour gebracht hatte. Auf das Wetter hätte man glatt verzichten können – darauf Herrn MIKOJAN endlich live zu sehen auf gar keinen Fall. Also auf nach Leipzig, auf ins Four Rooms. 2008 hatte man in Deutschland das letzte Mal die Möglichkeit MATTHAU MIKOJAN live zu erleben, alle angesetzten Termine seit damals mündeten immer kurz vor Beginn in einer Absage. Mit neuer Konzertagentur an der Seite klappte es dieses Mal glücklicher Weise.

Das im Four Rooms vorherrschende Durchschnittsalter machte zu Beginn den älteren Besuchern erst einmal Angst, dass man sich vielleicht doch im Hauseingang girrt haben könnte. Was macht man also am Besten in einem Club, den man bisher noch nicht kennt und in dem schon reichlich Gewusel herrscht? Man sucht sich ein ruhiges Plätzchen. Von dort erblickte man reges Treiben vor und auf der kleinen Bühne, beide Vorbands waren noch eifrig mit ihrem Soundcheck beschäftigt. Zwischendrin viele Mädels jüngeren Alters, die schon aufgeregt vor sich hin tuschelten.

PUB'N'STEEL eröffneten pünktlich den Abend. Die eben erst vom Techniker erlernten Finnisch-Kenntnisse brachte man sogleich unters Volk – Kippis! und auf ging’s. Die Leipziger Band ließ nichts anbrennen und rockte vom ersten Song an mächtig die Bude. Es sei mir an dieser Stelle erlaubt Frontman MARKUS als echte Rampensau zu betiteln – was in diesem Fall wirklich keine Beleidigung ist. Seine freche, witzige und sehr sympathische Art spricht an. Musikalisch brachten PUB'N'STEEL mit einer Mischung aus Punk und Ska mit innovativen deutschen Texten gut Schwung in den kleinen Club. Kein Wunder, dass bei vielen die Beine anfingen mit zu wippen, bei der Energie, die die vier Musiker auf der Bühne versprühen. Davon hätte ich gern noch etwas mehr gehört.

WINTERSPRING aus Dessau, die unter anderem schon einigen Erfolg beim MTV Rookie Contest verbuchen konnten, mir bis dato aber völlig unbekannt waren, durften als nächstes ran. Ihr sehr Gothic angehauchter Rock mit verzerrten Gitarren, synthetischen Klängen und der dunklen Stimme von Sänger RAIN DUSKY hat sicher seine Qualitäten, aber leider konnten sie an diesem Abend nicht mit der Frische und dem Witz von PUB'N'STEEL mithalten. Zwischendurch hatten sie dann auch noch mit technischen Problemen zu kämpfen.

Je später der Abend desto mehr füllte sich der Club und komischer Weise war plötzlich von Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden auch nichts mehr zu merken. Der Star des Abends durchquerte in der Zwischenzeit auch schon mehrmals den Laden was glitzernde Augen und aufgeregtes Kichern bei einigen Mädels zur Folge hatte – sehr lustig anzusehen.

Wer in der Umbaupause dann noch versuchte in die ersten drei Reihen vorzurücken, und sei es nur um die Kamera halbwegs in Richtung Bühne auszurichten, der hätte sich lieber mit härteren Werkzeugen ausrüsten sollen. Die Chancen dafür waren nämlich gleich Null, denn die Mädels wichen keinen Millimeter von ihren ergatterten Plätzen.
Nachdem man noch eine Weile mit Warten zubringen musste, enterte MATTHAU zusammen mit Drummer SIMO STENMAN und Ersatzbasser JANNE SUNDVALL die Bühne und es kam Unruhe in die Menge. MATTHAU und Co. legten los und das Four Rooms begann zu kochen. Der charismatische Sänger und Gitarrist muss einen extra großen Topf mit Talent in die Wiege gelegt bekommen haben, denn nicht nur seine eigenen Songs bringt er mit Inbrunst unters Publikum auch Cover von Größen wie BILLY IDOL oder GUNS N' ROSES macht er zu seinen Songs: aggressiver Rock mit Gitarrenriffs, die jeden echten Musiklieber ins schwärmen bringen.
Dass MATTHAU das, was er da tut mit Leib und Seele macht, kann dabei eigentlich keiner anzweifeln. Er weiß eben auch, wie er die Mädels, die vor der Bühne wild die Arme und Hüften kreisen lassen, in den Wahnsinn treiben kann und es ist entzückend mit anzusehen wie bereitwillig die Teenies ihm jeden Wunsch von den Augen ablesen und geht es auch nur darum wer ihm die nächste angesteckte Zigarette überreichen darf.
Vor allem seine Hits wie „Stiletto Heels“, „To Fornutate To Cry“, „Chasing Ghosts“ und „Gypsy Eye“ bringen die Stimmung im Club fast zum überkochen – allerdings wird auch die Luft im Laden immer knapper – wir erinnern uns an das nicht mehr vorherrschende Rauchverbot...
Der Ruf nach Zugaben ist überflüssig, weil die Herren erst gar nicht von der Bühne gelassen werden. Also geht es noch eine Runde weiter bis die Beine irgendwann den Streik androhen und man etwas ausgelaugt den Weg zur nächsten Sitzgelegenheit sucht. Einfach ein sehr geiles, musikalisch hochwertiges Konzert.

Am Ende bleibt kein Wunsch mehr offen, außer, dass MATTHAU hoffentlich schon sehr bald wieder den Weg nach Deutschland findet – dann vielleicht ohne finnisches Wetter im Gepäck.

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AUTOR

Eilan