Der Fall: Ted Bundy - Serienkiller
Je mehr Menschen ein Serienmörder umbringt, umso größer ist das Interesse der Öffentlichkeit, was sich auch in den Medien in Form von Büchern, Computerspielen und Filmen niederschlägt. Einer der präsentesten Triebtäter ist der 1989 hingerichtete Ted Bundy, der in den Jahren 1974 bis 1978 mindestens 25 Frauen und Mädchen im Alter zwischen zwölf und 26 Jahren umbrachte. Er war äußerst charmant, redegewandt, sogar selbst Anwalt und ein perverser Sadist. Ihm machte es Spaß, seine Opfer zu Quälen, zu vergewaltigen und zu zerstückeln. In einem Fall kehrte er Monate nachdem er eine junge Frau tötete an den Tatort zurück und masturbierte in den verwesten Mund ihres abgeschlagenen Kopfes. Ein ziemlich kranker Kopf also.
Erwähnt wurde er bislang in vielen Filmen. Über ihn selbst wurden bisher drei Filme gedreht. Der erste Film hieß "Alptraum Des Grauens" und wurde bereits 1986 für das Fernsehen gedreht. Die Hauptrolle spielte MARK HARMON, der dafür sogar einen Golden Globe gewann. Erst im Jahre 2002 erschien "Ted Bundy – America`s Serial Killer No. 1" mit dem ansonsten unbekannten MICHAEL REILLY BURKE in der Hauptrolle. Obwohl für den DVD-Markt produziert, stellt diese Version bis jetzt immer noch die beste Verfilmung von Bundys Untaten dar. Denn Drehbuchautor STEPHEN JOHNSTON ist ein Spezialist für Serientäter, der mit seinen exakt authentischen Skripten auch schon Ed Gein, Charles Starkweather und die Hillside Strangler Kenneth Bianchi und Angelo Buono wiederaufleben ließ. BURKE besitzt eine gewisse Ähnlichkeit mit Bundy, und Regisseur MATTHEW BRIGHT inszensierte einen gleichermaßen schockierenden wie realistischen Streifen.
Nun erschien am 14. Januar 2010 mit "Der Fall: Ted Bundy - Serienkiller" der dritte Film über Ted Bundy, der hier vom bisher unbekannten CORIN NEMEC verkörpert wird. Geschrieben und inszeniert wurde das Werk von MICHAEL FEIFER, der übrigens mit "B.T.K", "Chicago Massacre: Richard Speck", "Boston Stranger – The Untold Story" und "Ed Gein: Butcher Of Plainfield" schon Filme über bekannte Serienkiller gedreht hat. Nur leider hielten sich diese Streifen allesamt nicht gerade an die Fakten, waren aber einigermaßen unterhaltsam inszeniert.
Kalifornien Anfang der 1970er. Ted Bundy hat eigentlich alles, was sich Mann nur wünschen kann. Er sieht gut aus, ist intelligent, sehr eloquent und fährt einen niedlichen VW Käfer. Das Glück scheint perfekt, als er die Studentin Stephanie kennen lernt. Doch Bundy besitzt auch eine dunkle Seite. Er hat den geheimen Wunsch zu vergewaltigen und beobachtet heimlich einige Kommilitoninnen auf dem Campus, um dabei zu masturbieren. Bundy entwickelt sogar rege Gewaltphantasien, die nach der von Streit zerfressenen Trennung mit Stephanie Realität werden. Ted Bundy wird zum Serienkiller. Grausamkeit und der pure Drang zu Vergewaltigen und zu Töten treiben ihn an. Immer mehr Frauen und junge Mädchen fallen ihm zum Opfer, bis er doch tatsächlich durch puren Zufall von einem aufmerksamen Polizisten verhaftet wird. Als sich herausstellt, dass man mit Bundy einen gesuchten Serienmörder erwischt hat, ist das Medienecho groß. Doch Bundy gelingt es zu fliehen und unterzutauchen. Doch anstatt von der Bildfläche zu verschwinden lässt ihm sein Trieb keine Wahl. Er bleibt in den USA und mordet ungehindert weiter.
Aufmerksame Leser, die mit dem Fall Ted Bundy vertraut sind, haben es an dieser Stelle bestimmt schon bemerkt: hier passt etwas nicht. Bundy wurde nicht durch Zufall geschnappt, sondern auf eine konkrete Fahndung hin, weil ihm eines seiner Opfer entwischte. Doch das ist hier leider noch lange nicht alles, was nicht der Realität entspricht. Der Richter, der ihn verurteilte hieß nicht etwa Foggerty, wie hier, sondern Edward Cowart. Der Film strotzt nur vor Fehlern in der Lebensgeschichte des Serienmörders. Ganz arg ist auch der Schnitzer in Form von Stephanie. Zwar gab es mal eine kurzzeitige Liebelei mit einer gewissen Stephanie, jedoch war es nicht mehr als eine kurze Affäre. Denn tatsächlich war die spätere Krimi-Autorin ANN RULE die langjährige Freundin von Ted Bundy, mit der er sogar eine Tochter hatte. Sie schrieb auch die Bundy-Biographie "The Stranger Beside Me", die allgemein als bestes Sachbuch zu dem Fall gilt. Die etlichen kleineren Fehler, wie etwa dass Bundy bei einer seiner Taten eine schlichte Holzkeule verwendete anstatt des gezeigten Baseball-Schlägers, fallen dabei weniger ins Gewicht und Laien kaum auf. Doch die ziemlich derben Schnitzer in der Lebensgeschichte fallen schon ziemlich derbe ins Gewicht.
