Blackfield Festival 2012
Am vergangenen Wochenende versammelte sich die schwarze Szene zur gemeinschaftlichen Sonnenanbetung und Regenschlacht im gemütlichen Amphitheater mi Nordsternpark direkt am Rhein-Herne-Kanal in Gelsenkirchen. Das Besondere an dieser Location ist zum einen die Lage direkt am Wasser, die luftige Bühnen-Zelt-Konstruktion und die besucherfreundlichen Stufen, von denen man überall einen super Blick auf die Bühne hat. Der Wetterbericht versprach eine spannende Mixtur. Samstags Sonne bei milden Temperaturen und Sonntag Regen bei ähnlicher Wärme. Und diesmal hatten die Meteorologen so was von Recht. Aber dem Wetter zum trotz besuchten rund 6300 Besucher an beiden Tagen das Blackfield Festival 2012. Nicht nur aus dem gesamten Bundesgebiet, auch aus dem nahen und fernen europäischem Ausland kamen die Besucher und ein ereignisreiches Wochenende zu feiern. Neben Belgien, Österreich und Frankreich wurden auch die Ukraine, Schweden, Italien und andere in Gelsenkirchen vertreten. Zum fünften Mal wurde die Veranstaltung schon ausgerichtet. Letztes Jahr startete der Veranstalter den Versuch eines Zwillingsfestivals auf der Burg Querfurt in Sachsen-Anhalt, welches jedoch nicht zustande kam. Dieses Jahr beschränkte man sich auf die Ur-Location in Gelsenkirchen. Als besonderes Schmankerln wartete das Festival in diesem Jahr mit einer zweiten Bühne auf. Abseits des Amphitheaters in direkter Nachbarschaft, hinter dem Mittelaltermarkt rechts, wurde ein kleines Zirkuszelt errichtet, in dem täglich einige Konzerte stattfanden.
Samstag
Voller Erwartung verschlug es tausende schwarzgekleideter Wesen am Samstagmorgen nach Gelsenkirchen. Bein unserem Eintreffen um zehn Uhr war der Hauptparkplatz schon übervoll und man musste auf die umliegenden Ausweichparkplätze und Seitenstraßen ausweichen. Neben einigen sehr verschlafen wirkenden Gestalten wurden auch zu so früher Stunde schon die ersten Prost-Ausrufe und qualmenden Einweggrills gesichtet. Nach erfolgreicher Bändchenabholung wurde das Gelände des Amphitheaters erkundet. Das Programm startete mit den Synthpoppern X-DIVIDE. Das Duo überraschte das noch träge Publikum mit einem zusätzlichen Gesicht auf der Bühne. BERND SEEBURG, ein alter Freund aus alten Bandzeiten von Keyboarder JENS stieß für das Blackfield Festival hinzu. Zu dritt wurde die Bühne besser ausgefüllt als zu zweit. Jedoch machte die Band einen leicht verschlafenen Eindruck und es kam nur langsam Stimmung auf. Nach kurzer Zeit strömten die Besucher vor die Bühne und zögerlich begann der gemeinschaftliche Tanz. Im Anschluss an die Synthpopper wurde es waveig. Die Schweden von THE EXPLODING BOY bewegen sich mit ihrer Musik in einem Mischmasch aus New Wave, Post Punk und Indie-Rock. Mit PAKT wurde es wieder elektronisch. GIO VAN OLI und CHRIS RUIZ, beides ehemalige Mitglieder von AND ONE, sind seit der Gründung ihres neuen Synth-EBM-Projektes auf diversen Festivals vertreten. Ihre Musik reizt die Tanzbeine und stellt keine hohen Ansprüche an die Zuhörer. Das gut gefüllte Amphitheater wurde zu PAKT langsam munter.
