REMEMBER TWILIGHT

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INTERVIEWPARTNER
TIMO
DATUM
07.02.2010
ORT

REMEMBER TWILIGHT haben vor fünf Jahren ihr Debütalbum „Zerrissen“ veröffentlicht. Es folgten eine EP und Touren mit HAGGARD und COPPELIUS. Das ist für einen Newcomer durchaus beachtlich. Nun veröffentlichen die Baden-Württemberger ihr zweites Album, das den Titel „Musik über Niedergang und Verderben“ trägt. Wir sprachen mit Sänger TIMO NUSSBAUM.

Freya: Der Titel eures neuen Albums klingt ja ziemlich finster aber auch nach einem Gesamtkonzept. Wer und was geht nieder und wer verdirbt?

Timo: Im Album geht es um drei zentrale Themen. Den kulturellen, den wirtschaftlichen und den göttlichen Niedergang. Der Song „Künstler Der Dekadenz“ symbolisiert hierbei den kulturellen Verfall und setzt sich mit der zeitgemäßen Musik auseinander. Mal ehrlich: Die derzeit vorherrschende Musiklandschaft verdirbt doch jeden Charakter. Mit dem wirtschaftlichen Verfall beschäftigt sich der Song „Am Ende – In The Long Run“. Er liefert gleichzeitig die beste Antwort auf jede nervige Frage: Am Ende sind wir eh tot. Zumindest diese Tatsache sehe ich als gesichert an. Nun sollte aber die Zeit bis dahin möglichst angenehm verlaufen. Das sehe ich derzeit leider nicht. „Die Karottenzüchter übernahmen ganz schnell unser Land - Plantagen voller Nussbäume wurden einfach abgebrannt“. Es ist heute leider nichts mehr auf längerfristiges Dasein oder Wachstum ausgelegt. Daher nehmen ja auch die Karottenzüchter, die auf kurzfristige Daseinsbefriedigung aus sind, ständig zu. Mit dem göttlichen Niedergang beschäftigt sich der Song „Ich Suche Gott“. Dazu später mehr....

Freya: Ihr habt ja relativ lange gebraucht, bis jetzt euer zweites Album auf den Markt kommt. Was habt ihr in der Zwischenzeit getrieben? Und wieso hat das neue Album so lange auf sich warten lassen?

Timo: Leider reicht es bei uns bei weitem nicht aus, um von der Musik leben zu können. Von daher brauchen wir immer recht lange, bis die neuen Songs fertig gestellt sind. Unabhängig davon sollte auch eine gewisse Entwicklung in der Musik stattgefunden haben. Das funktioniert bei den wenigsten Bands in einem Jahr. Da klingt das eine Album oft wie das nächste. Aber gerade das wollen wir umgehen. Wenn wir ein neues Album veröffentlichen, dann soll es auch ein weiterer Schritt in eine Richtung sein. Wie Herr GRÖNEMEYER schon sagte: Stillstand ist der Tod!

Freya: Ihr habt ein neues Bandmitglied. Wie kam es, dass ihr CHRIZ aufgenommen habt und was hat sich seitdem in der Band verändert?

Timo: Wir kannten CHRIZ ja schon länger. Fast aus dem musikalischen Sandkasten. Von daher lag es nahe, ihn mal den Cellobogen schwingen zu lassen.

Freya: Ihr seid mit COPPELIUS auf Tour gewesen. Was habt ihr daraus mitgenommen?

Timo: Das ist eine schwierige Frage. Die Touren waren für mich immer eine große Bereicherung auf der musikalischen wie auch auf der persönlichen Ebene. COPPELIUS ist keine Band, sondern eine Institution. Bei ihnen zählt das große Ganze und das setzten sie live auch um. Selbst wenn jemand von der Musik nicht begeistert sein sollte, war es für ihn ein Erlebnis, die Show anzusehen. COPPELIUS bringen den guten Ton wieder zurück in die Konzertsäle. Musik ist heute mehr als sich nur auf die Bühne zu stellen und zu spielen. Dort stimmt einfach alles.

