VANESSA: Ave Agony
Dass richtig guter Electro-Industrial nicht nur aus dem Westen, dem Norden oder dem Süden kommen muss, bewiesen uns Ende letzten Jahres die Prager Ausnahmekünstler VANESSA.
Wer nun beim Lesen des Bandnamens vermutet, hier handelt es sich um zierliche Tonfolgen mit weiblichen Vocals, liegt völlig falsch.
VANESSA sind hart gesotten, aggressiv und klingen dennoch angenehm und vor allem anders. Vielleicht liegt es daran, dass hier niemand Geringeres als ALEXANDER HACKE (EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN) seine Fingerfertigkeit mit im Spiel hatte?
Bereits anno 1990 gegründet, war mir VANESSA vorher leider noch nie zu Ohren gekommen. Doch glücklicherweise erreichte mich dieser Tage ihr neuestes Schaffenswerk „Ave Agony“.
Beheimatet im schönen Prag konnte sich das Quintett dort bereits einen Namen machen. Nicht nur durch ihre exzessiven Auftritte, bei denen die Jungs vor so mancher Perversität (Trennung des Publikums von der Bühne durch Stacheldraht, das Zeigen von Bildern diverser Massenmörder, Pornographie) nicht Halt machten, sondern auch durch ihren außergewöhnlichen Sound, der Abstecher in so manche Gefilde macht.
„Ave Agony“ beinhaltet 13 Tracks, die es in sich haben. Komplexe Klangteppiche, geknüpft aus flotten Rhythmen, ausgetüftelten Synthesizer-Spielereien, fetten Gitarrenriffs hier und da sowie fiesen, harten Vocals. Leider reichen meine Sprachkenntnisse nicht soweit, dass ich die Texte kann. Jedenfalls reichen mir schon allein die Arrangements, um in mir Wohlgefallen hervorzurufen und mich zu überzeugen.
Der Sound ist schräg, wild und erinnert stellenweise an KMFDM, MINISTRY oder gar an LAIBACH („Satonova Pomsta“, „Chci Zmizet“, „Melodrama“). Auch „Fizl Na Speedu“ und „ Den Kdy Jsme Ztratili Kou“ weisen diese sehr raschen, verzweigten und schon fast nicht mehr betanzbaren Soundgefüge auf. Das gefällt!
Catchy und melodisch dringen die Klänge von „Spolkni Dabla“ ins Ohr, lassen die Füße unterm Schreibtisch zappeln und den Kopf wippen – ein gutes Zeichen! Ebenso haben es mir die Tracks „Ahoj Chcipni“, „Mukamba“ und „Zrcadla“ angetan, die ich mir durchaus gut im Club vorstellen kann. Hier kommt auch schon mal ein bisschen EBM durch und der Rhythmus ist nahezu perfekt, um einen flotten Groove aufs Parkett zu legen.
Tiefgründiger, im Tempo etwas zurückgeschraubt, an Druck jedoch nicht minder und zudem äußerst experimentell angehaucht dringen die Songs „Nechtena Magie“, „Primitiv“, „Smrad Z Lidi“ und „Babylon“ ins Gehör. Psychedelisch, hypnotisierend und groovig zugleich wird hier ordentlich für Abwechslung gesorgt.
„Ave Agony“ - Eine Entdeckungsreise der außergewöhnlichen Art. Absoluter Hör-, Geheim- und Kauftipp. Meine Neuentdeckung 2009.
Spolkni Dabla
Ahoj Chcipni
Mukamba
Primitiv
Zrcadla
Melodrama
Babylon
TRACKLISTE
1. Satanova Pomsta
2. Spolkni Dábla
3. Chci Zmizet
4. Ahoj, Chcípni
5. Mukamba
6. Fízl Na Speedu
7. Nechtěná Magie
8. Den Kdy Jsme Ztratili Koule
9. Primitiv
10. Zrcadla
11. Melodrama
12. Smrad Z Lidí
13. Babylon




