Wave-Gotik-Treffen 2012

Tag 1 – Freitag

Bereits am Donnerstag sind wir in Leipzig angekommen, haben unsere Unterkunft bezogen und nach der langen Autofahrt bei einem kühlen dunklen Bier im Kreise von Freunden entspannt. Zur Einstimmung auf die kommenden Festivaltage wurden diverse Warm-Up-Parties in Leipzig angeboten. Spontan entschieden wir uns für die WGT-EBM-Aufwärmung in der Villa bei der es nebst feiner Musik auch livemusikalische Unterhaltung geben sollte. Jedoch konnten wir nicht ahnen, dass sich so viele Gäste dort einfinden würden, dass es zu ewigen Wartezeiten an der Tür kam. Kurzerhand umentschieden ging es in die tiefen Gewölbe der Moritzbastei. „Schwarzes Leipzig tanzt“ hieß die Devise und dieser folgten auch zahlreiche Menschen. Und so wurde zu – teils zu weich gemixten – Sounds bis in die Morgenstunden gefeiert.
Der Freitag begann heiter und wolkenlos. Gut gelaunt und in Erwartung langer Schlagen an den Bändchenausgabe fuhren wir zum Agra-Messepark. Es folgte eine erste Überraschung. Leipzig war nicht schwarz sondern eher dunkelgrau. Die gewohnten dunklen Massen welche sonst das Stadtbild über Pfingsten zieren waren nur sporadisch vorhanden. Ähnliches zeigte sich an der Bändchenausgabe. Nach kürzester Zeit hatten wir eingecheckt und tauchten in die Welt des Wave-Gotik-Treffens ein.

DÜSTERPIANO - Sixtina
Ein Mann, ein Piano – beides in Schwarz. Im Hintergrund sitzt ein Mann am Schlagzeug. Angekündigt wurde das DÜSTERPIANO bei strahlendem Sonnenschein. Ich war neugierig auf das was folgte, und wurde nicht enttäuscht. DR. OLIVER NIEMZIG spielt das DÜSTERPIANO souverän und ohne Mitleid. Metal, Hardrock, Gothic, Alternative Rock – alles wird unter den Tasten zu einem Klaggemetzel für die Ohren und der Kopf zuckt im Takt. Neben der instrumentellen Interpretation anderer wartete das DÜSTERPIANO auch mit eigenen schweren, dunklen Schätzen auf. Ein beeindruckendes Erlebnis mit bleibenden Erinnerungen.

STAHLMANN - Agra Messehalle
Eine in den letzten Jahren steil aufsteigende Band durfte als zweiter Act des Tages nach den Mittelalterrockern von TANZWUT die Agra Messehalle zum Beben bringen. STAHLMANN wurde 2008 gegründet und nach einer Tour und ihrem Debütalbum in 2010 nimmt ihre Beliebtheit stetig zu. Den Opener für ein Festival zu spielen kann für eine Band manchmal sehr anstrengend und auch einsam sein. Nicht so für die Herren in Silber. Eine ordentliche Masse hatte sich zu ihrem Auftritt vor der Bühne eingefunden und mit den ersten Tönen platzen auch die Fans aus sich heraus. Die harten und schnellen Gitarren und der düster-raue Gesang hielten die Spannung von Anfang bis Ende auf hohem Level. Störend war das teils sehr fiese Echo; aber als langjährigen WGT-Besucher kennt man die Soundprobleme und der großen Halle. Nichts desto trotz lieferten STAHLMANN eine durchweg energetische und gelungene Show, wie man es von ihnen gewohnt ist. (BB)

