HIOCTAN machen ehrliche Musik für ehrliche Menschen. Was das bedeutet und alle Fragen zum neuen Album "Under Control" beantworteten uns FIET und MICHAEL.
Freya: Zwischenzeitlich war HIOCTAN ein Ein-Mann-Projekt. Wie ist der aktuelle Stand? Wer ist alles beteiligt und wer macht was?
Michael: Während die beiden Veröffentlichungen „Headscan“ und „Concentration Overload“ noch allein durch mich produziert wurden, operiert HIOCTAN nun wieder – ganz so wie in Anfangstagen – als Zwei-Mann-Projekt. Mein langjähriger Kumpan und Wegbegleiter FIET von der Dark-Electro-Formation TOTALVERLUST unterstützt mich seit geraumer Zeit nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Studio.
Fiet: Seit März 2005 bin ich mit dabei, unter anderen bei Livegigs am Keyboard und am Mikro. Auf „Under Control“ habe ich beispielsweise zu „Damned Society“ und „The Great Deception“ die Texte und den Gesang beigesteuert. Die Komposition beider Stücke haben wir gemeinsam auf dem Gewissen.
Freya: Mit „Under Control“ veröffentlicht ihr im Februar euer drittes Album. Was unterscheidet das Album von den Vorgängern? Was habt ihr in der Zeit nach den ersten beiden Alben dazu gelernt?
Michael: Musikalisch ist nahezu alles beim alten geblieben. Wir haben uns auch bei der neuen Platte „Under Control“ bewusst dazu entschlossen, uns nicht jedem Trend zu unterziehen. Ein großer Unterschied zu den beiden vorangegangen Veröffentlichungen ist, dass wir dieses Mal sehr viel Zeit mit dem Audio-Engineering, also der Nachbereitung der einzelnen Spuren, verbracht haben, um dadurch einen noch transparenteren Sound zu erzeugen.
Freya: Seit eurem letzten Album sind fünf Jahre vergangen. Warum die lange Wartezeit?
Michael: Leider ist es so, dass man als Nicht-Vollzeit-Musiker einer Arbeit und anderen alltäglichen Dingen nachgehen muss, um sein Leben zu bestreiten. Jene Dinge hindern mich zunehmend daran, neue Songs zu produzieren. Während ich für die ersten beiden Veröffentlichungen während meines Studiums noch relativ viel Zeit hatte, bin auch ich nun ein Teil der arbeitenden Bevölkerung, der sich aus dem Alltag nur schwer losreißen kann. Wenn dann die eigenen Ansprüche hoch sind, scheint eine solche Platte niemals fertig werden zu wollen.
Freya: Ihr sagt selbst, dass sich „Under Control“ jedem Trend entgegen stellt. Ist das so?
Fiet: Ja, ich denke, es ist gelungen. „Under Control“ dürfte wie auch schon die beiden Vorgänger jedem Vergleich mit der sonst in der Electro-Szene leider oft üblichen Disco-Techno-Mucke standhalten.
Freya: Ihr habt auf dem neuen Album so einiges an ungewöhnlichen Instrumenten zum Einsatz gebracht. Erzählt doch mal, was es damit auf sich hat und wieso ihr euch dazu entschieden habt, nicht nur den Computer zu nutzen.
Michael: Ich finde es interessant, genre-untypische Instrumente in meiner Musik zu verwenden. So finden Pauke, Trompete und auch Pan-Flöte genauso ihren Platz in unseren Songs wie treibende Bassläufe und verzerrter Gesang. Ich denke, dass es genau das ist, was HIOCTAN ausmacht und uns von der Masse abhebt. Für die Erzeugung dieser filigranen Elemente benutzen wir ebenfalls den Computer. Die „Physical Modelling Synthese“ oder die „Wavetable Synthese“ bieten gute Möglichkeiten, derartige Klänge nahe am Original zu erzeugen.
Freya: Eure Texte decken ja eine ganz schöne Breite ab. Wie entstehen sie?
Michael: Im Grunde gibt es am Anfang ausschließlich die Musik. Erst, wenn das Instrumentalstück fertig ist, schreiben wir den Text und nehmen den Gesang auf. Als Inspiration für unsere Texte dient uns das tägliche Leben. In ihnen verarbeiten wir all jenes, was uns berührt, anwidert oder antreibt.
Es ist aber ganz besonders auffällig, dass sich bei „Under Control“ textlich behandelte Gräueltaten der Menschheit wie ein roter Faden durch das Album ziehen.
Freya: Wie viel haben die Texte mit eurem eigenen Leben zu tun?
Fiet: Sie haben insofern mit unserem Leben zu tun, als dass wir in mit dem Unrecht, der Willkür und Einschüchterung um uns herum, die leider die Masse der Gesellschaft als selbstverständlich hinnimmt, nicht einverstanden sind. Genauso verhält es sich mit Ignoranz, Dummheit und politischer Verklemmung.
Freya: Ihr habt mal gesagt, dass euch Texte nicht besonders wichtig sind. Warum macht ihr euch dann überhaupt die Mühe so tief greifende Themen anzusprechen?
Michael: Ich weiß nicht, auf welches Interview genau du dich berufst, aber eine bestimmte Aussage mit meinen Texten zu treffen, war und ist mir schon wichtig. Manchmal frage ich mich natürlich warum ich mich stundenlang quäle, einen Songtext zu schreiben, wenn ich den Gesang dann doch bis zur Unkenntlichkeit verzerre und manipuliere. Im Grunde würde ein Apothekenbeipackzettel den gleichen Zweck erfüllen, mir aber keine Befriedigung verschaffen. Wahrscheinlich betreibe ich den Aufwand, um selber ein besseres Gefühl – ganz besonders bei Konzerten – zu haben. Ich könnte mich nicht auf die Bühne stellen und irgendwelche Belanglosigkeiten in die Welt herausschreien. Das würde nicht authentisch wirken.
Fiet: Sicherlich geht es in erster Linie um die Musik. Ganz klar. Aber wenn man schon die Möglichkeit hat, Aussagen damit zu transportieren, sollte man dieses Podium schon sinnvoll nutzen, um seine persönlichen Meinungen, Gefühle und Gedanken zu bestimmten Dingen zum Ausdruck zu bringen, bevor man textlich auf dümmlichen Klischees rum reitet.
Freya: Ich habe bei euch gar keine Remixe gefunden. Die gehören doch in der Szene schon zum guten Ton. Wieso habt ihr euch dagegen entschieden?
Michael: Für uns gehört es zum guten Ton, sich nicht jedem Trend zu unterziehen. Wirklich Lust, einen Remix anzufertigen habe ich nur, wenn mir ein Song ausgesprochen gut gefällt und ich das Gefühl habe, etwas beitragen zu können, diesen Song aufzuwerten.
Fiet: Gerade weil es üblich ist und es die meisten machen, muss das bei HIOCTAN ja nicht auch zwangsläufig der Fall sein. Ich finde nicht, dass auf ein Album unbedingt Remixe gehören. Es sollten den Hörer die auf dem Album der jeweiligen Combo enthaltenen eigenen Stücke interessieren, und nicht die Remix genannten musikalischen Verunstaltungen, die es leider meistens sind. Das ist aber sicherlich Ansichtssache. Ich finde, der Fan oder Hörer hat ein Recht darauf, für sein Geld auch in den Genuss der vollen Spielzeit seiner Band zu kommen, die nicht durch Remixe erreicht werden sollte.




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