Amphi-Festival 2009

Zum fünften Mal strömten die schwarzen Besuchermassen dieses Jahr zum Amphi-Festival nach Köln. Wie schon die Jahre zuvor fand das Festival auf dem Gelände des Tanzbrunnes am Rheinufer statt. In diesem Jahr gab es, zur Freude der Besucher, eine Erweiterung der Location. Die Rheinparkhalle war Schauplatz für die Konzerte, die die Jahre zuvor im wesentlich kleineren Theater stattfanden. Der Vorteil dieser Halle ist, dass sie mehr Zuschauern Platz bot und es um einiges entspannter war den dort dargebotenen Künsten zu lauschen. Allerdings blieb das Theater nicht ungenutzt. Dort konnte man sich auf einer großen Leinwand Filme und Konzertaufnahmen verschiedener Band anschauen. Die Besucherzahl wurde für dieses Jahr mit ca. 13.000 pro Festivaltag angegeben, rund 1.000 Besucher mehr als im letzten Jahr. Zu sehen gab es 34 Künstler an zwei Tagen. Die Moderation auf der Mainstage übernahm wie im letzen Jahr auch HONEY von WELLE:ERDBALL.

Als weite Neuerung beim fünften Amphi-Festival war die Einrichtung eines Campingplatzes für die Festivalbesucher im Jugendpark, ganz in der Nähe des Tanzbrunnens. Für die schon am Freitag angereisten Schwarzkittel wurde eine Amphi-Festival-Pre-Party im Alten Wartesaal angeboten, um sich auf die kommenden zwei Tage standesgemäß einzufeiern. Das launische Wetter in unseren Gefilden bescherte den Besuchern eine Mischung aus brennender Sonne und dicken Regentropfen. Doch auch hierdurch ließ sich die schwarz-bunte Masse nicht davon abhalten ihre mit teilweise sehr viel Aufwand gestylten Outfits zur Schau zu stellen.
(BB)

Eröffnet wurde das fünfte Amphi-Festival von der Metalband COPPELIUS. Die sechs Berliner, die unter anderem bereits als Vorband von TANZWUT und SUBWAY TO SALLY und 2007 auf dem WGT aufgetreten sind, stimmten das Publikum auf zwei tolle Tage ein. Das Besondere an ihrer auch ziemlich treffend als "Kammermusik-Metal" bezeichneter Musik ist der Einsatz von klassischen Instrumenten wie Klarinette, Cello und Kontrabass anstelle von E-Gitarre und E-Bass.
Deutlich ruhiger und düster-romantischer ging es im Anschluss mit der Kölner Band MANTUS weiter. MARTIN und THALIA stellten während ihres Auftrittes – der übrigens ihr erster Live Auftritt in der Geschichte der 2008 wiedervereinten Band war - einige Stücke von ihrem neuen Album "Requiem" und der EP "Königreich Der Angst" vor. Natürlich spielten sie auch ihren Hit "Kleiner Engel Flügellos", was ihre Fans verzauberte.
Nach einer kurzen Umbauphase wurde die Musik "konsequent elektronisch". Mit seinem Solo-Projekt SOLAR FAKE wurde SVEN FRIEDRICH von ZERAPHINE dieser Devise gerecht. Gut gelaunt gab er Lieder wie "Hiding Memories From The Sun", "Stigmata Rain", "(You Think You’re) Radical", "The Schield" und "Creep" zum Besten. Das Publikum war von der Darbietung des Berliners begeistert.
Um 14:55 Uhr betrat dann die wohl an diesem Tag bunteste Band die Hauptbühne. THE BIRTHDAY MASSACRE aus Toronto brachten die Besucher mit einem Querschnitt durch ihre Alben und Songs wie "Lover’s End" oder "Walking With Strangers" zum Schwitzen. Sängerin CHIBI suchte immer wieder den Blickkontakt zu ihrem Publikum und feierte so mit ihm gemeinsam fast eine Stunde lang.
Wenn es bis dahin nicht schon voll vor der Bühne war, dann spätestens jetzt. Kurz vor dem Auftritt von EISBRECHER gab es kaum noch ein Durchkommen. Nachdem es sich HONEY von WELLE:ERDBALL nicht verkneifen konnte zu petzen, dass ALEXX und seine Kollegen deutlich beim Kicker-Duell WELLE:ERDBALL gegen EISBRECHER verloren hatten, betraten die Geschlagenen (leider bei strömendem Regen) die Bühne, um ihren Niederlage wieder "wegzufeiern". Und das taten sie auch. Mit Hits wie "Schwarze Witwe", "Vergissmeinnicht", "Kann Denn Liebe Sünde Sein" und –nachdem er sich um- und einen Jägerhut und eine Weste angezogen hatte – "This Is Deutsch", sowie knapp ein dutzend weiterer etwas härterer Lieder mit eindeutigem "Tanzpotiential" machten sie ziemlich deutlich, dass sich ALEXX und seine Band den Spaß an der Party mit ihren Fans weder von der Niederlage noch von dem Wetter verderben ließen.
Und man sollte es kaum glauben, der Platz vor der Bühne konnte noch voller werden. Denn LEATHER STRIP kündigte sich an. Das dänische Projekt von CLAUS LARSEN, der als Begründer eines ganzen Genres gilt, wurde sehnlichst erwartet. Die 20 Jahre, die das Projekt nun bereits besteht, merkte man ihm aber nicht an. Den Fans bot sich während des einstündigen Konzertes keine einzige Verschnaufpause an.
Dies sollte sich auch bei dem nächsten Konzert nicht ändern. Denn nun betrat ESKIL SIMONSSON mit COVENANT die Bühne. Trotz stimmlicher Probleme schaffte es der sympathische Schwede wie im Vorjahr seine Fans zu begeistern. Neben neuen Songs spielte er natürlich auch die beliebten Hits "Ritual Noise", "Pulse", "20HZ", "Bullet" und "Call The Ship To Port". Die Fans freuten sich und schwitzten – und das lag ganz sicher nicht nur an der nun herausgekommen Sonne. Die Stimmung wurde immer besser und kochte spätestens bei der Zugabe beinahe über.
Den Headliner des Abends auf der Mainstage gaben FIELD OF THE NEPHILIM. Die fünf Engländer sorgten nicht nur unter der etwas älteren Festival Generation für Jubel. Die 1983 gegründete Band spielte über eine Stunde lang und erfüllte alle Erwartungen ihrer Fans. Ein durch und durch gelungener Abschluss auf der Mainstage.
(YS)

