Christmas Ball 2011 - Neu Isenburg

Foto
DATUM
28.12.2011
ORT
Neu Isenburg

CHRISTMAS BALL 2011 – Edition Neu Isenburg

Eine Premiere stand an. Der Christmas Ball machte auf seiner Reise durch das Land zum ersten Mal Station in Neu Isenburg, dem kleinen Nachbar von Frankfurt am Main. Die Hugenottenhalle sieht und hört normalerweise recht selten solch dunkle und brachiale Unterhaltung, und am 28. Dezember sollten gleich fünf Bands alles zum Beben bringen. Für die neue Location musste der Zwischenstopp in der Posthalle in Würzburg weichen; ob der gerade Mal passable Andrang vom letzten Jahr dabei ein Rolle spielte, kann ich nicht sagen.
Die Wahl der Location war jedenfalls sehr gut. Leicht zu finden, gut zu erreichen, mit angenehmer Größe, guter Sound- und Lichtanlage und das Catering war sehr zu empfehlen. Mit solch optimalen Rahmenbedingungen hat der konzertreiche Erlebnisabend umso mehr Spaß gemacht.

SOLITARY EXPERIMENTS
Gestartet wurde das Line up der 2011er Version des Christmas Balls mit schnellen Electro-Future-Synthpop-Beats aus dem Hause SOLITARY EXPERIMENTS. Die Berliner Elektroband begann mit ihrem Tüfteln 1994. Zuvor übten Frontmann DENIS SCHOBER und MIACHEL THIELEMANN (Keyboard, Programming, Sampling, Recording) bereits gemeinsam unter dem Namen PLAGUE. Mit STEVE GRAEBER (Keyboard, Programming, Sampling) und später noch FRANK GLAßL (Liveschlagzeug) war die Band komplett. Ihr erste Album „Final Approach“ brachten sie 1999 heraus. 2007 und 2010 veröffentlichen sie die Remix Alben „Compendium“ und „Compendium 2“ auf denen unzählige Kollaborationen und Interpretationen von SE-Songs anderer Musiker zu hören waren. Das aktuelle Album „The Great Illusion“ erschien erst letztes Jahr und auf dem CHRISTMAS BALL wurden schon wieder neue Songs des kommenden Albums präsentiert.
Zu Abendbrotzeit betraten die vier Herren aus Berlin und Leipzig die Bühne der Hugenottenhalle. In strahlendes LED-Grün getaucht starteten SOLITARY EXPERIMENTS von noch verhaltenem Applaus begleitet ihre Show mit „Pale Candle Light“ vom Album „Mind Over Matter“. Bei „Immortal“ war das Publikum schon nicht mehr ganz so verschlafen und stellenweise wurde getanzt. Auf Grund der „frühen“ Abendstunde und aus Rücksicht auf die arbeitende Bevölkerung haben wir die halb leere Halle als nicht negativ Feedback zu der vier Herren Show gewertet. „Epiphany“ war der erste neue Song des Abends. Eingängige Rhythmen und gefällige Melodien, wie man es breits von SOLITARY EXPERIMETNS gewohtn war. Mit „Glory And Honour“ endete die erste Show des Abends, mit bereits deutlich mehr Zuschauern und Applaus.

Setlist:
01. Pale Candle Light
02. Immortal
03. Epiphany (New Song)
04. Delight
05. Homesick
06. Trial and Error (New Song)
07. Rise And Fall
08. Glory And Honour (15th Anniversary Mix)

www.solitaryexperiments.de || www.myspace.com/ || www.facebook.com/

THE KLINIK
Eiskalt, düster und elektronisch ging es weiter. KLINIK ist ein Post Industrial-Projekt aus Belgien, welches seit fast 30 Jahren existiert. Gegründet wurde es von MARC VERHAEGHEN zunächst als Ein-Mann-Armee. Bald nach der Gründung stieß jedoch DIRK IVENS, vormals bekannt durch die Projekte ABSOULTE BODY CONTROL und DIVE. Zusammen mit DIRK erlebten sie ihre Hochphase Ende der 90er. Musikalisch wie stylisch sind KLINIK ein Unikat und haben einen extrem hohen Wiedererkennungswert. Gekleidet in schwarzen Ledermänteln, mit starker Assoziation an die typischen Gestapo-Mäntel. Ihre Gesichter haben sie stets mit frischen weißen Mullbinden verbunden. Der Sound ist kalt, teil experimentell mit minimalistischem Einsatz von Texten. Seit 2009 ist MARC aufgrund gesundheitlicher Probleme nur noch als Produzent tätig und die Liveauftritte werden von DIRK IVENS zusammen mit PETER MASTBOOMS (VOMITO NEGRO, DJ BORG) bestritten.
Das Duo schuf beim Christmas Ball in Neu Isenburg eine düstere Aura in der Halle. In üblicher Gewandung bei schwachem Licht, Nebelschwaden und bestrahlt von apokalyptischen Videosequenzen verstanden es KLINIK wieder Mal die Besucher zu packen. Jedoch ist die spezielle Art der Musik nicht für jedermann geeignet. So standen, vornehmlich die jüngeren Besucher, reglos da und warteten auf das Ende der Show. Der Liebhaber der Kunst waren jedoch durchweg begeistert. Mit „Cold As Ice“, gefolgt von „Murderer“ startete das zehn Song Set. Nicht nur musikalisch und gesangliche konnten DIRK und PETER überzeugen. Die ganz eigenwillige Art der Bewegung von DIRK IVENS unterstrich Texte und verschmolz mit der Musik zu einem machtvollen Ausdruck. Wieder einmal erlebten die Besucher ein packendes Konzert der KLINIK.

