MICHAEL SCHENKER's TEMPLE OF ROCK, HIGH WAY

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DATUM
27.10.2015
ORT
Freiburg, Jazzhaus

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60 Jahre und kein bisschen weise
„Ich habe manchen Kratzer abgekriegt,
zu sagen, es war halb so schlimm, es wär' gelogen.
Ich habe längst nicht immer nur gesiegt,
die Pose hat darüber weggetrogen.“

Das Lied von Curd Jürgens passt genau auf ihn: MICHAEL SCHENKER.
Ein Leben für die Musik, genauer: Die Gitarre. Mit Höhen und Tiefen.
Der Spitzen-Gitarrist, der sich schon im Alter von 14 der Gruppe SCORPIONS (und seinem Bruder) anschloss, kann das oben genannte sicher über sich sagen. Denn seither ist er von der Bühne nicht mehr wegzudenken. 1973 wechselte SCHENKER zu UFO bevor er 1979 eine Solokariere startete (MSG). Und weil er noch immer nicht genug kriegen kann, ist er seit 2011 mit „Temple of Rock“ unterwegs. Aus seinen durchlebten Phasen setzt sich nun auch dessen Programm zusammen.

Während der Vorbereitung auf das Konzert entdeckte ich auf Facebook für diese Veranstaltung nur 19 Zusagen? Bisschen wenig, oder? Ich war gespannt, wie das werden sollte.
Um kurz nach 19 Uhr trafen wir dann aber auf ein für uns überraschend volles Jazzhaus. Nicht ganz voll, aber ziemlich und zwar mit Männern, die in der Mehrheit Glatze, graue Haare und Bäuchlein trugen. So 55 plus. Gemütliche Typen. Vermutlich weil es damals eben in der Mehrzahl Männer waren, die vom Leben als Rockstar träumten.
Das zeigt wohl, dass die meisten Fans von MICHAEL SCHENKER gar nicht auf Facebook zu finden sind. Was wohl auch an der Altersgruppe liegt. Die machen es wie früher und gehen einfach zum Konzert hin, ganz ohne vorher auf eine Einladung in Facebook zu warten und ihre Teilnahme dort Gott und der Welt zu verkünden.

Aber sobald die Musik losging, war es mit der Gemütlichkeit der anwesenden Herren direkt vorbei: Die Augen glänzten und der Körper verlangten nach Bewegung. Man(n) ging voll mit.
Schon die französische Vorgruppe „HIGH WAY“ sorgte für erste Schweißausbrüche. Die Jungs aus Montpellier waren sehr beweglich. Beweglicher als der Hauptakt, aber auch viiiiiel jünger.

Als MICHAEL dann nach einer guten halben Stunde Umbaupause die Bühne betrat, gab es gar kein Halten mehr. Die Menge tobte, anders als mit diesen abgedroschenen Worten kann man es einfach nicht beschreiben. Auch waren die Anwesenden extrem textsicher, zeitweise sang das ganze Jazzhaus mit. Und die Stimmung nahm zu keiner Sekunde ab. Sie hielt bis zum allerletzten Lied, der wirklich allerletzten Zugabe.

Respekt vor dem Durchhaltevermögen der „alten“ Männer. Auf der Bühne und davor.

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AUTOR

Thomas Rossi
Thomas Rossi:
"Zurück in die Vergangenheit ... nicht in die Zukunft!"