Wave-Gotik-Treffen 2009
Zum 18. Mail lud Leipzig seine schwarze Gemeinde zum Wave-Gotik Treffen ein. Wie immer zu Pfingsten bevölkerten rund 20.000 zumeist schwarz gekleidete Menschen die Stadt und ließ es sich bei zahlreichen Konzerten, Lesungen, Filmvorführungen und Kulturangeboten gut gehen. Viel Außergewöhnliches ereignete sich nicht. Es gab wie in jedem Jahr die gleichen Ärgernisse mit der Security, zu wenig Toilette und zu kurze Straßenbahnen. Trotzdem fand irgendwie jeder seinen eigenen Weg durch das Wochenende. So gab es wie in den Jahren zuvor auch in diesem wieder viele kleine Side-Events zu entdecken und große Headliner zu bestaunen.
Freitag, 29. Mai 2009
STAUBKIND eröffneten boten im sehr gut gefüllten Werk II eine absolut überzeugende Performance. LOUIS MANKE und seine Mitstreiter zogen das Publikum gekonnt in ihren Bann und setzten auf ein Set aus älteren und neueren Nummern. Das kam aufgrund des erhöhten Ohrwurm-Charakters beim Publikum natürlich glänzend an, wofür die Band vollkommen zu Recht gefeiert wurde. (BK)
Durch die Fenster der Agra-Halle drangen letzte Sonnenstrahlen herein, die wartende Menge an schwarz gekleideten Fans war spürbar angespannt. Die Erlösung kam Minuten später in Form von THOMAS RAINER und SONJA KRAUSHOFER auf die Bühne: Alle rasteten aus. Die beiden Sänger und ihre Band starteten mit "Stumme Schreie" energiegeladen in eine Stunde voller Romantik, Schmerz, und Leidenschaft. Künstler und Publikum waren in Hochform und feuerten einander gegenseitig an. SONJA, THOMAS, und Co. Zeigten sich sichtlich bester Laune und lieferten eine saubere Gesangsperformance ab - vor allem die rothaarige Sängerin bestach durch ihre vielseitige und starke Live-Stimme. Ebenso stimmte die Atmosphäre in der Halle: Fans und Freunde der Band waren begeistert und freuten sich über ein souverän abgefeuertes Hit-Feuerwerk inklusive der Dauerburner "Bitterkeit" und "5 Jahre." Set und Auftritt ließen nichts zu wünschen übrig, so dass sich sogar einige der bereits anwesenden, auf COMBICHRIST wartenden Elektro-Fans beim Mitwippen erwischten. Ein perfekter Auftakt also für das weltweit größte Gothic-Festival-Leiwand, wir man in Österreich sagen würde. L' ÂME IMMORTELLE haben ihrem Ruf einmal mehr alle Ehre gemacht und bewiesen, dass sie nicht umsonst zur Speerspitze der Goth-Bands gehören. Leiwand? Leiwand! (MR)
Nicht erst auf der Parkbühne in Leipzig wurde vielen klar, dass EISBRECHER absolutes Headliner-Potential haben. Obwohl nicht als Headliner gesetzt, sorgten die Münchner für eine randvoll gefüllte Parkarena. Leider mussten einige Fans mit dem Antlitz der Türsteher Vorlieb nehmen, als diese die Location für zu voll hielten und verriegelten. EISBRECHER haben unlängst ihre „Sünde“ Tour abgeschlossen und spielen den Sommer über zahlreiche Festivals. Nach einem kurzen Intro stand die Band und mit ihr der Frontmann ALEXX wieder in gewohnter Kapitänsmontur mit Eispickel auf der Parkbühne, um in den kommenden 40 Minuten, den nieselnden Regen vollends wegzuspielen. Der Empfang des Publikums am Anfang noch eher verhalten, entwickelte sich mit wachsender Anzahl eisbrecherischer Musiktitel zu frenetischem Beifall nach jedem Stück. Die Songs von älter bis brandneu spannten einen interessanten Bogen der Bandgeschichte und waren für Fans und für EISBRECHER Newcomer ein gelungener Mix. Von „Kein Mitleid“, „Willkommen Im Nichts“ und „Antikörper“ war wirklich alles dabei, was das Fanherz verlangte. Zwischen den Stücken unterhielt ALEXX auf seine bekannt charmante und amüsante Art das Publikum. Interessant zu beobachten war, dass unter der strengen Kapitänsuniform von ALEXX, die nach und nach der Hitze wich, ein THE RETROSIC Shirt zum Vorschein kam, die ja auch schon einen Remix zu der „Leider“-Single beigesteuert hatten. Mit Hits wie „Vergissmeinnicht“, „Schwarze Witwe“ und „Mein Blut“ brachten EISBRECHER die Parkbühne nun endgültig zum Brennen und ernteten dafür Ohren betäubenden Beifall. Nach der fast schon obligatorischen Darbietung des MEGAHERZ Klassikers „Miststück“ endete das kurze EISBRECHERische Gastspiel auf dem WGT auch schon und verlangte nach einer Zugabe, die leider nicht gewehrt wurde. Vielleicht gibt es ja eine weitere Gelegenheit dazu im nächsten Jahr. (MM)
