Lornas Schweigen

CD-Cover
REGIE
Jean-Pierre und Luc Dardenne
BUCH
Jean-Pierre und Luc Dardenne
LAUFZEIT
105 min
VERLEIH
Piffl
START:
09.10.2008

FOTOS

Die junge Albanerin Lorna (ARTA DOBROSHI) träumt davon, mit ihrem Freund Sokol (ALBAN UKAJ) in Belgien eine Bar zu eröffnen. Während Sokol als Leiharbeiter durch Europa zieht, geht Lorna eine Scheinehe mit dem drogenabhängigen Claudy (JÉRÉMIE RENIER) ein, wodurch sie die belgische Staatsangehörigkeit erhält. Der erste Schritt ist getan. Um an Geld zu kommen, erklärt Lorna sich bereit nach Claudys – in die Wege geleitetem – Drogentod eine weitere, vom Mittelsmann Fabio (FABRIZIO RONGIONE) arrangierte Ehe einzugehen, um wiederum ihre Staatsangehörigkeit weiterzugeben. Als Claudy jedoch einen ernsthaften Entzugsversuch unternimmt und Lornas Hilfe braucht, erwacht Mitleid in ihr. Sie versucht seinen Tod zu verhindern und eine „normale“ Scheidung in die Wege zu leiten. Fabio nimmt jedoch immer mehr Einfluss auf ihre persönlichen Entscheidungen und Lorna muss erkennen, dass alles in ihrem Leben von Geld und kriminellen Verbindungen bestimmt ist. In dem Millieu, in das sie sich, um ihre Zukunftspläne zu verwirklichen verstrickt hat, ist kein Platz für weibliche Emotionen und so beginnt der Zerfall ihres Netzwerkes und all ihrer sozialen Bindungen.

Geld ist ein zentraler Aspekt des Dramas von JEAN-PIERRE und LUC DARDENNE. Immer wieder wechseln große Scheinbündel oder kleine Beträge in Münzen den Besitzer, immer sind die Situationen bedeutungsschwanger. Auch das Wegschließen und Bewahren der wenigen Besitztümer wird thematisiert und vermittelt einen Eindruck von Lornas unstetem Leben, das ausschließlich aus Arbeit und der Hoffnung auf Erfüllung ihrer Wünsche besteht. Es gibt keine Momente der Sicherheit, der Entspannung oder des Daheimseins. Nicht einmal die wenigen Augenblicke, die Lorna mit Sokol erlebt, sind ungetrübt.

„Lornas Schweigen“ eröffnet einen schockierenden Einblick in verschiedene, sich überschneidende Randgesellschaften, wirkt aber durch die niemals enden wollende Flut an unglücklichen Umständen teilweise übertrieben. So leidet vor allem das Ende der Geschichte trotz seiner reizvollen Offenheit an der unglaubwürdigen Überspitzung.
Besonders zu erwähnen ist in jedem Fall die Darstellerin der Lorna ARTA DOBROSHI, deren Melancholie atemberaubend ist und die Stimmung dominiert.
Alles in allem ein sehr beeindruckender, stiller Film, der in erster Linie eins hinterlässt – bedrücktes Schweigen.

„Lornas Schweigen“ erhielt den Preis für das beste Drehbuch beim Festival de Cannes 2008.

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AUTOR

Mareike
Mareike

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(8 von 10 Punkten)
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