SHINO: My Mistress
Einige Zeit war es still um ALIAKSANDR KAVALIOU, den Einzelkünstler aus Dresden. Besser bekannt ist er unter dem Namen SHINO. Sein letztes Album erschien 2009 doch nun ist die Durststrecke vorbei, denn SHINO präsentierte vor wenigen Tagen seine neue Single „My Mistress“.
Die EP wartet mit insgesamt fünf Titeln auf, wobei nur bei beim Titelsong zur akkustischen Musik auch Text hinzugefügt wurde.
ALIAKSANDR sieht sich selbst in der Sparte des Acoustic-Gothics, dem er mit dieser Singleauskopplung auch wieder ein Stück näher kommt. Früher zeugte seine aggressive Musik noch von einem jungen Künstler, der noch auf der Suche nach seinem Platz im Leben war. Jetzt bleibt die Gitarrenbegleitung völlig außen vor und SHINO greift auf das Klavier zurück, um seinen Texten und Gefühlen auch musikalische Untermalung zu bieten. Die Rückkehr zur ehrlichen und emotionalen Musik kommt in meinen Augen gut an, obwohl bis SHINO bis zum vergangenen Juni nicht mal selbst wusste in welche musikalische Richtung er nun gehen möchte.
Das Intro ist ein ruhiges Stück, das den Hörer langsam in die Materie eintauchen lässt. Die zu Beginn noch beklemmenden Töne wandeln sich schnell in hellere Klänge, die diese Komposition interessant machen. „Falling Spring“ knüpft hier in beruhigender Weise direkt an. Verfolgt man den Song akustisch und behält den Titel im Hinterkopf, kann man sich gut vorstellen, wie der Durchbruch der ersten Grashalme und das Erwachsen neuen Lebens – was den Frühling eben auszeichnet – hier musikalisch umschrieben wird.
Der Titelsong „My Mistress“ ist ein sehr emotionales Stück, das sich aber gut in den Kontext dieser EP einfügt. Der recht einfache aber tief emotionale Text zeugt von Selbstzweifeln und der Sehnsucht nach Entscheidungen und Veränderung, die aber nicht selbst gefunden werden (können). Die Aussage des Songs steht hier definitiv im Vordergrund. Ein sparsam eingesetztes Schlagzeug unterstützt diese Überlegungen mit Nachdruck. Das vor dem letzten Refrain einsetzende Klaviersolo spiegelt die tiefe Depression wieder, verhallt in dumpfen Tönen und lässt den Zuhörer mit seinen Gedanken zur Thematik allein. Der textliche Bezug ist immer erst direkt auf den Sänger selbst gerichtet, dann verallgemeinert sich die Thematik, so dass auch der Hörer sich in diese Schilderung einfinden und es für sich reflektieren kann.
Leider fehlen die letzten drei Textzeilen, die offiziell als Text auf der Homepage zu finden sind, in der Interpretation des Stückt.
Das zweite Intermezzo „Aspiration“ schildert die Thematik des „Durchatmens“ und ist musikalisch klasse umgesetzt worden. Die immer gleichen Intervalle symbolisieren das Ein- und Ausatmen. Diese musikalische Gestaltung erfolgt gleichmäßig ohne große Schwankungen und endet in einem gleichmäßigen „Ausatmen“, bevor das letzte Stück der CD „Rebirth“ die Wiedergeburt und den Neubeginn eines Kreislaufes ankündigt. Die hellen Klänge weisen auf das neu entdeckte Licht am Ende des Tunnels hin – der Weg zum neuen Leben ist durch ein andauerndes „Stampfen“ des Schlagzeugs im Hintergrund und die ansteigende Geschwindigkeit des Klaviers verdeutlicht. Diese Mischung spitzt sich zu, bis der Bass, welcher den Herzschlag und das Adrenalin einer Geburt verkörpert, abrupt endet.
Im Gesamtbild thematisiert diese EP den Kreislauf des Lebens. Die ersten Schritte, die man geht, das Wachsen an einer Situation, die Probleme, mit denen man konfrontiert wird, bis hin zum Ende und dem Neubeginn allen Seins. Die Veränderlichkeit des eigenen Ichs steht mit dieser CD im Mittelpunkt.
So war es eine gute Wahl „My Mistress“ als Single zu veröffentlichen. Man merkt, dass ALIAKSANDRs Einstellung zur Musik gewandelt ist und die Richtung geändert hat – aber dieser Wechsel ist durchaus positiv zu beurteilen. Die Stimme ist klarer und weiter im Vordergrund als bisher, die minimalistischen Einsätze der Instrumente führen dazu, die Thematik besser wahrnehmen zu können.
So ist diese Scheibe eine zu empfehlende Anschaffung, auch wenn dieses Genre sicherlich nicht allen liegt.
My Mistress
Rebirth
TRACKLISTE
1. Intro - Danse Macabre
2. Intermezzo1 - Falling Spring
3. My Mistress
4. Intermezzo2 - Aspiration
5. Outro - Rebirth




