DIE PERLEN

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INTERVIEWPARTNER
FERDINAND
DATUM
16.11.2009
ORT

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Vor einiger Zeit haben wir euch DIE PERLEN bereits vorgestellt. Heute geht es um das zehnte Album der sympathischen Band. Wwas es aus zehn Jahren Banddasein alles zu berichten gibt und was es mit der Zahl 19 oder auch dem Laut-Machen oder Abschalten aufsich hat, könnt ihr im folgendem Interview nachlesen.

Anne: Hallo FERDINAND, schön, dass ich dir in diesem Jahr noch einmal ein paar Fragen stellen darf. Grund dafür ist der neue Longplayer „Zehn“, der, wie es der Titel schon vermuten lässt, für zehn Jahre Banddasein steht, richtig?

Ferdinand: Richtig. Damit aber nicht genug: Wenn man alle unsere Demos, CDs und Singles zusammen zählt ist das auch unsere zehnte Veröffentlichung.

Anne: Ihr habt bei der Zusammenstellung der Tracks eng mit euren Fans zusammen gearbeitet. Was kannst du uns darüber verraten?

Ferdinand: Unser Ziel war es, von jedem Demo und jedem Album wenigstens ein Stück mit auf die Compilation zu packen. Also haben wir erst einmal eine Vorauswahl von unseren bekanntesten Stücken getroffen, weil die bei der Abstimmung vermutlich ohnehin vorne dran gewesen wären. Für die älteren Stücke haben wir dann auf dem Dachboden und im Fundus gegraben und diese dann ins Netz zur Abstimmung gestellt.

Anne: Wie fühlen sich die zehn Jahre denn an?

Ferdinand: Seltsam. Die Zeit ging so schnell vorbei. Allerdings waren es zehn richtig tolle Jahre und dafür möchten wir uns bei allen, die uns begleitet haben, bedanken.

Anne: Welche der Songs sind die ganz alten Demotracks?

Ferdinand: „Puls Der Zeit“, „Kein Interesse“ und „Who Is To Blame?“ haben wir in der Originalversion drauf, das heißt wir haben die Stücke zwar neu abgemischt, aber die Originalaufnahmen verwendet. Bei „Ugly Mirror“ waren leider nur noch die Gesangsspuren vorhanden. Auch da haben wir die Originale verwendet und den Rest so ursprünglich wie möglich eingespielt. „Bahnsteig 19“ ist leicht verändert und „Ehrlich Gesagt“ war auf unserem ersten Demo, wurde aber 2006 völlig neu aufgenommen – diese Version wurde nie veröffentlicht und ist jetzt auf der „Zehn“.

Anne: Und welche sind nigelnagelneu?

Ferdinand: „Allein sein“ – das erste Stück.

Anne: „Zehn“ enthält 19 Tracks. Das ist eine ganze Menge! Wie kam es zu dieser Zahl?

Ferdinand: Wir haben so viele Stücke drauf gepackt wie es technisch möglich war. Bei noch mehr Stücken könnte der ein oder andere CD-Player Schwierigkeiten machen.
Trotzdem werden sicher wieder einige Leute sagen dass dieses oder jenes Stück fehlt.

Anne: Und welche Kriterien habt ihr für die Reihenfolge der Tracks gehabt?

Ferdinand: Die CD fängt in der Gegenwart an und geht dann immer weiter zurück. Das ganze ist also eine Zeitreise in die Vergangenheit.

Anne: Wie war es für euch, die ganz alten Sachen noch einmal rauszukramen? Habt ihr euch dabei gedacht „Oh cool, das haben wir damals toll gemacht“ oder war es eher im Stil „Oh mein Gott! Was haben wir da nur fabriziert“?

Ferdinand: Ganz ehrlich: Beim Durchhören waren schon auch Schocker dabei, aber die haben wir schon herausgefiltert. Auf der „Zehn“ ist letztlich eine schöne und interessante Mischung enthalten.

