REBENTISCH: Empathie
Das neue Album „Empathie“ von REBENTISCH macht sprachlos, denn es erwartet einen eine selten da gewesene Genrevielfalt. Da ist es schwer das Gesamtwerk zu erfassen und darüber zu schreiben. Fangen wir mit dem ersten Track „Single“ an. REBENTISCHs Gesang ist, wie altbekannt, beeindruckend. Der Song handelt von der Traurigkeit des „sich alleine Fühlens“. Er endet mit der Bitte „nimm mich zurück“. Er ist dominiert von Gitarre und Keyboards.
„Zittern“ ist der zweite Streich und basiert stark auf einer einprägsamen Synthie-Melodie, auf die später auch die Gitarre einspringt und das Ganze vervollständigt. Der Song baut sich nach und nach auf, die Gitarre wird zum Ende hin verzerrt und laut. Die Steigerung ist der Wahnsinn. Hier kommt richtig tiefes Gefühl rüber.
Das dritte Lied, „Sommertraum“, verbindet Ska-Rhythmus, elektronische Musik aus dem Drum-Computer und die typischen Wave/Post-Punk-Vocals von SVEN REBENTISCH. Das wirkt langsam etwas schräg. Die Musik ist irgendwie zu fröhlich. Das passt nicht zum Text und zum Gesang und damit zutiefst verwirrend. Die CD lässt sich eben nicht einfach in den Player schieben und unbedarft durchhören. Soviel ist sicher. Der poppige, elektronische Anstrich verbleibt auch bei dem folgenden Stück. Ska lastige Gitarre, Punkrock Gesang und ein totaler Antitext „wie lang muss ich noch warten, bis du mich gehen lässt?“... Typisch ist der flehende Gesang, wie man ihn aus den guten alten Zeiten der Vorgänger-Band DER ZERFALL kennt.
„Keine Zukunft“ kommt ohne Pop und Elektro aus. Back to the roots. So mag man den Herrn REBENTISCH. Aber er passt sich halt nicht an. Das hört man hier auf der CD deutlich raus. So setzt er sich keine Grenzen. Die CD ist ein Experiment. Vor allem für den Konsumenten. Ein englischsprachiges Lied beinhaltet das Album auch. „Longing“ heißt es und klingt so kitschig wie sich schon der Titel anhört. Das ist der Tiefpunkt des Albums. Schnulzig, langsam und tragend lullt es einen ein. SVEN singt „when we are dreaming again“, und das ist gar nicht traumhaft, sondern bloß einschläfernd.
Nummer acht ist „Dein Biss“, in der Empathie Version. Kein Refrain, keine Strophenstruktur. So einfach macht REBENTISCH sich das nicht. Er schreibt und findet so sein Konzept, ohne die hergebrachten Songstrukturen. Dadurch wirkt die Musik immer etwas wie eine TIM-BURTON-Geschichte. Verwirrend und beeindruckend. Auch wenn man nicht alles versteht. Muss man ja auch nicht.
Dieses Album ist mutig. Auch wenn man da nicht so leicht rein kommt. Auch nach mehrmaligem Hören nicht.
Fazit: Für Hörer mit Hang zum Genre-Hopping und zur Melancholie ist „Empathie“ genau das Richtige. Ebenso für einen Winter, in dem es mehr Regen gibt als Schnee. Drinnen bleiben, im Schaukelstuhl sitzen und REBENTISCHs Texte hageln hart hernieder.
Keine Zukunft





