END OF GREEN, THE SERPENTINES
Wo andernorts wild und bunt die Narrenzeit eröffnet wurde, wimmelten vor dem C-Club nahe des Tempelhofer Flugplatzes nur die herbstlich gefärbten Blätter umher und ein paar wenige Leute standen rauchend und leicht fröstelnd vor dem Eingang des Clubs. Kurz vor 20 Uhr fanden sich nach und nach ein paar mehr Besucher ein. Ob die aber alle für eine gut gefüllte Halle sorgen würden blieb fraglich. Das war durchaus etwas verwunderlich, standen doch die Herren von END OF GREEN auf dem Programm, die erst im August ihr erfolgreichstes Album „High Hopes In Low Places“ veröffentlicht hatten.
Nach Betreten der Halle wurde zunächst der Merch-Stand gecheckt, um die nur auf der Tour erhältliche „Gravedancer EP“ zu erstehen. Der Club war weiterhin recht übersichtlich gefüllt. Zwischendurch zeigte sich MICHAEL SETZER alias SADSIR schon mal dem Publikum und ließ sich hier und auf ein kurzes Gespräch mit den Fans ein.
Als Support hatten END OF GREEN sich Kollegen aus ihrer Heimatstadt Stuttgart mitgebracht. Die vier Jungs von THE SERPENTINES starteten noch etwas schüchtern mit ihrem Programm. Ihre Musik, eine Mischung aus New Wave und Post Punk, kam beim Publikum ganz gut an. Der Sound war nicht neu, man hatte das Gefühl die Art der Musik zu kennen. Der klagende und manchmal eher jammernde Gesang des Frontmannes war zum Teil schlecht zu vernehmen, was eventuell an einer etwas ungünstigen Abmischung gelegen haben kann. Im Laufe ihres Auftrittes wurden THE SERPENTINES dann etwas lockerer und zeigten große Spielfreude. Der coole Typ an den Synthies, der im Profil stark an den Lucky Luke der Neuzeit erinnerte, hatte sogar Zeit und Nerven den Gig von der Bühne aus mit zu filmen. Nach einer knappen dreiviertel Stunde Spielzeit und einem sehr experimentellen Abschluss ihres Auftrittes verabschiedeten sich THE SERPENTINES unter respektvollem Applaus der anwesenden Gäste.
Mittlerweile konnte der C-Club nun doch volles Haus vermelden. Nach einer kurzen Pause betraten dann endlich END OF GREEN die schwach ausgeleuchtete und leicht vernebelte Bühne. Die ersten Backing-Sounds zu „High Hopes In Low Places“ waren schon zu vernehmen, während die dunkel gekleideten Protagonisten noch die letzten Checks an den Instrumenten vornahmen, um dann voller Kraft die Fans mit dem Titelsong ihres aktuellen Long-Players zu begrüßen. Der Sound aus den Boxen war nun weitaus besser als noch bei THE SERPENTINES. Es folgte ein bunt gemischtes Programm aus 13 Songs aus den letzten fünf Alben der Band. Neben aktuelleren Titeln wie „Dead City Lights“, „Killhoney“ oder „Goodnight Insomnia“ erfreute man die Zuhörer auch mit guten alten Klassikern, wie „Motor“, Cure My Pain“ und „Demons“, das von MICHELLE DARKNESS in einer leicht veränderten Fassung gesungen wurde. Sie ist in der Form auch auf der limitierten Bonus-CD von „High Hopes In Low Places“ zu finden.
Das Publikum zeigte sich von der Songauswahl jedenfalls begeistert. Auch die Band selbst hatte sichtlich Spaß an ihrem Auftritt und war von den Reaktionen der Fans schlichtweg überwältigt. Den Abschluss des Hauptprogramms bildete die elfminütige Leidensnummer „Emptiness / Lost Control“. Ein großartiger klagender Titel, den MICHELLE DARKNESS zunächst nur mit Zigarette und Micro bewaffnet unter Begleitung von Gitarrist KERKER zum Besten gab. Der Song endete dann in einem ausgedehnten, fast exstatischen Gitarren-Schredder-Finale, mit dem sich die fünf Stuttgarter von der Bühne verabschiedeten. Doch man ließ sich nicht lange zu einer Zugabe bitten. Kurz darauf erschien SADSIR und dankte den Leuten freudig mit empor gestreckter Faust. Während der Zugabe gaben END OF GREEN noch mal Vollgas. Mit „Tie Me A Rope“ und „Carpathian Gravedancer“ spielten sie noch einmal zwei Glanzstücke der neuen Platte. Doch nach einer weiteren halben Stunde und insgesamt sechs Zugaben verabschiedeten sich END OF GREEN mit „Dead End Hero“ nun endgültig von der Bühne und entließen die Fans in die verregnete Nacht. Dennoch dürfte an diesem Abend keiner enttäuscht nach Hause gegangen sein. Zumal sich die Band nach einer kurzen Pause nach und nach am Merch-Stand einfand und bereitwillig Autogramme gab und noch ein wenig mit den Fans plauschte. Wer also plant noch eines oder mehrere Konzerte der Band zu besuchen, möge sich einen Edding einstecken, die Jungs haben meistens keine bei sich. Einige Termine stehen noch aus, und wenn es nach dem Willen der Band geht, kommen noch ein paar weitere hinzu. So ließ es sich zumindest aus dem Munde von SADSIR vernehmen, der begeistert vom Erfolg der laufenden Tour sprach.
Letzten Endes lehrte sich der C-Club dennoch stetig, was nicht zuletzt auch dem Türsteher zu verdanken war, der die Besucher mit typischer Berliner Höflichkeit nach draußen empfahl. „Entweder du koofst noch was, oder raus...!“ Nun ja, es ist sein Job. Auf jeden Fall konnte nicht mal der starke Regen auf dem Weg zum Taxi diesen gelungenen Abend trüben.
Setlist END OF GREEN:
High Hopes In Low Places
Dead City Lights
Motor
Demons
Killhoney
Cure My Pain
Under The Sway
Goodnight Insomnia
Hurter
Die Lover Die
Drink Myself To Sleep
Saviour
Emptiness/Lost Control
---
Tie Me A Rope
Carpathian Gravedancer
Weakness
Pain Hates Me
Death In Veins
Dead End Hero