Anne: Wie wichtig ist für euch der Fortschritt, die Weiterentwicklung?

Ferdinand: Schwieriges Thema. Wenn man anfängt Musik zu machen, ist das natürlich extrem wichtig – vor allem, um seine eigene Identität zu finden. Wenn man dann seinen eigenen Stil gefunden hat, ist die Weiterentwicklung eine Gradwanderung: Einerseits will man nicht auf der Stelle treten und andererseits kann es sein, dass sich die Zuhörer nicht mehr angesprochen fühlen. Wir haben jedoch immer gemacht, was wir wollten und finden, dass das am ehrlichsten ist. Jetzt gönnen wir uns erst mal eine Pause und in dieser Zeit werden wir auch etwas experimentieren.

Anne: Und wie fühlt es sich nun an, mit „Zehn“ dieses Stück eurer Musikgeschichte in den Händen zu halten?

Ferdinand: Na ja, wir waren ja schon bei der Produktion sehr intensiv damit konfrontiert. Allerdings sind wir dabei mit Stücken in Berührung gekommen, die wir selbst einige Jahre nicht mehr gehört hatten. Dabei wird einem erst bewusst wie man sich verändert hat.

Anne: Gehen wir nun doch einmal etwas näher auf ein paar einzelne Tracks ein. Was kannst du uns zum Opener „Allein Sein“ verraten. Wie ist der Text entstanden und auf wen bezieht er sich?

Ferdinand: Da scheint KATJA wohl in den Tiefen ihrer Seele gegraben zu haben...

Anne: Was kann man unter dem Titel „Schalt Ab“ verstehen?

Ferdinand: Das ist eine Coverversion von DRUNKNESS, meiner erste Band, und handelt davon, dass das Fernsehprogramm immer blöder wird. Übrigens, ich glaube in den letzten zwölf Monaten habe ich höchstens fünf Stunden ferngesehen. Irgendwie vergeht einem die Lust daran und man kann sich das echt abgewöhnen.

Anne: „Revolution“ klingt auch sehr spannend. Erzähle doch bitte einmal etwas über diesen Song.

Ferdinand: Na ja, das ist eher Ironie. Wir wollen die Leute mit absurden Texten zum Nachdenken anregen, indem man Dinge zur Sprache bringt, ohne dabei jemandem seine Meinung aufzudrücken.

Der Text lautet etwa:
Das ist kein Lied über Revolution
Das ist kein Lied über Ausbeutung
Das ist kein Lied über Umweltverschmutzung
Das ist kein Lied über Unterdrückung
Das ist kein Lied über Hungersnot
Das ist kein Lied über Völkermord
Das ist kein Lied für eine andere Welt

Außerdem hatte ich einfach Lust, mal wieder ein Stück in französischer Sprache zu schreiben.

Anne: „Mach Es Laut!“ – Das ist eine breit gefächerte Ansage. Was sollen die Hörer denn laut machen?

Ferdinand: Noch so ein Stück zum Nachdenken (grinst). Vor allem live treibt es die Mischer immer in den Wahnsinn, weil die immer denken, sie sollen KATJAs Gesang hochdrehen.

Anne: „We ‚Hate’ The 80’s? Warum hasst ihr die 80er Jahre oder ist dieses Statement eher ironisch gemeint?

Ferdinand: ...wie alle anderen auch! Wobei ein Stückchen Wahrheit drin liegt. Die 80er Jahre wurden unserer Meinung nach so lange gespielt, bis zumindest wir sie nicht mehr hören wollten – obwohl wir diese Musik vorher geliebt hatten.

Anne: Existiert der „Bahnsteig 19“ aus dem gleichnamigen Titel wirklich?

Ferdinand: Ja, den gibt es wirklich. Das Video dazu wurde übrigens fast ausschließlich auf diesem Bahnsteig gedreht. Der Text ist aber eher abstrakt. Als ich vor etwa sechs Jahren von der Arbeit nach Hause fuhr, lief gerade im „Zündfunk“ (BR2) ein Werbespot, der darauf hinweisen sollte, dass die Sendezeit von 17 auf 19 Uhr verlegt wird. Dazu gab es einen Wettbewerb mit dem Motto: „Vertone die 19!“ Daraufhin habe ich „Bahnsteig 19“ komponiert und wir haben damit den Wettbewerb gewonnen.

