ENSLAVED, GHOST BRIGADE, GEBRÜDER GRIM

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DATUM
28.02.2012
ORT
Berlin, SO36

Berlin, was ist nur los mit dir? In der Hauptstadt Metal-Konzerte zu besuchen ist bisweilen ein echtes Trauerspiel, weshalb besonders kleinere Bands mittlerweile oft einen Bogen um die Spree-Metropole machen. So kommt es auch, dass ENSLAVED eine längere Berlin-Pause hinter sich haben, als sie am 28. Februar 2012 das altehrwürdige SO36 beehren. Leider scheint das aber nicht so viele Berliner zu interessieren, weshalb das SO36 nur etwa zur Hälfte gefüllt ist. Schade, denn wer nicht vor Ort war, hat definitiv etwas verpasst. Doch beginnen wir von vorne: Den Anfang machten die GEBRÜDER GRIM, die ich leider komplett verpasste. Dafür war ich aber pünktlich zur zweiten Band des Abends vor Ort: GHOST BRIGADE. Die Finnen präsentierten sehr solide ihren progressiven Death Metal, wobei besonders Frontmann MANNE IKONEN durch seine vielseitige Stimme glänzte. Leider war der Sound doch eher bescheiden, wodurch kaum Details in den Songs zur Geltung kamen. Auf die Gesamtdistanz wirkte die Performance dadurch teilweise ziemlich langatmig und eintönig, auch wenn die Songs des Sextetts genau das nicht sind. Der Stimmung in den vorderen Reihen tat das keinen Abbruch und so ernteten GHOST BRIGADE mehr als reinen Höflichkeitsapplaus. Insgesamt ein starker Opener, der aber unter suboptimalen Bedingungen litt.
Der Sound bei ENSLAVED war zwar zu Beginn ihrer Show auch nicht perfekt, doch gleich um einiges klarer und druckvoller als beim Support. Und nach kürzester Zeit pegelte sich der Sound dann auch auf hohem Niveau ein. Und auch die Band selbst ließ nichts anbrennen und feierte ein Feuerwerk an grandiosen Songs gepaart mit einer starken, sympathischen Show. Besonders Sänger und Bassist GRUTLE KJELLSON hatte offensichtlich blendende Laune und wurde nicht müde zwischen den Songs auf äußerst sympathische Weise mit dem begeisterten Publikum zu kommunizieren. Doch auch seine Wegbegleiter, allen voran der Gitarrist und frisch gebackene Vater IVAR BJORNSON versprühten Spielfreude und gute Laune. Zu hören gab es von den Norwegern eine Setlist mit deutlichem Schwerpunkt auf dem neueren Material wie "Giants", "Axioma" und "Ethica Odini" vom aktuellen Output der Band und "Ground" vom Vorgänger "Vertebrae". Mit "Fusion Of Sense And Earth" und "Ruun" fanden Songs des gleichnamigen Albums von 2006 den Weg in die Setlist und mit "Return to Yggdrasil" und "Isa" wurden auch Songs des Albums "Isa" aus dem Jahr 2004 sowie mit "As Fire Swept Clean The Earth" der 2003er Output "Below The Lights" berücksichtigt. Ältere Songs suchte man vergeblich, was jedoch aufgrund der enorm hohen Qualität der letzten Alben von ENSLAVED keinesfalls ein Verlust ist. Als kleines Extra gab es in der Zugabe mit "Immigrant Song" von LED ZEPPELIN noch einen Coversong der die musikalische Vielseitigkeit und die spielerische Qualität von ENSLAVED einmal mehr unterstrich. ENSLAVED können einfach alles: sie mischen Black Metal mit der Atmosphäre von PINK FLOYD und dem Mystizismus und der technischen Brillanz von LED ZEPPELIN und sind vom ersten bis zum letzten Ton glaubwürdig. Eine großartige Band, die den Zuschauern, die den Weg ins SO36 gefunden hatten einen großartigen Abend bescherte. Von den Anwesenden hat sicher niemand den Abend bereut.

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AUTOR

Ben
Ben:
"Ein großartiges Konzert einer technisch brillianten, bestens aufgelegten Band. "