Auch die Handlung des Films ist nicht gerade das Gelbe vom Ei. Es scheint, als hätte man einfach ein paar Episoden aus dem Leben von Ted Bundy herausgepickt und lieblos aneinander gereiht. Die ganze Sache läuft ziemlich unrund, indem praktisch der Lebensweg eines Mannes gezeigt wird, der gelegentlich ein paar Frauen ermordet. Dass heißt, das Triebhafte im alltäglichen Leben, was von Bundy Besitz ergriff, wird hier kaum angeschnitten. Hier in "Der Fall: Ted Bundy - Serienkiller" werden diese Aspekte getrennt voneinander betrachtet. Zuerst redet Bundy mit einem potentiellen Selbstmörder an der Sorgenhotline und ermordet in der nächsten Szene schon mit fast fanatischem Eifer eine junge Frau. Trotz dieser Inkonsistenz macht der Film hier in diesen Stellen schon wieder einiges weg. Die Szenen sind grausam und zeigen den krankhaften Sadismus und die Bestie Bundy von einer anderen Seite. Hier übt man sich in besserem Spannungskino und schafft eine durchaus gruselige Atmosphäre. Dennoch fehlt die Verbindung zwischen den beiden Seiten Bundys, denn auf diese Weise wirkt es eher, als hätte er eine gespaltene Persönlichkeit gehabt. Was aber nicht zutrifft. Bundy war ein verschlagener, selbstgerechter Mörder; der seine Hinrichtung immer wieder mit Versprechungen von noch nicht entdeckten Opfern aufschob. Er war sich seiner Taten also sehr wohl bewusst und auch seines bevorstehenden Todes. Nur kommt das hier nicht besonders gut zur Geltung. Das führt auch zu einem konstanten Filmtempo, was sich aber negativ auswirkt, da sich weder besondere Höhepunkte noch irgendwelche Tiefpunkte ausmachen lassen. Wesentlich besser sind allerdings die Montagen, in denen gezeigt wird, auf wie viele Arten Bundy die Opfer überreden und töten konnte. Das Ganze ist mit einem recht lässig-fröhlichen Soundtrack versehen und lässt den Zynismus in Bundys Methodik voll zur Geltung kommen. Das ist auch einer der ganz wenigen Punkte, in denen dieser Film besser ist als "Ted Bundy" von 2002.
Auch die Schauspieler-Riege ist nicht sonderlich glücklich besetzt worden. CORIN NEMEC sieht dem echten Ted Bundy nur bedingt ähnlich. Und auch sein Schauspiel funktioniert nicht richtig. Man merkt zwar deutlich, dass sich NEMEC Mühe gibt, nur leider übertreibt er es in vielen Szenen viel zu arg. Er gestikuliert wild herum, verzieht die Visage und verwandelt sich eher in einen blutrünstigen Dämon als einen vom Treib gesteuerten Sexualstraftäter. Den ruhigen, charmanten Bundy gibt er allerdings eher zurückhaltend. Auch so wird der Eindruck geweckt, als wäre Bundy ein von Grund auf brutales Monster. Das Problem hierbei ist nicht, dass es nicht die Wahrheit wäre, doch so geht einfach unter, wie geschickt es Bundy verstand, diese Seite von sich zu verbergen. Damit der Film wenigstens ein bekannteres Gesicht vorweisen kann, wurde der ehemalige Stuntman KANE HODDER engagiert, der in einigen Szenen als Justizvollzugsbeamter auftritt. HODDER erfreut sich in der Horrorgemeinde als Darsteller von Jason Vorhees in den Filmen "Freitag Der 13." Teil VII bis "Jason X" großer Beliebtheit. Nur leider geht sein Part hier ein bisschen unter und hat mal wieder überhaupt nichts mit dem echten Ted Bundy zu tun.
Fazit: Der Film hat zwar einige fröstelnde und grausige Momente, ist aber ansonsten eher weniger sehenswert. Er scheitert an der bemühten schauspielerischen Leistung ebenso wie an der mangelnden Authentizität, die dafür sorgt, dass "Der Fall: Ted Bundy - Serienkiller" kaum über den C-Movie-Status hinauskommt. Dafür wurde hier ganz einfach zu viel von der Lebensgeschichte Ted Bundys verdreht bzw. ausgelassen. All jene, die gerne eine korrekte Darstellung des Serienmörders sehen wollen, müssen also auf "Ted Bundy – America`s Serial Killer No. 1" aus dem Jahr 2002 zurückgreifen.