Mit COMBICHRIST in der Agra-Halle ging der Freitagabend mit einem absoluten Highlight weiter. ANDY LAPLEGUA und seine drei Mitstreiter zeigten sich enorm spielfreudig und waren mit einer Präsenz und Energie auf der Bühne zu Gange, die das Publikum gerne mit reichlich Applaus und zahlreichen Tanzeinlagen quittierte. Die energiegeladene Show der Norweger führte aber nicht nur dazu, dass im Publikum kein Stein auf dem anderen blieb, auch auf der Bühne hatten die Roadies und Helfer alle Hände voll damit zu tun, die ununterbrochen umher fliegenden Schlagzeugteile wieder an ihre Plätze zurück zu befördern. Neben dem obligatorischen „Get Your Body Beat“ und „Electrohead“ gab es natürlich auch Material vom aktuellen Album „Today We Are All Demons“ zu hören. So schafften es COMBICHRIST für den beinahe perfekten Auftakt zum Festival zu sorgen. Beinahe perfekt nur deshalb, weil sie mit so einem grandiosen Start natürlich die Erwartungen an das restliche Festival reichlich hoch hängten, was zwangsläufig zu Enttäuschungen führen muss. (BK)
Denn der Auftritt von PROJECT PITCHFORK fing wenig verheißungsvoll an. Zuerst mussten die Fans 15 Minuten auf die Hamburger warten und dann stimmte beim Sound erstmal gar nichts. Die Gitarre stand fast schmerzhaft im Vordergrund und auch der Rest präsentierte sich als ein einziger Brei aus Soundgewirr. Den dritten Song „Requiem“ sang PETER SPILLES zusammen mit Überraschungsgast MYK JUNG und plötzlich nahm auch die der Rest der Show an Fahrt auf. Der Sound wurde besser und auch die Titelauswahl konnte mehr und mehr überzeugen. So wurde zu Klassikern wie „K.N.K.A“ oder „Carnival“ geschwelgt. Gleichzeit wurden aber auch die neuen Songs wie „If I Could“ oder „Nasty Habit“ vom Comeback-Album „Dream Tiresias!“ nicht vernachlässigt. Verabschiedet haben sich PROJECT PITCHFORK letztendlich mit zwei Zugabenblöcken. So endete der Abend 30 Minuten später als geplant – das hat für die anfänglich benötigte Warmlaufphase mehr als entschädigt. (FD)
Im Kohlrabizirkus waren TYR leider nicht wie angekündigt auf der Bühne, weshalb den wartenden Fans der Genuss der Band von den Färörer Inseln leider versagt blieb. Dafür enterten MY DYING BRIDE die Bühne pünktlich auf die Minute. Beinahe anderthalb Stunden lang sorgte die Band mit einem Querschnitt durch altes und neues Material für Gänsehautstimmung im Publikum. Unterdessen stellte Frontmann AARON STAINTHORPE eindrucksvoll klar, dass er in der Metal-Szene einfach immer noch am schönsten und unterhaltsamsten leiden kann. Von einer großartigen, stimmigen Light-Show unterstützt passte bei MY DYING BRIDE von der Songauswahl über die Bühnenshow bis hin zum Sound einfach alles. (BK)
Das Wave-Gotik Treffen 2009 hatte nicht nur musikalische Höhepunkte zu bieten, sondern war wie selten zuvor so üppig mit alternativen Veranstaltungen wie Lesungen und klassischen Konzerten bestückt. Und so war es dieses Jahr auch für uns an der Zeit, Veranstaltungsorte aufzusuchen, die man in den Jahren zuvor noch unbeachtet ließ. Es gab wie immer viel Neues und Ungewöhnliches zu entdecken. Der FHL-Club ganz in der Nähe des Werk II ist ein toller Veranstaltungsort, der an einen Jugend- oder Studentenclub erinnert. Im Keller des Instituts für Informationstechnologie gelegen, bietet er Platz für etwa 50 sitzende und manche stehende Gäste. Liebevoll eingerichtet mit bequemen Sesseln und Sofas, ist der FHL-Club geradezu prädestiniert dafür, Lesungen bei einem kühlen Bier und wohlig düsterer Atmosphäre zu genießen. Und so geschah es, dass wir uns exemplarisch „13 Kleine Thriller“ von UWE SCHIMUNEK ausgesucht und es uns bequem gemacht haben. UWE SCHIMUNEK ist ein Leipziger Genreautor, dessen Krimis auf Horror treffen und mit einer guten Prise Science-Fiction gewürzt werden. Niemals besserwisserisch verdeutlicht uns UWE SCHIMUNEK seine Gesellschaftskritik mit Groteske oder Satire, die sehr komisch und sehr raffiniert erzählt wird. Köstlich amüsiert lauschten wir den Worten, über Dämonen und Geisterjägern, die sich auf unseren Partys treffen, um sich gegenseitig den Garaus zu machen. Wir hören von Rollenspielern, die den Tag des jüngsten Gerichts vorbereiten und dabei Lokalreporter einladen oder von Außerirdischen in Baggy-Jeans und IT-Managern mit hässlichen Schusswunden im Kopf. Hervorragend versteht es der Autor, die Szenen spannend zu erzählen, lustig in Szene zu setzen und amüsant zu intonieren. Wir planen einen weiteren Besuch im FHL-Club beim WGT 2010 nicht nur deshalb wieder fest ein. (MM)