Setlist:
01. Cold As Ice
02. Murderer
03. Walking With Shadows
04. Quiet In The Room
05. Hours And Hours
06. Mindswitch
07. Obsession
08. Black Leather
09. Moving Hands
10. Memories

www.myspace.com/theklinikfanpage

HOCICO
Zollfrei importiert aus Mexico waren die Cousins ERK AICRAG und RASCO AGROYMAN alias HOCICO. Der Name der Band sorgte immer wieder für lebhafte Diskussionen um dessen Aussprache. Gegründet wurde das Aggrotech-Projekt 1992 und bereits zwei Jahre später standen HOCICO das erste Mal auf einer Bühne. Das erste Album „Odio Bajo El Alma“ erschien 1997. Bis heute haben HOCICO eine stolze Liste von diversen Alben, EB, Single und Boxsets veröffentlicht. Der letzte elektronische Anschlag wurde 2010 mit „Tiempos de Furia“ verübt. Die Besucher sahen zu Beginn des HOCICO Sets erst einmal schwarz. Die Bühne lag in Nebel und anhaltender Dunkelheit. Wie bereits bei einigen Shows vorher flammten erst flackernd und mit schlechtem Bild einige alte Röhrenfernseher auf. Die Nahaufnahme eines dreckverschmierten Mundes sang mit verzerrter Stimme zu den sachten Elektroklängen eines Intros. Als das Licht anging, RASCO hinter den Tasten erschienen und ERC auf die Bühne zu seiner armlosen Schaufensterpuppe mit Tierschädelhaupt stürmte drücken sich die ersten Reihen schon hemmungslos an die Wellenbrecher. „Breathe Me Tonight“ ließ Hände und Füße wirbeln und begeisterte Rufe erschallen. Mit viel Energie und völlig ruhelos rannte ERC während der Show über die Bühne. Im Hintergrund lief ein Video mit passend zu Text und Musik harten Bildern. Einige Besucher reagierten mit Empörung und Unverständnis, als das Video eine Vergewaltigungsszene zeigte. Mit dieser Provokation sind HOCICO etwas zu weit gegangen.
Der Sound war teils etwas zu laut und wirkte dumpf. Mit den grellen LED-Spots wurde auch ein wenig übertrieben. Zeitweise waren nur konturlose Gestallten auf der Bühne zu erkennen. Doch der Unterhaltungswert wurde dadurch nicht allzu sehr gemindert. Und so feierten die Besucher bei „Instincts Of Perversion“, „About A“, „Dog Eat Dog“ und neun weiteren Songs bis der Schweiß den Rücken herunter lief.

Setlist:
01. Intro
02. Breathe Me Tonight
03. Where Words Fail, Hate Speaks
04. Instincts Of Perversion
05. Spirits Of Crime
06. Altered States
07. About A
08. Dog Eat Dog
09. Bite Me
10. Untold Blasphemies
11. Poltergeist
12. Tiempos De Furia

