ASP
Nachdem ASP aufgrund stimmlicher Probleme unseren Interview-Termin bei seinem Zwischenstopp in Wiesbaden leider absagen musste, hat er sich nun die Zeit genommen, unsere Fragen schriftlich zu beantworten. Was er über die Double-Feature-Single „Wer Sonst/Märchenland“, die vergangene Tour, die Band und die Diskussionen im Zuge der Motivwahl der Obsorge-Karte des vergangenen WGT zu sagen hat, wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten.
Yvonne/Ben: Wie ging es dir nach eurem Auftritt in Wiesbaden? Wir haben von deinen Stimmproblemen gehört, ist/war das ein großes Problem während der Tour?
ASP: Es war ein großes Problem, eigentlich aber nicht so sehr wegen der Stimme, sondern wegen der totalen Erschöpfung, die mit der Grippe, die ich zu dem Zeitpunkt hatte, einherging. Ich verbrachte den Rest des Tages schlafend in einem Hotel in der Nähe.
Yvonne/Ben: Hat Euch das Ambiente im „Schlachthof Wiesbaden“ gefallen?
ASP: Nun, vom Ambiente bekommen die Zuschauer sicher mehr mit als die Band auf der Bühne. Aber ich mag den Schlachthof sehr gerne. Nur den Namen nicht. (grinst)
Yvonne/Ben: Diesmal waren UMBRA ET IMAGO ja zum Glück nicht vor euch dran, sind trotzdem Pannen passiert? Beim letzten Mal hattet ihr in Wiesbaden ja ganz schön mit diversen Hinterlassenschaften auf der Bühne zu kämpfen.
ASP: Die Crew vor Ort war extrem bemüht und engagiert. Das hat alles wunderbar geklappt. Wir wurden unglaublich gut betreut. So könnte es wirklich öfter sein. Grüße an das Schlachthof-Team von hier aus.
Yvonne/Ben: Konntet ihr euch nach dem anstrengenden zurückliegenden Jahr mit vielen Festivals und der tollen Unplugged-Tour mittlerweile etwas erholen?
ASP: Nein, leider gar nicht. Die DVD-Produktion und die neue EP „Wer Sonst“ haben sämtliche Freizeit weggefressen. Aber es macht natürlich auch Spaß, ganz klar, auch, wenn die Batterien jetzt sehr leer sind.
Yvonne/Ben: Auf eurer Website erwähnst du, dass MATZE und du einige Aufgaben delegieren werdet, ohne euer „liebgewonnenes Rebellentum“ aufzugeben. Was hat es denn damit auf sich?
ASP: Damit meine ich vor allem, dass ich in den letzten zehn Jahren als Rockmusiker mit Aufgaben konfrontiert wurde, die ich so gar nicht überschauen konnte und die mir den letzten Nerv rauben. Diese möchte ich gerne loswerden, um mich ausgiebiger und intensiver mit der eigentlichen Kunst zu beschäftigen. Das bedeutet aber, dass man Leute finden muss, denen man auch vertrauen kann, denen man genau erklären muss, wie ASP gestrickt sind und welche Ziele sie verfolgen. Das ist eine nicht ganz leichte Aufgabe. Aber in unserer Zehner-Proklamation auf unserer Webseite kann man eine Menge darüber erfahren, was wir uns für Ziele gesetzt haben.
Yvonne/Ben: Am 25. Oktober war offizieller Release-Termin der neuen Single. Wie zufrieden bist du mit ihr?
ASP: Rein künstlerisch gesehen bin ich sehr zufrieden. Was den Erfolg angeht: Für eine kleine Gothic-Band aus Frankfurt bin ich einfach sehr erfreut über das, was wir erreicht haben. Unsere Fans haben die neuen Songs absolut toll in unserem Live-Set aufgenommen und das bedeutet uns wirklich viel.
Yvonne/Ben: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit PROJECT PITCHFORK, dem LETZTEN EINHORN, Katzenjammer Kabarett und CLAN OF XYMOX?
ASP: Die zwei Remixe von CLAN OF XYMOX und PROJECT PITCHFORK sind über unsere Plattenfirma zustande gekommen. Es ist sehr schön, dass auf unserem Label auch andere gute Bands sind und ich habe mich sehr gefreut, als ALEX uns dann diese zwei vorgeschlagen hat. MICHA von IN EXTREMO kenne ich schon länger. Seine Bodenständigkeit und dieses schöne kollegiale Miteinander haben mir so gut gefallen, dass ich ihn bitten wollte, bei „Zaubererbruder“ mitzusingen. Das hatte damals aus Zeitgründen leider nicht geklappt, sodass ich ihn jetzt wieder fragte. Er hat begeistert zugesagt und daraus ist eine sehr schöne Zusammenarbeit geworden. Für mich war das eine richtig gute Erfahrung.
