ABIGAIL WILLIAMS: Becoming

CD-Cover
MEDIUM
CD
LABEL
Candlelight Records
STIL
Metal
VERÖFFENTLICHUNG
23.01.2012

Der Name ABIGAIL WILLIAMS dürfte so manchem Black-Metal-Fan die Zornesröte ins Gesicht treiben. Das liegt vor allem daran, dass die amerikanische Band, so will es die Legende (die auch im deutschen Wikipedia-Eintrag zur Band zu finden ist, sich aber nicht durch den englischen Eintrag bestätigen lässt), die Spielwiese für Musiker aus Bands wie BLACK DAHLIA MURDER und JOB FOR A COWBOY ist und Einflüsse aus modernem Metal- und Deathcore in ihrer Interpretation des Black Metal einfließen lassen. Diese Einflüsse werden von den elitären, oftmals sehr konservativen Black-Metal-Fans, für die echter Black Metal nur nördlich des 60. Breitengrades existieren kann, nicht gerne gesehen.
Inwiefern diese Verachtung gerechtfertigt ist und ob es auch Deathcore-Musikern mit tellergroßen Ohr-Tunneln gelingt, Black Metal glaubwürdig zum Besten zu geben, gilt es nun, da mit "Becoming" die dritte Veröffentlichung mit voller Spielzeit vorliegt, zu prüfen.
Erstes Merkmal ist der Sound, der auf "Becoming" wie schon bei den Vorgänger-Alben recht modern ausgefallen ist. Der Begriff "Modern" ist hier allerdings natürlich mit Vorsicht zu genießen, denn im Vergleich zum stark komprimierten, glatt gebügelten Sound anderer moderner Metal-Produktionen wirkt der Sound von "Becoming", der ohne übermäßigen Trigger-Einsatz auskommt, natürlich keineswegs modern an. Allerdings ist es eine der direkten Folgen der Gratwanderung, die es erfordert, Black Metal zu modernisieren, dass ein großer Teil der klirrend kalten Atmosphäre, die den frühen Veröffentlichungen von DARKTHRONE, BURZUM oder MAYHEM innewohnt, verloren geht. Oftmals versuchen Bands, diesen Verlust an Atmosphäre durch Keyboard-Bombast wett zu machen. Nicht so ABIGAIL WILLIAMS, bei denen sich das Keyboard dezent im Hintergrund hält. Auffällig ist weiterhin, dass die Arrangements der Songs, von denen drei Stück locker die Zehn-Minuten-Marke knacken, trotzdem recht ausufernd und vielschichtig gehalten sind. Das ist die größte Stärke, die ABIGAIL WILLIAMS auf "Becoming" präsentieren. Gleichzeitig ist es aber auch ihre größte Schwäche, denn das Minus an Atmosphäre im Vergleich zu den Genrekollegen macht sich bei derart langen Kompositionen besonders deutlich bemerkbar. Ein möglicher Ausweg wäre über die Stimme zu schaffen, doch das Organ von KEN SORCERON, der als einziges Mitglied vom Line-Up des Erstlings "In The Shadow Of A Thousand Suns" übrig geblieben ist, ist dafür viel zu einseitig. Der Frontmann versteht es zwar, in den verschiedensten Tonlagen zu brüllen und zu krächzen, aber dezentere Tonlagen, die für etwas mehr Abwechslung sorgen könnten, kommen ihm nicht über die Lippen.
Deshalb hinterlässt "Becoming" wie auch die Vorgänger ein zwiespältiges Bild. Black-Metal-Puristen werden die Band weiterhin hassen und ihr (zu recht) mangelnde Atmosphäre unterstellen und Anhänger der Mischung aus Core und Black Metal werden sie nach wie vor als Heilsbringer und längst überfällige Wurzelbehandlung für ein altes Genre bezeichnen.
Ob man ABIGAIL WILLIAMS also liebt oder hasst, hängt stark von der eigenen Vorliebe ab. Klar ist aber: Die Band wird auch weiterhin polarisieren.

ANSPIELTIPPS:

Elestial
Beyond The Veil

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AUTOR

Ben
Ben:
"Ob man ABIGAIL WILLIAMS liebt oder hasst, hängt stark von der eigenen Vorliebe ab. Klar ist aber: Die Band wird auch weiterhin polarisieren."

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TRACKLISTE

1. Ascension Sickness
2. Radiance
3. Elestial
4. Infinite Fields Of Mind
5. Three Days Of Darkness
6. Beyond The Veil

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