GODEX: Gates Of The Universe
GODEX ist das neue Baby von TOMMY TOM, jenem Frontmann der deutschen Gothic-Metal-Kombo THORA, die sich im Frühjahr 2009 nach zehn Jahren und drei Alben auflösten. Da wirkt es schon ein bisschen früh, dass sich TOMMY TOM schon fünf Monate später als GODEX mit dem Silberling "Gates Of The Universe" zurückmeldet. An dieser Stelle liegt der Verdacht natürlich nahe, dass sich TOMMY TOM ein bisschen bei unveröffentlichtem Material von THORA bedient hat. Und tatsächlich liegt das letzte THORA-Album mit dem Titel "Baby Nr. 666" schon zwei Jahre zurück. Auch wenn es innerhalb einer Band kriselt, so hört man doch in dieser Zeit nicht einfach mit dem Schreiben neuer Songs auf. Es besteht hier also für Fans jener deutschen Gothic-Metal-Intitution durchaus die Hoffnung, dass zumindest ein Teil der zwölf Stücke aus Material besteht, das für THORA geschrieben wurde aber nun von TOMMY TOM als GODEX eingespielt und am 26. Oktober 2009 innerhalb des Werkes "Gates Of The Universe" veröffentlicht wird.
Der erste Song „For You“ legt dann sogleich mit einer melancholischen Melodie los, begleitet von satten E-Gitarren, Keyboards und TOMMYs bewusst unterkühlter Stimme. Dabei ist der Song noch recht gemächlich. Für die Ballade „Big Wide Eyes“ wird das Tempo dennoch ein ganzes Stück zurückgeschraubt. Als Pro kann man hier durchaus die netten Streicher, die sanfte Akustik-Gitarre und den überraschenden Tempowechsel nennen. Für das Kontra spricht die leider nur allzu schmalzige Hookline, die sich ein wenig nach Britpop der billigeren Sorte anhört. Ein recht düsteres Piano-Intro geht dem ersten Anspieltipp „Love Salvation“ voran; einem relativ flotten Track, der ebenfalls mit schönen Streichen und einem Piano begleitet wird. Trotzdem handelt es sich durch die brummenden E-Gitarren in erster Linie um eine angenehm melancholische Gothic-Rock-Nummer. Wer jetzt Sinn für „schwarzen Humor“ besitzt (ha ha), der wird sich bei „Gates Of The Universe“ nun köstlich amüsieren. Es handelt sich um eine religiös angehauchte Hymne mit starker Orgelpräsenz und gemächlichem Tempo. Allerdings auch mit recht zynischem Text, die jeden Gruftie mit einigermaßen Sachverstand zum Schmunzeln bringen dürfte. Da schockt der Wave-Rave-mäßige Einstieg in „Eagles“ schon ein wenig. Aber keine Angst, nach ein paar Sekunden hat man eine schnörkellos hämmernde Gothic-Rock-Nummer vor sich, die sich später noch zu einem fetzigen Knaller entwickelt. „Fat Old Sun“ setzt abermals auf pechschwarzen Humor. Im Klarklang hört sich das an wie einen ziemlich düster-sarkastischen, aber auch recht langsamen Countrysong im Gothic-Gewand. Obwohl „Melancholic Skies“ dann auch sehr langsam beginnt, brennt es dann mit dickem Rocksound und schnellem Beat doch schon ganz schön auf den Nägeln. Leider wirkt auch hier die Hookline für einen unwiderlegbaren Dark-Rock-Track ein bisschen zu hippig und zu fröhlich. Auch bei der Ballade „Dream With You“ sind eindeutige Pop-Elemente vorhanden, jedoch ist dieser Song dennoch ein kleines Stückchen melancholischer als zuvor. Damit die Abwechslung auch erhalten bleibt, geht dann „Heart Of Gold“ wieder richtig schnell ab, wobei sich dieses Mal die E-Gitarren doch sehr zurückhalten; auch bei den eher stampfenden Strophen. Und – ihr ahnt es wahrscheinlich jetzt schon – mit „In Broad Daylight“ drosselt man das Tempo wieder arg herunter. Ehrlicherweise ist das psychedelische Stück aber mit seiner düster-traumatischen Atmosphäre und 80er-Wave-Anleihen auch zu den stärkeren Liedern des Albums. Ein wenig irritiert ist man dann schon, wenn man das Rave-Intro zu „The Best“ hört. Die Entspannung folgt aber auf dem Fuße, als die Drums zu einer flotten und melancholischen Rocknummer führen. Den Abschluss markiert dann (schon wieder) einer Ballade, leider klingt die Hookline dann auch schon wieder zu vertraut aus vergleichbaren Werken anderer Künstler. Insgesamt ist das kein schlechtes Ende, dafür aber auch ziemlich belanglos.
