M'era Luna 2010

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DATUM
07.08.2010 - 08.08.2010
ORT
Hildesheim, Drispenstedt

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Das M’era Luna 2010 fing erst einmal mit reichlich Verwirrung an. Dass auf dem kleinen Flugplatz in Hildesheim das Grillen verboten ist – daran hatte man sich inzwischen gewöhnt. Dass jetzt aber laut Aushang am Eingang auch noch Pocket-Kameras und Handys auf dem Festivalgelände verboten sein sollten: Das sorgte für einige Unruhe unter den Anreisenden. Sicherlich wollte der Veranstalter nur darauf aufmerksam machen, dass das Mitschneiden von Ton- und Videoaufnahmen auch per Handy verboten war. Dennoch bot der missverständliche Hinweis noch bis tief in die Nacht reichlich Stoff für das Entwickeln der verwegensten Handy-Schmuggel-Strategien. Am nächsten Tag wurde der Empörung allerdings auch gleich Einhalt geboten, denn um weiteren Diskussionen zu entgehen, wurden die Icons einfach schnell übergeklebt. Wäre ja auch albern – ein Festival ohne Handys. (FK)

So feierte das Festival in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum. Und das konnte sich auch gleich mit einem Besucherrekord schmücken. 24.000 Menschen machten das M’era Luna wieder einmal zu einem gelungenen Festival der schwarzen Szene. (BR)

Samstag, den 7. August 2010
Während sich die zeltenden Gäste des M’era Luna noch ausgehfertig machten, reisten bereits die ersten Tagesgäste an, um sich die Gewinner der ersten M’era-Luna-Newcomer-Wettbewerbs anzusehen. UNZUCHT eröffneten den musikalischen Tag auf der großen Bühne gefolgt von den top-gestylten Hamburgern von LORD OF THE LOST.

Richtig los ging der Tag aber dann mit RABENSCHREY, die das Publikum erstmals so richtig anheizen konnten. Mit Songs vom im September kommenden Album „Exzessivus“ bis hin zu guten alten Gassenhauern hatte man alles im Gepäck, um einen launigen Tag zu beginnen. So wurde nicht nur frenetisch gejubelt und mitgesungen, auch die Gags der humorigen Mittelalter-Barden wurden ohne Unterlass abgefeiert. Zeit, den ersten Met des Tages zu zischen.

Ganz anders im Programm machten ANGELSPIT weiter. Die Musik der Australier zeichnet sich durch industrial-rockige Klänge zu eindringlichem Sprechgesang aus. Und so war die Darbietung den meisten Anwesenden doch etwas zu anstrengend. Breakbeats zu so früher Stunde sind eben nicht jedermanns Sache. Dafür gaben sich ZOOG and DESTROYX, wie es sich für Cyberpunks gehört, sehr viel Mühe mit ihren Outfits. Das Publikum gab sich dementsprechend freundlich aber distanziert.

Wesentlich ruhiger ging es derweil auf der Hangar-Stage zur Sache. Dort hatte sich JOHANNES BERTHOLD mit seiner Band ILLUMINATE postiert. In düsteres blaues Licht gehüllt eröffnete man mit einer Ballade, zeigte aber schon im zweiten Song, dass ILLUMINATE auch deutlich härtere Angelegenheiten zu bieten haben. JOHANNES griff zum Bass und zimmerte dem zahlreich erschienenen Publikum ein hartes Brett um die Ohren. So gab es insgesamt 40 Minuten lang Gefühlvolles und Anspruchsvolles zu hören.

Derweil rockten LACRIMAS PROFUNDERE bereits die Main-Stage. Während sich in den ersten Reihen vornehmlich weibliches Publikum versammelte, bewiesen die Süddeutschen, dass sie nicht zu unrecht als Stars am Goth-Rock-Himmel gefeiert werden. Erfreulich agil nahm Sänger ROB die riesige Hauptbühne in Beschlag, während seine Mitstreiter ihm mit ebenso viel Spielfreude den Rücken frei hielten. (FK)

Anschließend freuten wir uns auf FAITH AND THE MUSE, die auch schon beim allerersten M’era Luna mit von der Partie waren und ihren Auftritt dieses Mal nachmittags im Hangar hatten. Beachtlich war, dass die Band sich um ihren Soundcheck kurz vor ihrem Auftritt selbst kümmerte. WILLIAM FAITH prüfte noch einmal Mikro und Instrumente. Nach zehnminütiger Verspätung konnte es dann losgehen. Das Intro begann mit „Bushido“ bei dem WILLIAM zusammen mit den Musikern von CHRIST VS. WARHOL an den großen bombastischen japanischen Taiko Drums performte. Kurz darauf betrat MONICA RICHARDS die Bühne, leider ohne die zwei Tänzerinnen von SERPENTINE die sonst mit ihrem Kabuki-Tanz die Gothic-Rocker aus Amerika begleiten.
Das Publikum jubelte trotzdem euphorisch als MONICA anfing „She Waits By The Well” zu singen und sich grazil zum Gesang zu bewegen. Sehr interessant waren auch kleine Glöckchen an den Fingern mit denen sie ihren Gesang untermalte.
FAITH AND THE MUSE gaben Auszüge aus ihrer aktuellen CD „:Ankoku Butoh:“ zum Besten: „Battle Hymn“ mit Geigen und Cello oder „Cantus“ dessen Sound an Filmmusik erinnert. Auch „Blessed“ etwas schneller im gewohnten FAITH AND THE MUSE Rock-Style mit wimmernden Gitarren fehlte hier nicht. WILLIAM FAITH begab sich zum Schluss auch noch einmal ans Mikro und lieferte begleitet von mächtigen Taiko-Drum-Klängen gewaltigen Sprechgesang ab.
Leider wurden der Band die zehn Minuten Verspätung vom Anfang zum Verhängnis, und das Konzert nahm etwas abrupt ein Ende. Da sind die Verantwortlichen des Festivals in ihrem Zeitplan wie immer gnadenlos. Schade, dass nur ein sehr kurzes Konzert war – aber es hat trotzdem Spaß gemacht und ist immer wieder ein Erlebnis. Seit Langem habe ich wieder einmal ein Konzert im Hangar besucht und war überrascht, dass die Luft sehr gut war. Das lag aber wohl daran, dass er nicht, wie üblich, viel zu voll war. (BR)

