COLIN HARRISON: Im Schlund Des Drachen
Amerika und China. Zwei Welten prallen hier aufeinander. Der drittgrößte Staat der Erde, hoch modern, die scheinbar unantastbare Supermacht Amerika – gegen die Volksrepublik China, das bevölkerungsreichste Land der Welt, in dem Unterdrückung und Zensur an der Tagesordnung sind.
Aber was hat dies mit dem Thriller von COLIN HARRISON zu tun? In seinem neuen Buch „Im Schlund Des Drachen“ treffen Menschen aus beiden Ländern aufeinander. Allerdings nicht nur auf freundschaftlicher Basis, sondern eher im Zusammenhang mit Millionenraub, Korruption und Spionage.
Die Chinesin Jin Li betreibt eine Reinigungsfirma mitten in New York. Zu ihren Auftraggebern gehören unter anderem große Pharma- und Finanzunternehmen. Doch anstatt jeden Papiermüll zu entsorgen, ist es ihre Aufgabe wichtige Dokumente heraus zu filtern, die sie ihrem Bruder Chen in China zukommen lässt, damit er gezielt Aktien manipulieren kann.
Irgendjemand scheint den beiden jedoch bei ihrer Industriespionage auf die Schliche gekommen zu sein.
An einem Tag nach Feierabend wird ein tödlicher Anschlag auf zwei der Mitarbeiterinnen der Firma verübt. Jin Li entkommt diesem nur knapp. Schnell merkt man, dass es die Falschen erwischt hat und so beginnt für Jin ein langes Versteckspiel um Leben und Tod.
Die Geschichte teilt sich in mehrere Handlungsstränge auf, die alle in irgendeiner Form miteinander verbunden sind. Da ist Jin Li, die junge Chinesin, die in Amerika lebt und sehr gut Englisch spricht. Sie leitet das Unternehmen CorpServe in New York. In der Vergangenheit hatte sie eine Beziehung mit dem Amerikaner Ray, den sie sehr oft in ihren Erinnerungen erwähnt. Aktuell befindet sie sich auf der Flucht vor ihren Mördern.
Da wären wir auch direkt bei dem zweiten Hauptcharakter des Buches: Ray. Ray kümmert sich liebevoll um seinen im Sterben liegenden Vater und hat gleichzeitig Probleme damit das Trauma von seinem Feuerwehreinsatz am 11.September zu bewältigen.
Von dem Bruder Jin Lins wird er „gezwungen“ nach ihr zu suchen, da keiner ihren Aufenthaltsort kennt. Also fängt auch Ray an über die alte Beziehung der beiden nachzudenken. Er macht sich allerdings auf eigene Faust auf die Suche nach seiner Freundin, ohne Chen davon zu berichten.
Charakter Nummer drei ist der New Yorker Geschäftsmann William Martz. Er leitet das Pharmaunternehmen „Good Pharma“, das durch Manipulation seiner Aktie einen Millionenverlust einstecken musste.
Somit macht er sich auf den Verursacher zu finden und kommt ihm schnell auf die Schliche. Doch wie er mit diesem Wissen umgehen soll bzw. es nutzen kann überlegt er sich ganz genau.
Letzter im Bunde ist Victor Rigetti. Bei ihm wird der Leser lange in Unwissenheit darüber gelassen, was für eine Rolle er genau spielt. Auf jeden Fall ist er für den tödlichen Anschlag auf die zwei Frauen der Firma CorpServe verantwortlich. Dementsprechend wird er seine Gründe haben, sich von den illegalen Geschäften angesprochen zu fühlen.
COLIN HARRISON lässt noch weitere Personen Wort ergreifen, die aber an dieser Stelle nicht nennenswert sind. Trotz dieser Vielzahl an Gedanken, behält man relativ gut den Überblick beim Lesen, da immer kurz erklärt wird wie wer mit jemandem in Verbindung steht.
Ein großer Kritikpunkt ist jedoch die Art des Autors ohne Punkt und Komma zu schreiben. Sprich Seitenlang hat man teilweise keinen einzigen Absatz, obwohl man welche hätte setzen können. Dadurch verliert man schnell die Konzentration, es wird anstrengend zu lesen und das Buch wirkt unübersichtlich.
Gegen Ende seines Thrillers bessert sich dies ein wenig, da hier nicht mehr alles aneinander geklatscht wird. Trotz alledem gehen so die Lust am Schmökern und gleichzeitig die Spannung verloren.
HARRISON hat einen direkten Schreibstil, der harte Wörter und Ausdrücke nicht scheut. An manchen Stellen wird dieser allerdings etwas unpassend eingesetzt, stört aber sonst nicht weiter.
Die Idee einen derartigen Spionagefall in ein Buch zu fassen ist super. Hätte der Autor jedoch weniger Charaktere eingebracht, hätte er diese einzeln näher beleuchten können und nicht nur ihre Vergangenheit kurz anreißen müssen. Gemischt mit der Gegenwart und Zukunft verwirrt das den Leser. Es macht den Eindruck als habe der Autor versucht viele Ideen in ein Buch zu quetschen um möglichst viel Tiefe zu erreichen. Daran ist er allerdings gescheitert.
Alles in allem kann man das Buch lesen, wenn man nichts gegen die genannten Kritikpunkte einzuwenden hat. Allen anderen kann man nur raten es nicht zu lesen, denn nach den ersten zwei Kapiteln verlässt das Werk schnell den guten ersten Eindruck.