Während HERZFEIND, die erste Band des Tages auf der Zeltbühne, ihre Show begonnen haben, durften auf der Hauptbühne weitgereiste Gäste auftreten. SHE WANTS REVENGE kommen aus Kalifornien und trotz ihrer weiten Reise packten sie das Publikum in kurzer Zeit und präsentierten hausgemachten New Wave-Post Punk. Ein Fest für die Ohren. Harsh Industrial rausgeschmettert von GRENDEL folgte auf der Hauptbühne, doch mich verschlug es zur Zeltbühne. BASTIAN EMIG trat mit seiner 2010 gegründeten Piano-Metal-Band IN LEGEND auf. Auch wenn es für den Frontmann einer Band immer etwas hinderlich ist, wenn man an ein Instrument wie ein Piano gefesselt ist, ließ sich BASTIAN davon nicht beeindrucken und verbreitete neben hervorragendem melodischen Metal-Sounds eine großartige und packende Stimmung im Zelt. Mit END OF GREEN ging es auf der Hauptbühne weiter. Viel bleibt zu den dunklen Rockern nicht zu sagen. Die Fans bekam was sie erwarteten. MICHAEL HUBER fesselt mit seinem tiefen Gesang die Gemüter und die dunkel-melancholischen Melodien streichelten die Seelen. Unterdessen packte SCHANDMAUL-Sänger THOMAS LINDNER im Zelt mit seiner Band WETO seine harte Seite aus. Im Anschluss blieb es harte und rockig mit den Metalheads von ROTERFELD. Im Amphitheater wurde von JENS (X-DIVIDE) ein seltener und ganz besonderer Act angekündigt. Vor einigen Jahren hatten sich DREADFULL SHADOWS bereits getrennt, doch für einzelne Auftritten finden die Mitglieder immer wieder mal zusammen. So auch auf dem 5. Blackfield Festival. Groß war die Erwartung an das Konzert und dementsprechend auch der laute Empfang für die Band. Fans und Besucher wurden nicht enttäuscht; die DREADFUL SHADOWS boten eine knappe Stunde erstklassige Unterhaltung. Mit THE EDEN HOUSE und den DEATHSTARS blieb für den restlichen Tag auf der Zeltbühne metallisch. Über den Namen der zweiten weitgereisten Künstler scheiden sich seit Beginn ihrer Karriere die Geister. HOCICO kommen aus Mexiko und verknoten mit ihrem Namen die eine oder andere Zunge. ERK und RASCO ließen keine Pore trocken und kein Fuß still. Die Menge tanzte zu Songs wie „Poltergeist“ oder „Spirits Of Crime“. Der Auftritt war bis auf einen neuen Mikroständer in vergammeltem Schädeldesign wie schon unzählige Auftritte vorher.
Gegen Abend wurde die Bühnendeko etwas ausgefallener. Ein Holzgerüst mit allerlei seemännischem Krams, Schlagzeug, Keyboard, einige Mikroständer und allerlei anderem Nippes wurde hinaufgeschleppt. Dieses Set wurde von einem großen Rudel an Matrosen in weißer Uniform belagert. Allen voran DERO mit fett rotgeschminktem Mund. OOMPH! Zeigten eine tadellose Show, bei der einfach alles stimmte. Das Publikum war zufrieden. Festzustellen war, dass vor allem zu den alten Stücken ganz besonders abgegangen wurde. Kaum war der Co-Headliner verabschiedet wurde das Amphitheater von noch mehr Besuchern erstürmt. Von der obersten Stufe blickte man auf ein Meer von Menschen herab, die sich alle der Bühne zugewandt hatten. Alle warteten auf deren Highlight des Tages. RONAN HARRIS und MARK JACKSON von VNV NATION. Eine der wenigen Future Pop Projekte die sich halten konnten und dabei ihre Beliebtheit immer weiter steigerten. Im Gepäck hatten sie neben alten Klassikern wie „Illusion“, „Serial Killer“ und „Joy“ einige Stückte ihrer aktuellen Platte „Control“. Witzig wie eh und je spielte RONAN mit dem Publikum. Die Mädels kreischten und die Jungs machten es ihnen nach. Wo man hinschaute war Bewegung in der Menge; ein beeindruckendes Bild.
Müde und erschöpft endete der erste Tag bereits mit der Vorfreunde auf den Zweiten. Ein großer Wehrmutstropfen war der mehr oder minder schlechte Sound bei fast allen Bands auf der Hauptbühne. Der starke Wind blies die Töne fort und minderte so den Genuss. OOMPH! und VNV NATION war zwei Bands, bei denen fast keine Probleme zu hören waren.





