PTYL: V
PTYL war wohl schon immer ein umstrittener Künstler. Ein Israeli, der sich offen zum Heidentum bekennt und Industrial produziert, ist wahrscheinlich einzigartig. Sein erstes Album "Hellbound" strich einige Musikpreise ein und galt als vielschichtiger, politischer Industrial. Im Februar veröffentlichte PTYL nun sein Doppelalbum "V"/“Loki“.
Schon die Stilrichtung, mit der PTYL seine Musik einordnet, versetzte mich ins Grübeln. Ich konnte mir nicht wirklich eine Vorstellung machen, was mit "Glam-Industrial" gemeint sein sollte, da ich mir nur schwer Industrial vorstellen konnte, der besonders glamourös wäre. Ich war also gespannt, wie das musikalischen Ausdruck finden kann.
Vergeblich würde man den Glamour suchen, der in diesen beiden Alben steckt, denn was PTYL liefert, ist zweifellos experimenteller Industrial, der mit unterschiedlichen elektronischen Klängen spielt, aber glamourös ist die Musik kaum. Wahrscheinlich ist diese Bezeichnung mehr ein bewusst gewähltes Oxymoron, um der Widersprüchlichkeit von PTYL ein Profil zu geben.
"V" und „Loki“ stehen in spür- und hörbarer Opposition zueinander. Während "V" strukturlos, unzusammenhängend und chaotisch wirkt, scheint „Loki“ wenigstens eine inhaltliche Konstanz zu bilden. Wahrscheinlich soll hier der Gegensatz zwischen Liebe und Hass dargestellt werden. Musikalisch lassen sich diese Tendenzen kaum erkennen. Beide Alben sind kratzig, chaotisch und disharmonisch, Grundvorraussetzungen für guten Industrial. Allerdings sollte man das Ganze auch nicht übertreiben. Bei manchen Passagen stehen einem wort-wörtlich die Haare zu Berge, denn man hat den Eindruck, jemand kratzt mit Fingernägeln über eine Schiefertafel. Der eintönige Gesang PTYLs macht das Ganze nicht besser.
Die Band ist ohne Zweifel unbequem. Irgendwo zwischen dem ohrenbetäubenden Krach sind politische und philosophische Aussagen versteckt, die durch den Hintergrund ihres Autors einzigartig sind. Allerdings fällt es sehr schwer, die Geduld aufzubringen sie herauszufiltern.
Tatsächlich haben die Alben auch einige lichte Momente, in denen einige Songs wirklich ins Ohr gehen und Spaß machen, allerdings werden diese interessanten Passagen meist sehr schnell von beatlosem Krach abgelöst.
PTYL macht durchaus Musik, die ihre Fans hat. Wer Musik mag, die völlig anders ist, als alles was man kennt, dem könnte PTYL gefallen, allerdings zähle ich mich nicht zu diesem Kreis.
TRACKLISTE
"V":
1. Intro
2. 1MC
3. 3 Ticks
4. Notherfucker#0
5. Minion
6. The Vision
7. Global Killer
8. Alma
9. Hell
10. Rise
11. Faith
12. The Taking
13. Cunts
14. Womb
15. Reverb
16. Tembt
17. Longing
18. They
19. The Wait
"Loki":
1. War!
2. Drag Dorks In Vampire Suits
3. Loathing
4. Masochism
5. Another Dragon
6. Hellstream
7. Sadistic Charm
8. Art Is From Venus Life Is From Mars
9. The Method
10. The Divine Conspiracy
11. Distress
12. Hand Of Our Kin
13. 0.0000001
14. General Vistim
15. " "
16. Land Of Gisgust
17. West End
18. Last Light
19. The Gift