Unterdessen in der Rheinparkhalle...

Am Samstag Mittag starteten AUTO-AUTO das Künstlerprogramm in der Rheinparkhalle. JOHAN HELLQVIST und ERIK FRANKEL, die zwei jungen Talente aus Schweden, präsentierten ihre Vision von elektronischer Popmusik. Im Anschluss beschleunigten JÄGER 90 mit ihrem puristischen Oldschool-EBM die beats per minute. Stücke wie „Stiefelblitz“ und „Muskeln Und Küsse“ ließen die Füße der Zuschauer nicht still stehen und trieben den Schweiß aus den Poren. Szenenwechsel! Als nächstes betrat XOTOX die Bühne und der „Industrial For Hyperactive People“ krachte gegen die Trommelfelle der Besucher. ANDY LAPLEGUA war mit seinem Projekt SCANDY der nächste Act des Tages. Nachdem die Bühne umgestaltet war betraten ABSOLUTE BODY CONTROL die Rheinparkhalle und gaben eine dreiviertel Stunde lang diverse Stücke aus ihrer mittlerweile mehr als zwanzigjährigen Karriere zum Besten. Die zwei Damen hinter MASHERAUX punkteten bei ihrem Publikum wieder mit einem gekonnten Mix aus alten analogen Synthies und modernem Minimal Electro mit einem verführerischen weiblichen Touch. Zuerst Schwärze, dann Blitzlichtgewitter und ein düsterer Sänger mit metallenem Maulkorb. So präsentierten sich AGONOIZE bei ihrem Auftritt an diesem Wochenende. Songs der neusten Platte „For The Sick And Disturbed“ gemixt mit einigen All-Time-Favorites wie „Koprolalie“ oder „Femme Fatale“ wurden dem Publikum in gewohnter blutiger Manier serviert.
FEINDFLUG eröffnete die elektronische Schlacht mit „Truppenschau“ und sorgten mit ihrem martialischen Trommelfeuer für einen kleinen Zwischenfall. Während des Konzertes platzen ungefähr zwei Quadratmeter Putz von der Decke und fielen auf die Bühne. Zum Glück wurde dabei niemand verletzt, doch musste die Halle erst einmal gesperrt werden. Gegen Mitternacht mit guten zwei Stunden Verspätung traten dann LAIBACH im Theater auf, nachdem die Betreiber der Rheinparkhalle diese komplett gesperrt hatten. Zuerst stand der Auftritt der Band in Frage, doch nachdem der Veranstalter alle Hebel in Bewegung setzte konnten LAIBACH auf einer improvisierten Bühne doch noch das wartende Publikum begeistern. Mit LAIBACHS Interpretation der deutschen Nationalhymne wurde das Konzert eröffnet, gefolgt von der amerikanischen. Die doch eher ruhigere Stimmung sprang nach einer dreiviertel Stunde um. Nachdem LAIBACH die Bühne kurz verlassen hatten und schon die ersten "Zugabe"-Rufe ertönten wurde das lange Warten des Publikums mit Krachern wie "Alle Gegen Alle", "Tanz Mit Laibach" und "Achtung!" entschädigt.
(BB)

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