THE SELFCENTERED SPACECADET (TSS): Killers
Ob eine Scheibe zündet teste ich meistens bei der Hausarbeit. Meditative Arbeiten wie Aufräumen, Geschirr spülen oder Brotbacken bieten sich hierfür an. Entweder schweifen dann die Gedanken ab und ich denke über Dinge nach wie: ”Was schenk ich meinen Lieben zu Weihnachten?”, ”Ich muss noch den Flug buchen.” oder ”Was kochen wir denn heute mal Schönes?”. Zündet die Musik aber richtig, ist kein Platz für solche Gedanken, denn dann zwingt sie mich, auf dem Sofa Platz zu nehmen und zuzuhören. Ich nehme mir also das Geschirr, während die Single ”Killers” der schwedischen Elektro-Pop-Combo THE SELFCENTERED SPACECADET, kurz TSS, anfängt zu rotieren. Für einen Weile lässt sie mich aufhören, meine Bewegungen verlangsamen sich und ich überlege, woran mich das erinnert. DE-VISION? DEPECHE MODE? Wie schön, ich swinge ein wenig mit. Aber darf man das überhaupt, diese Band mit DEPECHE MODE vergleichen? Nach weiterem Hören steht die Antwort fest: Nein, das darf man nicht! Denn da, wo die Stücke bei DM richtig Fahrt aufnehmen, nehmen TSS den Wind wieder aus den Segeln. Sänger JIMMY STERNER will zwar gerne so klingen wie DAVE GAHAN, aber schnell ist klar, dass er dieses Duell verlieren muss. Das gleiche Charisma in der Stimme zu haben ist eben nicht jedem in die Wiege gelegt. Dennoch ist es zumindest bei ”Killers” noch angenehm, ihm zuzuhören. ”Ich glaub, ich schenk Oma den blauen Schal. Blau steht ihr gut...”
Was leiert denn da? Huch, ”Stalking Girl” läuft schon, kaum bemerkt. Aber der Song erschöpft sich eigentlich im Refrain. ”Wo war ich stehen geblieben. Ach ja, genau. Ja, Blau ist wirklich ihre Farbe und es ist exzellente Handarbeit. Sehr gut. Darauf steht sie...” Und so geht es weiter. Das Geschirr ist sauber, die Weihnachtsgeschenke für alle Familienmitglieder stehen fest und die Menüplanung für unseren Besuch ist abgeschlossen. TSS haben längst aufgehört, zu spielen und ich hab's kaum bemerkt. Schade eigentlich, begann doch alles so hoffnungsvoll. Bei ”Killers” war doch alles noch so gut und auch die Remixe dazu sind solide Arbeit, wagen TSS sich doch damit auch eindeutig in den Elektro-Bereich vor. Ursprünglich kommen die Bandmitglieder aus der Elektro- und Technoszene und vielleicht sollten sie einfach genau da weitermachen, immerhin gibt es da in Schweden auch gute Anknüpfungspunkte zum Industrialbereich. Wenn ”Killers” allerdings ein Startschuss in neue Gefilde sein sollte, dann sollten TSS unbedingt genau dort weitermachen und ausbauen, ”Stalking Girl” und ”Crime” vergessen und dann will diese Band in zwei bis drei Jahren noch mal hören. Ich glaube, dann bleibt das Geschirr stehen, ich tanze auf dem Sofa und habe eine handvoll Ohrwürmer.
Killers
TRACKLISTE
1. Killers
2. Stalking Girl
3. Crime
4. Killers (Fever Society Remix)
5. Killers (SIMNON GAG Remix)
6. Killers (CAPTAIN ORANGE Remix)