www.hocico.com || www.myspace.com/hocico || www.facebook.com/hocico

FRONT 242
Abwechselnd übernahmen FRONT 242 und COMBICHRIST die Rolle des Headliners während der Christmas Ball Reihe. Für die Edition Langen wurden FRONT 242 als CO-Headliner angesagt. So konnten sich die Freunde des Old School nach einem großartigem EBM-Gewitter noch zu humaner Zeit auf den Heimweg begeben oder gemütlich das eine oder andere Bier zu konsumieren. Während des Konzerts war für derlei Zerstreuung keine Zeit. Bis in das Jahr 1981 reicht die Erfolgsgeschichte der belgischen EBM-Pioniere zurück. DANIEL BRESSANUTTI und DIRK BERGEN gründeten FRONT 242 und ein Jahr später traten PATRICK CODENYS und Sänger JEAN LUC DE MEYER der Band bei. Breits zwei Jahre später landeten sie mit dem Album „No Comment“ einen phänomenalen Erfolg und brannten sich seit dem tief und unauslöschlich in die Herzen und Ohren ihrer Fans.
Mit altbekannten Klängen aus einer dunklen Nebelwand kündigten sich beim Christmas Ball die Belgier an. „Shout It Loud“ dröhnte aus den Boxen und die Menge war von Beginn an elektrisiert und nicht mehr zu halten. Auch wenn das Live-Set von FRONT 242 nur wenig Abwechslung kennt. „Moldavia“, „Tragedy For You“, „Body To Body“ und einige andere Songs sorgen seit Jahren immer wieder für nasse Hemden und trockene Kehlen gesorgt. Doch niemanden störte diese Monotonie – Gutes hört der leidenschaftliche EBM-Freund halt immer wieder gern. Sound und Stimmung hielten ihr Niveau die gesamte Show über. Das Hauptset wurde traditionell mit „Im Rhythmus bleiben“ geschlossen. Doch kamen nach anhaltendem Applaus die Herren noch für eine Zugabe, bestehend aus „Kampfbereit“ und „Punish Your Machine“, auf die Bühne. Für die einen „the same procedure as every show“, für die anderen immer wieder ein Genuss.

Setlist:
01. Intro (98)
02. Shout It Loud
03. Together
04. Moldavia
05. Tragedy >For You<
06. Master Hit
07. Headhunter
08. Commando Mix
09. Loud
10. Don't Crash
11. Lovely Day
12. Body to Body
13. Religion
14. Welcome to Paradise
15. Take One
16. Im Rhythmus bleiben
---
17. Kampfbereit
18. Punish Your Machine

www.front242.com || www.myspace.com/combichrist || www.facbook.com/front.242

COMBICHRIST
Mit dem Headliner wurde es heiß, laut und heftig. COMBICHRIST standen in den Startlöchern um die Halle und deren Insassen zum Beben zu bringen. ANDY LAPLEGUA, der Frontmann von ICON OF COIL, gründete sein neues Projekt im Jahr 2003. Mit COMBICHRIST verließ er den Future Pop und schlug härtere Töne an. Bereits mit dem ersten Album „The Joy Of Gunz“ konnten COMBICHRIST einige Erfolge und Club Hits landen. Mit „Sex, Drogen und Industrial“ wurde ihre Musik zunehmend elektronsicher. ANDY war nicht zu bremsen und so folgte Jahr für Jahr für Jahr folgte ein neues Album. Der letzte und aktuelle Coup heißt „Making Monsters“. Neben ANDY LAPLEGUA (Stimme. Texte) standen JOE LETZ (Live Schlagzeug), TIM VAN HORN (Live Percussion), Z_MARR (Live Keyboard, Synthies) und ABBEY NEX (Live Gitarre) zum Christmas Ball auf der Bühne.
Hartes blaues oder rotes LED-Licht auf weißer Nebelwand erwartete das Publikum. Mit „Shut Up And Swallow“ brachen COMBICHRIST über die Besucher her. Nachdem sich die Augen an das Dauerfeuer der grellen lichter gewöhnt hatten, erwartete sie ein ungewöhnlicher Anblick. ANDY, den man schon mit verschiedensten Outfits, Frisuren und Stylings gesehen hat, trug nun Vollbart und hätte fast schon seriös wirken können. Song um Song krachten in die Menge. „Rain Of Blood“ und „Follow The Trail Of Blood“ ließen niemanden zur Ruhe kommen. Auch zwischen den Stücken wurde nicht ein Moment der Gnade gewährt. Und so sangen, sprangen und tanzten die Menschen in Verzückung. Überall war Bewegung auf der Bühne. Ob ANDY, JOE, TIM oder einer der anderen, alle sprangen durch die Gegend, schlugen auf Tasten, Trommeln oder andere Gerätschaften ein. JOE schleuderte, wieder einmal, Teile seines Drumsets über die Bühne. Nach einem recht kurzen Set von zehn Tracks mit einer Zugabe war das Konzert schon vorbei.

Setlist:
01. Shut Up And Swallow
02. Rain Of Blood
03. Follow The Trail Of Blood
04. Just Like Me
05. Throat Full Of Glass
06. Get Your Body Beat
07. Slave Of Machine
08. Fuckmachine
09. Blut Royale
10. They
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11. What The Fuck Is Wrong With You

www.combichrist.com || www.myspace.com/combichrist || www.facebook.com/combichrist

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Finstergruende
Finstergruende:
"Elektrisierende Weihnachtsunterhaltung mit Krach und Rhythmus. Ein gelungener Christmas Ball 2011. "