M'era Luna 2009
Am 8. und 9. August fand auf dem Flugplatz in Hildesheim-Drispenstedt das zehnte M'era Luna Festial statt. Und es gab in diesem Jahr gleich mehrere Neuerungen, die das Festivalleben äußerst angenehm machten.
Mehr als 23.000 Besucher strömten laut Veranstalter bereits am Freitag auf das Gelände, um auf dem Campingplatz oder im Hangar zu feiern. Auch der Mittelaltermarkt zog bereits vor dem offiziellen Start des Festivals die Besucher an.
Auf dem Campingplatz kam der in diesem Jahr neu eingerichtete Getränkeabholmarkt bestens an: 11.800 Liter gekühltes Bier und 17.000 Liter Softgetränke haben die Besucher am Wochenende gekauft und auch die leeren Dosen und PET-Flaschen wieder an die Pfandrückabestellen gebracht oder an Viva con Agua gespendet. Ebenso konnte in diesem Jahr der 24 Stunden geöffnete Bäcker überzeugen. besonders gut an kamen die Damen und Herren, die bereits ab 7 Uhr morgens mit großen Kaffee-Rucksäcken loszogen und den Besuchern den Kaffee wortwörtlich am Zelt servierten.
Auch ansonsten verlief das M'era Luna einmal mehr sehr entspannt. Sanitäter und Polizei bescheinigten, dass es das ganze Wochenende friedlich zuging und dass außer Sonnenbrand, Wespenstichen oder wetterbedingten Kreislaufproblemen keine ernsthaften Verletzungen zu vermelden waren.
So viel zum gut organisierten Drumherum. Kommen wir nun zu den musikalischen Akteuren, die auf zwei Bühnen ein Wochenende lang ordentlich rockten.
Samstag
Nach über einem Jahr Studioarbeit und daraus resultierender Liveabstinenz gaben sich KRYPTERIA bei diesem M’era Luna wieder die Ehre. Die Symphonic Metaller um Frontfrau JI-IN CHO wirkten auch entsprechend motiviert und energiegeladen. Erst wollte sich das offenbar noch etwas müde Publikum nicht so richtig mitreißen lassen, im Laufe des Konzerts wachten die Leute aber mehr und mehr auf und bescherten der Band, die sich auf ihrer Webseite auch sogleich bedankte, eine ordentliche Rückkehr ins Livegeschäft. Speziell der Titelsong des neuen Albums "My Fatal Kiss" wurde positiv aufgenommen.
Zu den darauf auf der Hauptbühne folgenden LETZE INSTANZ hatten sich dann deutlich mehr Leute zur Hauptbühne eingefunden. Mit ihrer Kombination aus Klassik und Rock erzeugte die Band ordentlich Stimmung, und das "werte Auditiorium" wie Sänger HOLLY das Publikum ansprach, sang und hüpfte. Auch das Cover des BILLY IDOL Songs “Rebell Yell” sorgte für Stimmung. [DR]
Nach einem für die Hauptbühne des M'era Luna ungewohnt metallischen Zwischenspiel der APOKALYPTISCHEN REITER folgte der Auftritt der Goth-Pop-Helden von OOMPH!.
Die Chartstürmer aus Braunschweig zeigten eine gewohnt starke Leistung. Mit ihren Überhits "Gott Ist Ein Popstar" und "Augen Auf" im Gepäck, kann die Band eigentlich auch nichts falsch machen, schließlich waren das schon mal zwei Nummern im 40-minütigen Set, die garantiert jeder Besucher kannte und mitsingen konnte. Schade war beim Auftritt von OOMPH! lediglich, dass jeder, der die Band auf der aktuellen Tour wie zum Beispiel beim Zita-Rock in Berlin schon einmal sehen durfte, sofort bemerkte, wie einstudiert und wie inszeniert die Show der Band eigentlich ist. Keine Ansage, kein Ton und kein Scherz wurden dem Zufall überlassen. Diese geringe Kreativität und eine identische wenn auch gute Playlist wie bei der letzten Show der Band, können einem schon ein wenig den Spaß an der Performance verderben. Da aber die meisten Besucher sicher nicht in die Verlegenheit geraten, eine Band mehrfach auf der selben Tour zu sehen, ist dieses Manko bestenfalls ein Schönheitsfehler einer perfekt inszenierten Poprock-Show. [BK]
THE BIRTHDAY MASSACRE starteten mit einem ziemlich miesen Sound, vom Gesang von Sängerin CHIBI war zunächst nicht viel zu hören und entsprechend fielen die Reaktionen des Publikums zu Beginn auch sehr gedämpft aus. Auch der Aufruf "everybody smile" verfing nur mäßig. Im Laufe des Konzerts wurde der Sound aber dann deutlich besser und auch das Publikum wurde langsam warm mit der Band. Die Nachfrage "are you still okay?" erzeugt dann auch eine wesentlich lautere und begeistertere Reaktion der Leute. [DR]
Die dramatischen Bühnenaufbauten kündigten es an: Weiter sollte es mit BLUTENGEL gehen. Pünktlich um 18:05 Uhr bestieg CHRIS POHL mit seinen musikalischen Begleiterinnen die Bühne. Natürlich gab es wieder einiges an mehr oder weniger erotischer Tanzperformance zu sehen und auch die Songauswahl wusste zu überzeugen. Erstaunlich positiv gestimmt zeigte sich auch der Sound-Gott, denn die Darbietung von BLUTENGEL schallte lupenrein über den gut gefüllten Platz. Das ist ja bei den Berlinern nicht immer der Fall, wie der geübte Festivalbesucher weiß. Gleiches galt für das Treffen der Töne im mehrstimmigen Gesang, aber auch hier gab es in Hildesheim nicht einen einzigen Ton zu kritisieren.