Yvonne/Ben: Ihr habt für die EP ja verschiedene Cover erstellt. Das erste gefällt mir besonders gut. Wie seid ihr auf das „Rückrat zeigen“ gekommen? Was bedeutet das für euch? Besteht ein Zusammenhang mit den Problemen auf dem diesjährigen WGT?
ASP: Bedenk, dass die Arbeiten zur Single schon in vollem Gange waren, als die Sache mit unserem WGT-Brief anfing. Es war eher ein Zufall, dass unser Song dann so gut zum traurigen Thema passte.
Yvonne/Ben: Nachdem es – meiner Meinung nach zu Recht – Wirbel um die Motivwahl für die WGT-Obsorgekarte 2009 gab, habt ihr um eine Stellungnahme der Veranstalter gebeten. Habt ihr in der Zwischenzeit eine zufriedenstellende Antwort erhalten?
ASP: Nein. Die wird auch nicht kommen, obwohl Teile des Organisationsteams vom WGT da sehr traurig darüber sind. Aber es wurde durchaus wahrgenommen und ein wenig mehr Aufmerksamkeit geschaffen.
Yvonne/Ben: Also werdet Ihr die Besucher des WGT erstmal nicht mehr bespaßen?
ASP: Nein.
Yvonne/Ben: Ihr arbeitet an einem neuen Album. Wird es eine Fortsetzung des schwarzen Schmetterlings oder etwas Neues? Was für eine Bedeutung hat das neue Album für euch?
ASP: Ich versuche noch immer, mich zu bremsen, was die Arbeiten am neuen Album angeht. Das muss leider sein. Ich werde es in aller Heimlichkeit schreiben und erst danach die Plattenfirma informieren. Denn sonst habe ich keine Chance, dem Burn-Out zu entkommen. Leider ist das die traurige Realität.
GothicParadise: Wie vermeidet ihr den Druck, der auf euch diesbezüglich lastet?
ASP: Mit Verweigerung. Es ist ein Jammer für das Künstlerherz und die Vorfreude der Fans, aber wenn man den Ablaufzwängen nicht einmal versucht zu entfliehen, dann wird man das einfach nicht schaffen. Wenn sowohl die Plattenfirma als auch die Fans uns in der Zwischenzeit vergessen haben, dann habe ich eben Pech gehabt. Aber das glaube ich nicht. Wie schrieb neulich ein Fan so schön in unserem Fan-Forum „Die Zusammenkunft?“: „Ihr habt so viele schöne Dinge veröffentlicht, gebt uns bitte die Zeit, diese auch mal in Ruhe zu genießen und kennen zu lernen!“ Das macht mir Mut.
Yvonne/Ben: Mit Eurer Unplugged-Tour habt ihr im letzten Jahr auch das Capitol in Offenbach besucht – übrigens ein wirklich tolles Konzert in, wie ich fand, schönem Rahmen. Wie war das für Euch – so als Frankfurter?
ASP: Sehr ansprechende Location, wenn auch von der Raum-Akustik recht anspruchsvoll zu beschallen. Aber es war ein schönes Gefühl. Ich persönlich finde die Animositäten zwischen Frankfurtern und Offenbachern eher eine „liebevolle gegenseitige Neckerei“, das ist nicht böse gemeint. Ich bin ja eh ein „zugezogener“ und darf nicht mitreden. (lacht)
Yvonne/Ben: Auf eurer Website gelesen, dass ihr nächstes Jahr nur auf ausgewählte Festivals geht. Könnt Ihr schon sagen auf welche? Hat das was mit der Arbeit am neuen Album zu tun?
ASP: Ja. Das hat es. Und damit, dass wir festgestellt haben, dass uns Tournee-Konzerte einfach noch mehr Spaß machen. Wir spielen in Berlin das Zitarock und in Köln das Amphi-Orkus-Festival. Dann spielen wir noch auf einer schönen Burg (Veldenstein) und in einem riesigen Zirkuszelt (Tollwood Festival). Du siehst, wir haben uns ein paar schöne Sachen herausgepickt.
Yvonne/Ben: Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, um unsere Fragen zu beantworten.




