COPPELIUS: Zinnober

CD-Cover
MEDIUM
CD
LABEL (VERTRIEB)
F.a.M.E. (Edel)
STIL
Folk, Rock
VERÖFFENTLICHUNG
29.10.2010

Die zarten Töne dienen ihnen nur als kurze Atempausen für die wahrhaftig brachialen Passagen, für das Chaos, für die musikalische Perfektion. Hätte man IRON MAIDEN bereits im 18. Jahrhundert gekannt, würden wir heute vielleicht von Bands der Marke COPPELIUS überschwemmt. So aber gehören sie zu einer Hand voll Musikern, die aus ihren klassischen Instrumenten wirklich Rockmusik rauskitzeln und das ohne kitschig zu sein. Mein Herz hüpft im Dreieck.

COPPELIUS steht für rasante Tempowechsel, für stampfende Beats, für sägende Cellopassagen konterkariert von fiedelnden Klarinetten. Das sorgt für reichlich Unruhe, die nur deswegen funktioniert, weil sie musikalisch perfekt inszeniert ist. Recht nahtlos schließt das dritte Album COPELLIUS' an den Vorgänger an. Ohne intellektualistisch zu wirken, zitieren sie in dem romantischen Werk ERNST THEODOR AMADEUS HOFFMANNs und wirken damit keines falls out of time.
Ganz im Gegenteil verkörpern die Texte Zeitgeist und Situationskomik. „Diener 5er Herren“ besingt, wie einer der großen Zylinder, die die Band bei ihren Auftritten trägt, bei einem Konzert abhanden gekommen ist („Und wo er grad im Keller ist / Ein Zylinder wird vermisst / Ob er wohl da unten ist / Das hätte ich zu gern gewusst!“).

Trotz ihres hohen musikalischen Könnens schaffen es COPPELIUS aber auch dieses Mal nicht, die Spannung über das ganze Album aufrecht zu erhalten. Die „chaotischen“ Songstrukturen, die in Wirklichkeit extrem sauber gespielt sind, verlieren sich spätestens nach acht Songs im Nirvana der Gehörgänge. Keine Frage, dass es sich trotzdem lohnt, die Songs aufmerksam zu hören. Wenn das Herz vor Freude jauchzt, weil die Kontrabass-Herzmuskelgymnastik von fast jazzigen Klarinetten aus der Ferne gerufen wird und das Cello antwortet – in dem Moment lernt man COPPELIUS wieder zu schätzen.

Insgesamt aber sorgen auch Einschübe aus Folklore, Minnesang und Mittelalter nicht für die Abwechslung, die das Album auf Spannung halten könnte. Vielmehr verlieren COPPELIUS in diesen Stücken ihren Faden. Stattdessen wünscht man sich mehr englische Stücke, die phonetisch einfach besser ins emergente musikalische Korsett der Streicher und Klarinetten passen. Unterm Strich: Es lohnt sich das Album mal von Vorn und mal von Hinten anzuhören. Erst dann lernt man Stücke, wie das großartige IRON MAIDEN Cover „Genghis Khan“, „Damen“ oder „I Told You So“ so richtig kennen. Das hilft: Denn eins ist sicher, für ein Konzert von COPPELIUS, für das dieses Album nur ein Vorgeschmack sein kann, braucht es noch einmal wesentlich mehr Ausdauer. Und das ist gut so!

ANSPIELTIPPS:

I Told You So
Damen, Genghis Khan

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AUTOR

Frank
Frank:
"Die Band steht für rasante Tempowechsel, für stampfende Beats, für sägende Cellopassagen konterkariert von fiedelnden Klarinetten. Das sorgt für reichlich Unruhe, die nur deswegen funktioniert, weil sie musikalisch perfekt inszeniert ist. "

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TRACKLISTE

1. Intro
2. Diener 5er Herren
3. I Told You So
4. Risiko
5. Gumbagubanga
6. Damen
7. Der Feuerwehrmann
8. Nachtwache
9. Stetig Fromm
10. Kleines Zaches
11. Ein Automat
12. Vergessen
13. Genghis Khan
14. Coppelius Hilft!
15. Ade Mein Lieb

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