Freya: Ihr covert auf dem neuen Album „Mackie Messer“. Wie seid ihr zu dem Song gekommen? Und war es einfach die Lizenzen dafür zu bekommen?

Timo: Die Dreigroschenoper begegnet einem im Leben sicherlich öfter. Ich hatte damals eine Zeitschrift über Berlin in der Weimarer Republik gekauft. Darin war die Uraufführung von Bertolt Brecht sehr genau beschrieben. Daraufhin habe ich mir die Songs angehört. Beim Haifisch bin ich letztendlich hängen geblieben. Es ist ein sehr starker Song, der ausschließlich aus Strophen besteht. Die Lizenz bekommt man leider nicht für drei Groschen – BRECHT und WEILL hätten die Sache mit den Vermarktungsrechten wohl auch nicht gut geheißen.

Freya: Außerdem gibt es einen Remix von „Künstler Der Dekadenz“. Wer hat den gemacht?

Timo: Dieser Remix ist in einer Nacht- und Nebelaktion von den „Metallspürhunde“ gefertigt worden. Ich hätte nie gedacht, dass das noch hinhauen kann. Umso mehr war ich über das Ergebnis erstaunt. Einfach grandios!

Freya: Beleuchten wir mal zwei eurer Songs etwas näher. Erzähl mir doch bitte worum es in „Künstler Der Dekadenz“ und „Ich Suche Gott“ geht?

Timo: Thematisch stammt „Ich Suche Gott“ noch aus der Zeit unserer MCD „Der Tolle Mensch“. Leider haben wir es damals nicht mehr geschafft, den Song rechtzeitig fertig zu stellen. Es sind nochmals zwei Jahre vergangen bis zur Uraufführung. Im Refrain werden Teile aus „Die Fröhliche Wissenschaft“ von FRIEDRICH NIETZSCHE verarbeitet. Es wird der Tod Gottes ausgerufen. Die Strophe beschäftigt sich mit den griechischen Göttern, die ohne eine kontroverse Diskussion auszulösen als tot oder nicht mehr existent bezeichnet werden können. Ich denke, dass es mit dem christlichen Glauben auf Dauer wohl in die gleiche Richtung gehen wird. Dieser Song soll auch keine Aussage über Sinn oder Unsinn christlicher Werte oder der Religion sein. Vielmehr beschäftigt er sich mit der Vergänglichkeit der einzelnen Religionen über die Zeit. Auch für Religionen gibt es ein Haltbarkeitsdatum.
Mit „Künstler Der Dekadenz“ haben wir die vorherigen Themen für uns abgeschlossen und uns einem neuen Gebiet zugewandt. Es begann sozusagen eine neue Ära. Göttlich war endgültig alles geklärt und es war wieder an der Zeit, sich der Kunst als solcher zuzuwenden. Zu dieser Zeit kamen leider diese unsäglichen Castingshows auf. Für mich eine perverse Abart von Musik. Dort ist Musik keine Emotion mehr, sondern ein planbares Produkt, ähnlich dem Verkauf einer Kaffeemaschine. Die Künstler-/Castingopfer sind nur Statisten. Eine wirklich perverse Vorstellung. Die Band NU PAGADI hat dann endgültig den Vogel abgeschossen.

Freya: In eurer Besetzungsliste stehen sowohl ANNE als auch ANNA als Violinistinnen. War eine von beiden nicht mal ausgestiegen?

Timo: Das richtige Wort wäre wohl beurlaubt. ANNA war eine Zeit in England, weshalb sie nicht mehr in der Band mitwirken konnte. Nach ihrer Rückkehr war sie aber recht bald wieder festes Bandmitglied.

Freya: Ihr gebt auf MySpace unglaublich viele Einflüsse an. Wie passt denn WIZO in die Riege?

Timo: WIZO beschäftigen sich wohl hauptsächlich mit morbiden Fantasien. Von daher passt doch die Grundstimmung sehr gut zu „Musik Über Niedergang Und Verderben“, oder?

Freya: Ich danke für das Interview.

Timo: Gerne geschehen.

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Freya
Freya:
"Von REMEMBER TWILIGHT wird man in Zukunft noch einiges hören."