With Full Force 2009
Zur sechzehnten Wiederholung des With Full Force Open Air haben die Veranstalter in Roitzschjora ein sehr feines LineUp zusammengestellt. Zwar kamen die üblicherweise auf dem With Full Force vertretenen Punkbands in diesem Jahr etwas kürzer als in den letzten Jahren, aber trotzdem dürfte für jeden etwas dabei gewesen sein.
Der Sonnengott meinte es wieder einmal gut mit dem Festival und so wurde das With Full Force wieder einmal zur Hitzeschlacht. Doch die gewohnt moderaten Bierpreise machten selbst die größte Hitze erträglich.
Freitag:
Nachdem FACEBREAKER, GOD FORBID und STATIC X auf der Hauptbühne eröffnet hatten, schossen die CRUSHING CASPARS eine geballte Ladung „Baltic Sea Hardcore“ in die feierwütige Meute vor der Zeltbühne. Sänger SNOOPY und seine Mannen sind seit Jahren Stammgäste auf dem WFF und spielten auch 2009 eine solide Show, die viel Spaß bereitete und gute Laune vermittelte. Außerdem gab es bei den CRUSHING CASPARS die ersten Circlepits des Nachmittags zu sehen.
Nach diesem Hardcore-Intermezzo ging die Show auf der Mainstage mit 40 Minuten Thrash Metal von den Holländern LEGION OF THE DAMNED in die nächste Runde. Die Band legte eine überzeugende Show auf's Parkett und lud herzlich zum Mähne-Schütteln ein. Die charmanten halb-deutschen-halb-englischen Ansagen taten ihr Übriges und die Zeit, die den Thrashern zugestanden wurde, ging viel zu schnell um. Doch Zeit zum Trauern blieb keine, denn mit MASTODON folgte eines der absoluten Highlights des With Full Force 2009. Und als wäre eine perfekte Show mit starken Songs im Spannungsfeld von Progressive und Sludge Metal nicht genug, wäre die Show alleine schon sehenswert gewesen, um die vier Protagonisten zu begutachten. Die Preise für die wirrsten Frisuren und die abgefahrensten Tattoos des With Full Force 2009 gingen eindeutig an MASTODON. Auch hier war die Spielzeit von 40 Minuten allerdings viel zu knapp bemessen. Man hätte den Klängen, Soundcollagen und Songmixturen noch ewig lauschen können.
Doch das sah der Zeitplan natürlich nicht vor und so folgte nach diesem Intermezzo wieder brutalere Kost für die härteren Zeitgenossen. Nachdem CARCASS mich auf dem Wacken Open Air 2008 mit ihrer etwas hüftsteifen Reunion-Show nicht überzeugt hatten, glichen die Liverpooler Medizin-Metaller diesen Eindruck auf dem With Full Force voll aus. Seit ihrer Reunion wieder von ARCH ENEMY-Gründungsmitglied MICHAEL AMOTT verstärkt, keifte, kreischte und knüppelte sich das Death-Metal-Urgestein in einer mehr als soliden Show quer durch die eigene Diskographie und zeigte durch die Bank eine sehr solide Performance mit der nötigen Prise Humor.
Mit deutlich weniger Humor, aber mit einer ebenfalls ordentlichen Performance folgten DIMMU BORGIR, die ersten Headliner des Tages. An Pyro-Effekten, Schminke und Nägeln wurde, wie bei den Festivalauftritten der Schwarzkittel üblich, nicht gespart und so gab es wenig Überraschendes von den Norwegern.
Keine Überraschungen gab es auch bei SOULFLY, dem zweiten Headliner des ersten Tages auch nicht zu hören. Was allerdings Grund zur Spannung bot, war dass MAX CAVALERAs Ex-Band SEPULTURA am nächsten Tag die Mainstage entern würden und man ein indirektes Duell mit zwei Versionen des Über-Hits „Roots Bloody Roots“ erwarten durfte.
Leider schien MAX CAVALERA allerdings an diesem Abend nicht so gut bei Stimme zu sein und hechelte sich eher kurzatmig durch die Songs, so dass auch der Smash-Hit eher gezwungen, als überzeugend wirkte. Ein matschiger Sound und stellenweise unsauberes Zusammenspiel taten ihr übriges, um den Auftritt von SOULFLY mit dem Prädikat „durchschnittlich“ abzustempeln.
Weitaus weniger durchschnittlich sollte es bei der alljährlichen Knüppelnacht zugehen, die von den wiedervereinigten PESTILENCE eröffnet wurde. Dass die Holländer eine Spielpause von 15 Jahren eingelegt hatten, war ihnen nicht an zu merken. Die Band wirkte frisch und hungrig und legte eine sehr überzeugende Show hin, die von den vielen Fans auch gebührend gefeiert wurde.
Gefeiert wurden auch GOD SEED hinter denen sich niemand anderes als GAAHL, KING und ihre Mitstreiter von GORGOROTH verstecken, die ja bekanntlich vor kurzem den Gerichtsstreit um den Bandnamen gegen ihr früheres Bandmitglied INFERNUS verloren hatten. Und so gab es von GOD SEED dann auch in erster Linie GORGOROTH zu hören: Gekeife, Geknüppel, mit sägenden Gitarren und Blastbeats untermalten rauen Black Metal.
Nach dieser Schwarzkittel-Einlage war mit ASPHYX wieder Todesblei der alten Schule angesagt. Wie schon zuvor PESTILENCE machten ASPHYX ihrem Ruf alle Ehre und unterhielten das anwesende Publikum über 40 Minuten lang ausgezeichnet mit viel Stageacting und Matteschütteln.
Abgerundet wurde die Knüppelnacht 2009 durch die norwegischen Viking-Metaller HELHEIM, VADER aus Polen und für diejenigen, die bis zum Start der Show um 4:35 durchhielten, durch EISREGEN.