Zu LAIBACH mag man an dieser Stelle gar nicht so viele Worte verlieren. Viele waren gekommen, um sich die oft so provokante Show der Slowenen anzusehen und wurden enttäuscht. Anstatt der erwarteten treibenden Songs, wurden ausschließlich diejenigen gespielt, die einen guten Soundtrack abgegeben hätten Die Ausnahme gab „Tanz Mit Laibach“, der als letzter Song viele Zuhörer mit langen Gesichtern und Kopfschütteln in den Nachmittag entließ. (FK)

Pünktlich erschienen die Urgesteine der EBM-Szene auf der Main Stage und es ging auch direkt mit einem klassischen NITZER-EBB-Hit los: „Warsaw Ghetto“. Da kamen Erinnerungen an alte Zeiten mit FRONT 242 oder THE KLINIK auf. NITZER EBB gibt es bereits seit 28 Jahren und sie sind eigentlich nicht aus der EBM-Szene wegzudenken. Anfang 2010 waren NITZER EBB wie auch schon 1988 als Vorgruppe von DEPECHE MODE zu sehen. Die Setlist beim M’era Luna bestand aus einer gelungenen Mischung alter und neuer Stücke. „Once You Say“, „Godhead“ oder „Getting Closer“ ließen die Menge vor der Bühne jubeln, während andere M’era-Luna-Besucher sich auf der umliegenden Wiese das Geschehen abseits anhörten und auf den GRAF von UNHEILIG warteten, der anschließend seinen Auftritt haben sollte. (BR)

Für ELUVEITIE war die Hangar-Stage eigentlich vollkommen unterdimensioniert. Das vom Metal begeisterte Publikum bekam an diesem M’era-Luna-Wochenende nicht allzu viel geboten und so hatte sich auch wirklich jeder Anhänger der härteren Klänge vor die kleine Bühne gequetscht. Eigentlich ist die auch gar nicht so klein. Wenn sich aber gefühlte 20 Folk-Metaller anschicken die Hölle über Hildesheim losbrechen zu lassen, wird es irgendwie doch ziemlich voll. Insgesamt waren es dann doch nur noch acht Musiker, die den Hangar zum Kochen brachten, aber auch die reichten dazu vollkommen aus. Sänger CHRIGEL flötete und kreischte sich durch das Programm, dass nur so die Fetzen flogen. Der Rest der Folker zeigte sich davon ziemlich beeindruckt und hielt sich vornehm bis verbissen im Hintergrund. Bei diesem Wirbel-Fontman wäre Rahmenprogramm aber wohl auch übertrieben. So legten ELUVEITIE einen Hammer-Auftritt hin, der das Publikum restlos begeisterte.

Beschlossen wurde der Abend im Hangar dann von CREMATORY, die etwas verhaltener als ihre Vorgänger begrüßt wurden. Dabei boten auch die Damen und Herren aus Rheinland-Pfalz schöne harte Kost mit reichlich Melodie. Sänger FELIX unterhielt das Publikum charmant wie immer, während Gitarrist MATZE eigentlich eher den Eindruck machte, als würde er auf das nächste Bier lauern. Das wurde dann auch in der erstbesten Spielpause geköpft. Erwähnenswert ist neben dem erwartungsgemäß soliden Gesamteindruck noch FELIX’ Publikumsbefragung zum neuen Album. Das Publikum schien es weder gekauft noch illegal heruntergeladen zu haben. Auch reingehört zu haben wollte man auf keinen Fall zugeben. Ob da die Scham vor illegaler Musikbeschaffung siegte oder vielleicht doch kein Interesse bestand, wurde an diesem Abend offen gelassen.

Als die SISTERS OF MERCY schon lange in ihren Hotelzimmern schliefen, wurde auf dem Zeltplatz noch ordentlich zur Startbahndisco getanzt, verbotener Weise gegrillt und das eine oder andere Bier zu sich genommen. Geschlafen wurde dementsprechend wenig, denn schon um 8 Uhr morgens standen die Dixi-Klo-Absauger bereit, um den Wecker zu ersetzen. (FK)

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AUTOREN

Biggy
Freya
Wir meinen: "Das M’era Luna 2010 war sowohl für den Veranstalter als auch für die Besucher ein toller Erfolg. Wir kommen im nächsten Jahr gerne wieder."