Dass bei GODEX mit TOMMY TOM derselbe Typ am Start ist, wie von THORA, merkt man auch hier. Zu ähnlich klingen die E-Gitarren. Jedoch ist der Sound auf "Gates Of The Universe" wesentlich softer ausgefallen. Die Gitarren klingen zwar an manchen Songs noch richtig fett, aber es beschränkt sich halt dann auch nur noch auf zwei bis drei Songs. Darüber hinaus wird hier auch viel Gebrauch von Keyboards und Synthesizern gemacht, die mal schrill nach Rave, mal nach Streichinstrumenten klingen. Der Bass ist meist ziemlich leise, wodurch sich das Klangbild schon ein bisschen ausgehöhlt anhört. TOMMYs Gesang hingegen ist wie auch schon zu THORA-Zeiten klar und unverzerrt.
Auf der melodischen Seite ist GODEX zwar wirklich bemüht, nur so richtig zünden will die Sache nicht. Das Problem hierbei liegt zum Einen in den schnelleren Tracks, bei denen man sich zurückhält und auf schlichten Tempodruck setzt. Hauptsache es scheppert, was bei einem Rockalbum ab und an durchaus nicht verkehrt ist. Doch auf der anderen Seite befinden sich auf "Gates Of The Universe" doch zahlreiche Ballade und langsamere Stücke. Nun könnte man hier natürlich weit mehr Melodie erwarten, die vereinzelt dann auch eintritt, jedoch klingt es dann ungewohnt und aufgesetzt fröhlich, wirkt sich also mehr negativ auf das Klangbild aus. Dafür aber punktet TOMMY TOM mit seinen zum Teil vor Sarkasmus und Zynismus triefenden Texten.
"Gates Of The Universe" ist also, wenn man es so nennen mag, das Ergebnis von verschenktem Potential. Das Basisniveau des Albums ist zwar recht hoch, was mit dem angesprochenen Potential gleichzusetzen ist, doch ist es in allen Aspekten zu verwässert, um wirklich zu zünden. In der Tat finden wir hier eine eher halbherzige Soundmischung vor, die zu lasch für eingefleischte Goth- und Dark-Rocker und aber gleichzeitig zu hart für weichgespülte EMO-Fraktion ist. Zumal dieser in der Regel der Sinn für feingeistigen und/oder pechschwarzen Humor abgeht, den TOMMY TOM hier in einigen Stücken pflegt. Darüber hinaus klingen die meisten Songs auch von der Melodie her unrund und können nicht überzeugen;, obwohl deutlich spürbare Mühe dahinter steckt. Es scheint fast so, als wolle TOMMY TOM mit GODEX etwas Neues schaffen und seine bisherige Karriere und die Verbindung zu THORA abschütteln. Doch wenn man nicht zu seiner Vergangenheit steht, kann die Sache eigentlich nur nach Hinten los gehen.
Wer sich dennoch für GODEX und sein Album "Gates Of The Universe" interessiert, für den lohnt sich am 26. Oktober 2009 ein Blick auf www.af-music.de, wo man dort und zu dieser Zeit die Scheibe komplett hören und eventuell für wenig Geld gleich downloaden kann.
Love Salvation
Gates Of The Universe
Eagles
TRACKLISTE
1. For You
2. Big Wide Eyes
3. Love Salvation
4. Gates Of The Universe
5. Eagles
6. Fat Old Sun
7. Melancholic Skies
8. Dream With You
9. Heart Of Gold
10. In Broad Daylight
11. The Best
12. A Little Piece



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