Als nächstes enterte PETER HEPPNER die Hauptbühne, der sich derzeit im Clinch mit seinem WOLFSHEIM-Kompagnon MARKUS REINHARDT befindet. Genau aus diesem Grund tritt Herr HEPPNER auch nur noch solo und nicht unter dem Namen seiner Band auf. Beim M'era Luna gab er allerdings trotzdem hauptsächlich Songs zum Besten, die ursprünglich aus WOLFSHEIM-Zeiten stammen. So wurde zu langsam untergehender Sonne nd zur wunderbar gefühlvollen Stimme PETER HEPPNERs geschwelgt. Eine große Bühnenshow gab es nicht zu sehen, aber diese Stimme steht auch einfach für sich allein. [FD]
METALLICA-Songs hört man von der Hauptbühne des M'era Luna eher selten. Da den Metallern aber bekanntlich sogar das erste Album von APOCALYPTICA gewidmet wurde, war es keine große Überraschung, als beim Auftritt der Finnen auch einige METALLICA-Klassiker erklangen. Neben den unvermeidlichen Songs der Vorbilder gaben APOCALYPTICA aber auch einige eigene Songs mit und ohne Gesang zum Besten. Dass der Sound während des ersten Drittels ihres Sets dabei von unterschiedlicher Qualität war, tat der Spielfreude der Finnen keinen Abbruch und so konnte man eine Lehrstunde darin bekommen, wie man beim Cellospielen wahlweise die Matte kreisen lässt oder eben über die Bühne rennt, um das Publikum anzuheizen. Bei so einer Show war es kein Wunder, dass das Publikum der Band komplett ergeben war und sie für diese Performance gebührend feierte. [BK]
Den Samstag auf der Hauptbühne beschlossen NIGHTWISH und eröffneten die Show mit "Seven Days Of The Wolf". Nach langem Touren war das erstmal das letzte Festivalkonzert der Band für eine längere Weile und obwohl die Show absolut solide war, fehlte der Band ein bisschen das letzte Quentchen Dynamik. Trotzdem sind NIGHTWISH live natürlich eine Bank und das Publikum feierte die Band durchaus ab. Besonders der Klassiker "Wishmaster", inklusive imposanter Pyroshow, löste Begeisterung aus. Auch den 17-Minuten-Song "The Poet And The Pendulum" spielte die Band, wozu etliche Leute im Publikum fleißig Wunderkerzen abbrennen. Dummerweise fiel aber dann mitten im Song die PA aus und plötzlich gab es nur noch den Bühnensound zu hören. Die Band bemerkte erstmal natürlich nichts und spielte fleißig weiter, bis der Auftritt dann nach einigen Minuten unterbrochen wurde. Auch die in das Publikum geschossenen Luftschlangen wurden leider nicht musikalisch untermalt. Das Publikum störte sich nicht übermäßig an der erzwungenen Pause und sang SUBWAY TO SALLYs Lied "Räuber" um die Zeit zu überbrücken. Ein paar Minuten später bekam die Bühnencrew die PA wieder zum Laufen und NIGHTWISH konnten den Auftritt fortsetzen. Etwas ärgerlich war, dass die Band trotz der Unterbrechung fast fünf Minuten zu früh von der Bühne ging, hier hätte man gut und gerne die Ansagen etwas kürzen und dafür noch einen Song unterbringen können. [DR]
Während der Umbaupausen auf der Hauptbühne zog es am Samstag viele der Besucher in den Discohangar, um sich von der ersten M'era Luna Modenschau verzaubern zu lassen. Eine Show mit ungewöhnlichen Kleidern, Dessous und Roben, von unschuldig bis SM, von verspielt bis uniformiert, dargeboten in kleinen stimmungsvollen Choreographien. Im neu eingerichteten Chill-Out-Zelt gaben viele der Bands Autogrammstunden und die Festivalgäste besuchten die Szeneclubs, die sich dort präsentierten.