CLAN OF XYMOX - Agra Messehalle
Auch bei der folgenden Band versammelten sich viele gute gelaunte Fans vor der Bühne. Die 1984 gegründete niederländische Band CLAN OF XYMOX hielt die gute Stimmung, die in der Messehalle vorherrschte, von Anfang an aufrecht. Die Mitglieder der Band zeigten sich gut gelaunt und schäkerten mit dem ihrem Publikum. Der Funke sprang sofort über. Die Fans tanzten und sangen mit Frontmann RONNY MOORINGS und erfreuten sich an Titeln wie „In Love we trust“ und „Louise“. Leider wurde auch hier das Konzerterlebnis durch Probleme mit der Musikanlage getrübt. Doch der Stimmung tat dies keinen Abbruch. Die langjährige Bühnenpräsens der Niederländer sogte für eine abwechslungsreiche Setlist, bei der für jeden etwas dabei gewesen sein drüfte. [YS]

PROJECT PITCHFORK - Agra Messehalle
Während die Bühne für die nächste, von vielen schon sehnlichst erwartete Band umgebaut wurde, füllte sich die Agra nun doch merklich. Unter den Fans von PROJECT PITCHFORK breitete sich erwartungsvolle Stimmung in der Halle aus. Auch wenn es vor der Bühne langsam eng wurde, nutzten die Anwesenden jede kleine Lücke, um mit ihrer Band zu feiern und zu tanzen. Lieder wie „Continuum“, „Timekiller“, „The Island“ oder auch „Beholder“ sorgten für viele glückliche und verschwitzte Gesichter. Der Sound war zwar zwischenzeitlich auch bei diesem Konzert nicht wirklich besser und teilweise einfach viel zu laut. Glücklich war, wer Ohrenstöpsel dabei hatte. [YS]

Setlist PROJECT PITCHFORK:
1. Intro
2. Continuum
3. Timekiller
4. Lament
5. Conjure
6. Run FOr Cover
7. Souls
8. Endless Infinity
9. K.N.K.A.
10. The Queen Of Time And Space
11. Souls
12. The Dividing Line
13. Beholder
14. Existence
15. Fire And Ice

EISBRECHER - Agra Messehalle
Dies sollte sich auch bei dem Auftritt von EISBRECHER nicht bessern. Dennoch war der Jubel groß und die AGRA platzte aus allen Nähten. Die Stimmung war von den ersten Klängen an großartig und das nicht nur bei den Fans in der Halle. Auch der Band war anzumerken, dass sie sich auf den Auftritt auf dem diesjährigen WGT gefreut hat. Publikum und Musiker schienen sich einig und so gab es für alle Beteiligten kein Halten mehr. Nach der Einleitung durch neuere Stücke, folgten zu unserer großen Freude viele bekannte Lieder wie „Verrückt“ und „Leider“. Alle gut „tanzbar“ und ein Garant für Partystimmung, die bis zum Ende des Konzertes anhalten sollte. [YS]

Setlist EISBRECHER :
1. Intro
2. Exzess Express
3. Willkommen im Nichts
4. Verrückt
5. Leider
6. Herz aus Eis
7. Amok
8. Prototyp
9. Schwarze Witwe
10. Vergissmeinnicht
11. Heilig
12. This is Deutsch
13. Miststück
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14. Kinder der Nacht
15. Die Hölle muss warten

ILLUMINATE - Werk II
Das Line Up des Freitags in den alten Hallen des Werk II begann mit TRAUMTÄNZER, DARK DRIVE CLINIC und CONTROLLED COLLAPSE. Der vierte Künstler des Tages war eine altgediente Band deren Name vielen bekannt sein sollte. ILLUMINATE wurden 1993 von JOHANNES BERTHOLD gegründet und kann auf eine schaffensreiche Zeit zurückblicken. Ihre Musik könnte man als gefühlvollen und drucklosen Dark Wave mit eingängigen Melodien. Ihr Konzert am ersten Abend des WGT war eine freudige Überraschung. JOHANNES stimmt hört sich live genauso an, wie auf der CD. Der Sound war bis auf kurze Momente gut abgemischt und die Stimmung in der Halle erwartungsvoll. Stücke voller tiefer Emotionen trafen jeden, der sich darauf einlassen wollte, doch ohne triefend zu wirken. Leider war SYLVIA BERTHOLDs Stimme zu leise und nur schwer zu verstehen. Zu Beginn war das Werk noch übersichtlich gefüllt, das änderte sich während des Auftritts zusehends und so spielten ILLUMINATE vor einem gut gefülltem Haus. (BB)

