PAPA ROACH, LIFE OF AGONY, AUDREY HORNE

Foto
DATUM
11.08.2010
ORT
München, Backstage

Na da wären wir doch glatt beinahe in die verkehrte Location gefahren, denn PAPA ROACH und LIFE OF AGONY wurden von der größeren Tonhalle ins kleinere Backstage verlegt. Das wird den Veranstalter zwar ein wenig gestört haben, die Band allerdings nicht und das Publikum erst recht nicht, denn das Backstage ist für seine zum Teil extrem wilden Konzerte bekannt und genießt darum Kultstatus. Nachdem die Stadt München dem Club auch noch eine S-Bahnstation spendiert hat, gestaltet sich die Anreise auch als angenehm einfach. Einlass war erst um 19:30 Uhr, jedoch hatte sich selbstverständlich wie bei jedem Konzert eine kleine Menge bereits eingefunden und musste warten, bis sich pünktlich der Einlass B öffnete. Schwupps wurden ganz schnell die T-Shirts ausgecheckt und das erste Bierchen gezischt.

Nach ungefähr 30 Minuten war das Backstage dann gut gefüllt und die Arena wurde zusehends belebter, als gegen 20:15 Uhr die Vorband AUDREY HORNE die Bühne enterte. Hierzulande noch recht unbekannt, gelten die Norweger in ihrer Heimat als eine der erfolgreichsten Rockbands. AUDREY HORNE konkret einzuordnen ist schwer. Da finden sich Elemente aus dem Grunge, eine Prise Punk und eine saftige Dosis Alternative, aber auch ganz klassischer Hardrock. Wie für das Münchener Publikum typisch, wurden die Jungs freundlich begrüßt, was sich dann auch wiederum auf die Band übertrug, denen die Spiellaune sichtlich anzusehen war. Ihre eigenwillige Stilmischung kam an, das Publikum ging mit ohne das Sänger TORKJELL die Crowd allzu oft dazu auffordern musste. Keine Frage: Die Menge war gut drauf und AUDREY HORNE dankten es ihr mit einer 35-minütigen Rockshow, bevor sie mit äußerst zufriedenen Gesichtern und viel Applaus die Bühne wieder verließen.

Jetzt war es Zeit die Bühne für LIFE OF AGONY herzurichten, eine der wichtigsten New-Rock- und Grunge-Bands der 1990er. Dazwischen hatten zwei weitere Bierchen Platz, ein Plausch hier und da und so verging die Umbaupause auch recht schnell, bis dann endlich LIFE OF AGONY das Zepter übernahmen. Mein Fall ist ihre Musik zwar nicht, aber sie ernteten für jeden Song ordentlich Applaus, Fäuste wurden in die Luft gereckt, der Teufelsgruß herumgezeigt und der Stinkefinger ebenso. Weil alteingesessene Grunger ja so ziemlich alles hassen, besonders aber sich selbst und noch viel mehr die Location, in der man gerade einen Gig absolviert, ertönten in ausnahmslos jeder Pause die Schreie „Fuck you!“ und „Fuck you, Munich!“ von Sänger KEITH CAPUTO. Weil aber das Publikum auch dermaßen mitging, wandelte sich dies fast mit jedem Stück ein bisschen, bis sich CAPUTO tatsächlich ein aufrichtiges Dankeschön abringen konnte. Knapp eine Stunde verging so ziemlich rasch, bis LIFE OF AGONY mit noch mehr Applaus von der Bühne abdankten. Inzwischen war die Crowd auch richtig aufgeheizt und heiß auf den eigentlichen Hauptact des Abends.

Aber es sollten noch weitere endlose Minuten vergehen, bis endlich um kurz nach 23 Uhr PAPA ROACH die Bühne betraten. Als Opener brachten die Jungs aus Kalifornien gleich mal den Burner „Getting Away With Murder“ und schon fraß ihnen die Menge aus der Hand. Die Fäuste wurde nach oben geworfen, es wurde gejumpt was das Zeug hält und so laut mitgesungen, dass Sänger JACOBY sofort ein fieses Grinsen aufsetzte, das er die gesamte Show nicht ablegen konnte. Nach dem grandiosen Start, schoben PAPA ROACH auch gleich fließend ihren Hit „…To Be Loved“ hinterher und spätestens jetzt war das Backstage am Kochen. Der kleine Club mutierte abermals zu einem Hexenkessel und zementierte seinen Kultstatus mit einer beispiellosen Show vom Feinsten. Die neue Single „Kick In The Teeth“, die dem Live-Album Time For Annihilation... On The Record & On The Road vorangeht, kommt ja offiziell erst am 20. August 2010 heraus. Trotzdem kannten die Konzertbesucher den Song bereits auswendig und sangen fröhlich mit, woraufhin SHADDIX das Mikro in die Menge hält und bei jedem Kampfschrei seine Zähne fletschte. Song für Song schaukelten sich PAPA ROACH und das Publikum gegenseitig hoch, der Schmelztiegel wurde heißer und heißer. Bei „Blood Brothers“ hielt es JACOBY nicht mehr aus und sprang zum ersten Mal mitten in die Menge, von der er fast triumphal herumgetragen wurde. Die Security sah zwar schon ein wenig besorgt aus, SHADDIX scherte das aber wenig, während er auf den Händen mitten in der Arena seine Vocals heraushaute. Er kam ja schließlich auch heil wieder zurück zu JERRY HORTON, der in lässigster Manier seiner Gitarre ein Schabenriff nach dem anderen entlockte. Bei „Crash“ jumpte die ganze Arena, während sie bei „I Almost Told You That I Loved You“ aus dem Bangen nicht mehr herauskam. Schließlich sprang SHADDIX bei „Dead Cell“ zum zweiten Mal ins Publikum. Klar, so eine heiße, schweißtreibende und wilde Show forderte ihre Opfer und zig Leute mussten rausgetragen werden. Doch den ganzen Saal zog es nach vorn, weswegen immer fleißig aufgerückt wurde. Gegen Ende hin hatten Bassist TOBIN ESPERANCE und Drummer TONY PALERMO ihren großen Moment, denn sie leiteten „Forever“ ein. Ein Song, der in den Fanreihen sehr hoch angesetzt wird und jeder Anhänger konnte ihn auswendig mitsingen. An und für sich ist „Forever“ ein absolutes Highlight auf einem Konzert von PAPA ROACH. S auch gestern, wo der Song aber nur eines von vielen Highlights war. 90 Minuten volle Power, ein verdammt gut gelauntes Publikum und eine hervorragend aufgelegte Band: Mörderstimmung pur! Letztes Stück an diesem Abend war „Last Resort“, mit dem sich die Schaben vom begeisterten Münchener Backstage und unter lauten Zugabe-Schreien verabschiedeten.
Ganz ehrlich? Ich persönlich habe dieses Jahr schon SUM 41 (ebenfalls im Backstage), P!NK und GREEN DAY live gesehen. Das waren auch starke Auftritte, aber PAPA ROACH haben gestern so ziemlich alles mit weitem Abstand getoppt und allen einen unvergesslichen Abend beschert. Ein so verdammt geiles Konzert habe ich lange nicht mehr erlebt. Und darum danke ich an dieser Stelle dem Backstage, die es immer auf die Reihe kriegen, dem fabelhaften Publikum in München und natürlich PAPA ROACH, die sich mit diesem Auftritt in meine Top 5 der besten Konzerte katapultiert haben.

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AUTOR

stefan-eis
stefan-eis:
"Nach einem Konzert von PAPA ROACH ist man so ausgepowert, dass einem wirklich alles weh tut."