Anne: And last but not least, bitte ein paar Worte zum letzten Titel der CD „Ehrlich Gesagt“.

Ferdinand: Na ja, wir mögen diese strenge Schubladendenken nicht besonders. Warum soll jemand, der Gothic-Rock mag, nicht auch einen mainstream-tauglichen Popsong mögen dürfen - und umgekehrt? Vor allem in unserer Anfangszeit wurden wir oft sehr schnell in irgendeine unpassende Schublade gesteckt und der Song ist dann als Protest dagegen entstanden.

Anne: Mit Sicherheit waren die Themen gerade bei älteren den Songs zu gegebener Zeit hoch aktuell. Lassen sich diese auch in die heutige Zeit projizieren?

Ferdinand: „Who Is To Blame?“ habe ich unmittelbar nach dem 11. September 2001 geschrieben. Ich war damals geschockt, dass Gerhard Schröder den USA die „Uneingeschränkte Solidarität“ zusicherte, ohne zu wissen, was George Bush unternehmen würde. „Puls Der Zeit“ verliert dagegen nie an Aktualität. Unsere neueren Stücke sind jedoch eher zeitlos.

Anne: An welches ganz besondere Ereignis erinnerst du dich in den letzten zehn Jahren?

Ferdinand: Das stressigste Konzert war zugleich auch unser schönstes: Das Drop Dead Festival in Lissabon.

Anne: Und gibt es auch eine besonders schlechte Erinnerung?

Ferdinand: Ich kann mich noch ganz genau an unser drittes Konzert erinnern. Damals haben wir an einem Band-Wettbewerb teilgenommen und haben als einzige Electro-Band zusammen mit sechs Rock- und Metal-Bands gespielt. Das gab im Vorfeld schon Stress mit dem Veranstalter wegen Aufbau, Umbau Technik und so. Erwartungsgemäß haben wir damals den letzten Platz gemacht. Das hat uns aber eher beflügelt, nach dem Motto: Musik ist, wenn man’s trotzdem macht!

Anne: Zurückblickend auf das Jahr 2009 hattet ihr auch einige Liveauftritte. Wo wart ihr überall und wo hat es euch am besten gefallen?

Ferdinand: 2009 war vor allem das Festival-Jahr. Ganz besonders gut hat uns dieses Jahr das WGT gefallen, weil dort eine super Stimmung war. Auch das Apocalyptic Festival im Mannheim haben wir in guter Erinnerung. Im Ausland waren wir dieses Jahr in Wien und Kopenhagen.

Anne: Und wie ist euch das Jahr 2009 unterm Strich ergangen?

Ferdinand: Wir haben dieses Jahr eine EP, eine 7“Single und die „Zehn“ veröffentlicht – mehr als je zuvor. Unsere CDs sind alle ausverkauft. Insgesamt war es also ein sehr gutes Jahr. Allerdings haben wir jetzt auch eine Pause dringend nötig.

Anne: Schauen wir gen 2010: Was erwartet die Fans?

Ferdinand: Das wissen wir selbst noch nicht. Zunächst wollen wir uns mal um die Funkhaus-Gruppe kümmern. Das ist eine Zusammenarbeit mit einigen anderen Bands. Ein Stück davon war bereits als B-Seite auf unserer Single „Nur Tote Männer Sind Schön“. Wenn es gut läuft, wird es davon nächstes Jahr mehr zu hören geben.

Anne: Vielen Dank für deine Antworten und viel Erfolg mit „Zehn“. Du hast mit Sicherheit noch ein paar abschließende Worte auf Lager?

Ferdinand: Ein ganz großes Dankeschön an alle, die uns bis jetzt begleitet haben.