OPETH: Heritage
MIKAEL AKERFELDT, der charismatische Frontmann von OPETH, ist nicht nur für seinen trockenen Humor und seine amüsanten Ansagen bei Konzerten bekannt, sondern auch dafür, Fan und Sammler von Rockmusik der 70er Jahre zu sein. Außerdem führt er OPETH gerne auf Wege abseits des Gewöhnlichen und geht musikalische Experimente ein. Insofern war eigentlich schon länger absehbar, dass es eines Tages ein reines Progressive-Rock-Album der Schweden geben würde. Und nun, mit "Heritage", dem zehnten Studioalbum macht der Schwede Ernst. Bereits im Vorfeld ließ die Band durchklingen, dass "Heritage" kein Metal-Album sein würde und dass sich darauf keine Growls befinden würden sondern ausschließlich Klargesang.
Ein ähnliches Experiment haben OPETH schon einmal gewagt, als sie im Jahr 2003 mit "Damnation" ein für damalige Verhältnisse sehr ruhiges Album veröffentlichten, das bis heute zu den Lieblingsalben vieler Fans gehört. Ob der Band mit "Heritage" ein ähnlicher Erfolg gelingen wird und ob sich die Fans von OPETH für progressive Rockmusik öffnen können und wollen, wird sicher erst die Zeit zeigen. Von technischer Seite lässt sich "Heritage" allerdings schon heute beurteilen. Und unter diesem Aspekt glänzen OPETH natürlich wie gewohnt.
Die Strukturen von Songs wie "The Devil's Orchard", der bereits vorab veröffentlicht wurde und zu den schwächeren Songs des Albums gehört, dem atmosphärisch dichten "Häxaprocess", das rhythmisch vertrackt Gänsehaut erzeugt oder "Slither", das zu den härteren, rockigeren Nummern von "Heritage" gehört, sind sogar noch etwas komplexer als zuletzt auf "Watershed". Obwohl "Heritage" die Band im ungewohnten Soundgewand zeigt, ist vom ersten Takt an klar, dass man OPETH hört, denn die Trademarks wie MIKAELs charismatische Stimme und der unnachahmliche Gitarrensound, der OPETHs Alben seit Jahren prägt, kommen auch im 70er-Jahre-Soundgewand voll zur Geltung.
Sehr geschmackvoll und effektiv sind auch die Keyboards, die PER WIBERG noch vor seinem Ausstieg aus der Band zum Album beisteuerte. Sie gehören wohl zu den stärksten Leistungen, die er bei OPETH je erbracht hat und dominieren stellenweise den Sound deutlich, was sehr gut zur musikalischen Ausrichtung von "Heritage" passt.
Natürlich ist es ein gewagter Schritt, ein Album wie "Heritage" zu veröffentlichen und doch zeigt sich hier nicht nur die musikalische Flexibilität aller Musiker sondern auch, dass die Band die Stilrichtung des Progressive Metal, der sie meistens zugeordnet werden, richtig verstehen. Denn bei progressiver Musik geht es schließlich nicht darum, möglichst viele Töne in einem Takt unterzubringen sondern hauptsächlich darum, die Pfade, die die Vorbilder vorgeben, zu verlassen und sich auf musikalisches Neuland zu begeben. Das machen OPETH mit einer erfreulichen Konstanz und einer beeindruckenden Qualität. Es bleibt abzuwarten, ob die Fans bereit sind, diesen Weg mit zu gehen und wohin die Zukunft die Band führen wird. Eines ist klar: Auf ein Release von OPETH kann man sich immer freuen, denn langweilig wird es mit der Band nie.
Nepenthe
Slither
Folklore