HENKE - Werk II
Im Anschluss an die Dame und die Herren von ILLUMINATE kam ein Künstler zu Wort, den man für Kenner der Szene nicht groß Vorstellen braucht. Als Musiker, Autor, Schauspieler und Regisseur bekannt ist er unter dem Namen OSWALD HENKE. Neben seinen vielfältigen musikalischen Wegen mit ARTWORK, ERBLAST, ZEITGEIST, FETISCH:MENSCH und allen voran GOETHES ERBEN ist er nun seit 2009 mit seinem neusten musikalischen Projekt HENKE zu erleben. Frischer und rockiger als in der Vergangenheit kommt HENKE daher. Die Fans halten ihm weiter die Treue und einige neue wurden hinzugewonnen. Das erste Album „Seelenfütterung“ kam bei Fans und Presse gut an und das zweite „Maskenball der Nacken“ ist in der Mache. Nach einigen zeitlichen Unwegbarkeiten, einem vergessenen Musiker in Berlin und einer improvisierten Probe im Hotelzimmer standen HENKE pünktlich um zwanzig vor zehn auf der Bühne des Werks. Die Halle war gut gefüllt, gestopft und für heiß befunden. Im ersten Drittel vor der Bühne war es, wie gewohnt, eng und kuschelig. Begeistert wurden OSWALD und Co. Empfangen. Es folgte ein großartiger Auftritt mit gutem Sound, toller Stimmung und fesselndem Gesang. OSWALDs unvergleichliche Art des Gesangs und seiner körperlichen Ausdrucksweise ließ die Emotionen wieder nur so aus ihm hinausplatzen. Auch kam das neue Stück „Zeitmemory“ vom kommenden Album sehr gut an. Eine ganze Stunde verzauberten HENKE das Publikum und es wurde nach Mehr gerufen. (BB)

HAUJOBB - Werk II
1993 gründete DANIEL MYER zusammen mit DEJAN SAMARDZIC und BJÖRN JÜNEMANN die Band HAUJOBB und veröffentlichte das Debütalbum „Homes & Garden“ im gleichen Jahr. Anfangs wurde HAUJOBB noch mit SKINNY PUPPY verglichen, doch mit dem zweiten Album „Freeze Frame Reality“ entfernten sie sich immer weiter von diesem Stil. HAUJOBB besteht heute noch aus DANIEL MYER (Stimme, Arrangements) und DEJAN SAMARDZIC (Arrangements und Produktion) sowie MANUEL G. (Synthies, Geräusche und Schlagzeug) für die Live-Arbeit. In dieser Besetzung waren HAUJOBB auch auf dem WGT zu Gast. Nachdem HENKE die Bühne verlassen hatten entstand eine wahre Völkerwanderung im Werk II. Die Fans von der dunklen Gitarrenmusik strömten nach draußen, während die Electroheads ins Werk pilgerten. Mit einer Batterie von Monitoren, diversen Computern, Synthies, Keyboards und E-Drums wurde die Bühne dekoriert. Mitten drin suchte sich DANIEL seinen Weg durchs Gewirr und schrie seine Vocals ins Publikum. Der Sound krachte durch die Halle und die Tanzbeine wurden geschwungen. Als Frontmann Myer sein Hemd auszog und ein FRONT 242 T-Shirt entblößte waren unzählige Jubelrufe zu hören. HAUJOBB bildeten einen krönenden Abschluss für den erste Werk II-Tag des 21. Wave-Gotik-Trefens. [BB]

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AUTOREN

Biggy
Ben Blaschke
Freya
Hermine
SID
SID
Wir meinen: "WGT 2012 - der Sonne trotzend wurde Leipzig zum 21. Mal schwarz und die Szene feiert bei ihrer größten Zusammenkunft."