AND ONE, CAMOUFLAGE, DE/VISION, !DISTAIN

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DATUM
24.11.2011
ORT
Neu Isenburg, Hugenottenhalle

Wer hätte gedacht, dass man sich eines Tages schon um vier Uhr vor einer Halle einfinden müsste, um ein Konzert zu besuchen. Wenn eine Band allerdings mit zwei Freunden und Support unterwegs ist, kann es schon mal etwas früher werden. Geladen hatte am 25. des Novembers Herr STEVE NAGHAVI zum Konzert in der Hugenottenhalle in Neu Isenburg. Als musikalische Begleitung waren die Herren von CAMOUFLAGE, DE/VISION und als Anheizer !DISTAIN verpflichtet. Um halb fünf an diesem Tag wurden die Tore geöffnet und die wartende Menge durfte der Kälte entfliehen. Glücklich waren diejenigen, welche sich die teuren 1. Klasse Tickets für den Front Stage Bereich geleistet hatten. Sie konnte in aller Ruhe die Lokalitäten aufsuchen und bekamen immer einen Platz in den ersten Reihen. Wobei sich der Andrang auf diese Karten in Grenzen hielt. 20 Euro um 2 m weiter vorne zu stehen wollten sich nicht viele leisten. Selbst als AND ONE die Bühne stürmten, konnte man sich gemütlich im Privilegiertenreservat vor der Bühne aufhalten. Nachdem sich die Besucher an kalten und warmen Getränken sowie kleinen Snacks gestärkt hatten, konnte das Programm des Nachmittags beginnen.
!DISTAIN
Im nächsten Jahr könnten !DISTAIN bereits ihren 20. Geburtstag feiern. Das E-Pop-Projekt wurde 1992 von ALEXANDER BRAUN, OLIVER FAIG und SEBASTIAN von WYSCHETZKI gegründet. Nachdem 20012 das erste Demo der Band erschien gingen OLVIER FAIG und SEBASTIAN VON WYSCHETZKI getrennte Wege und !DISTAIN waren ab diesem Zeitpunkt ALEXANDER BRAUN (Stimme und Instrumente) und MANFRED THOMASER (auch Stimme und Instrumente).
Zu Beginn der Show war die Hugenottenhalle noch recht übersichtlich besucht. ! DISTAIN aber gaben trotz der lichten Reihen gleich ihr Bestes. Leichte Nebelschwaden boten der Lichttechnik ein ergiebiges Feld, um die passende Lightshow für die Band zu schaffen. Tanzbare Rhythmen und eingängige Melodien kennzeichneten die Musik des Duos. Nachdem der erste Song eher an einen Abgesang, als an einen Opener erinnerte, konnten die folgenden Stücke mehr Kraft verströmen. Leider konnte ALEXANDER BRAUN stimmlich nicht überzeugen. Zu wenig Substanz und Kraft ließen die Töne flattern. Wenn allerdings MANFRED THOMASER das Mikro ergriff, wurde der Zuschauer mit einer festen und melodischen Stimme und passender emotionaler Köpersprache beglückt. !DISTAIN verrichteten ihre Arbeit als Opener für diesen Konzertabend recht ordentlich.
Setlist:
01. Confession
02. Why (Bootlicking Hypocrites)
03. Mandragore
04. Sex ‘n’ Cross
05. Tears of Joy
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DE/VISION
Schon jetzt geriet der ausgeklügelte und viel zu knapp gestrickte Zeitplan in Verzug. Ein Duo alter Elektrohasen in neuem selbst gestricktem Fell war der zweite Akt des Tages. STEFFEN KETH (Stimme, Synthies und Composing) und THOMAS ADAM (Synthie, zweite Stimme und Texte) stehen seit guten 20 Jahren für qualitativen und emotionalen Synthpop. Seit 2000 sind DE/VISION nur noch als Duo unterwegs, denn das dritte Gründungsmitglied MARKUS verließ die Band. Der Name ist in der gesamten Szene und darüber hinaus bekannt. DE/VISION haben im letzten Jahr einen großen Schritt und ihr Album „Popgefahr“ im eigens gegründeten Label veröffentlicht. Somit konnten sie sich weiterhin in ihrer Arbeit frei entfalten, ohne auf die Meinung „Fremder“ achten zu müssen. Im September haben DE/VISION ein Remix Album namens „Pipgefahr – The Mix“ veröffentlicht.
Vor einer Kulisse aus kaltem Blau und warmen Gelb, durchzogen von harten weißen Lichtstrahlen spielte sich das Duo innerhalb kürzester Zeit in die Ohren, Herzen und Füße der Besucher. Von Beginn an jubelte die gesamte Hugenottenhalle und die Stimmung schoss schlagartig in die Höhe. Sound, Stimme und Ausdruck – alles passte perfekt zusammen. Von anhaltendem Klatschen und Singen des Publikums begleitet speilten DE/VISION eine super Show. STEFFEN hielt des Öfteren das Mirko ins Publikum und sang gemeinsam mit ihm Songs wie „Try To Forget“, „What’s Love Is All About“ und „“Time To Be Alive“. Als Klassiker und mit der Bitte um kräftige Unterstützung wurde „Hands On My Skin“ der grandiose Abschluss ihres Auftritts. Von allen Bands des Abends lieferten DE/VISION mit Abstand die beste Show.
Setlist:
01. Twisted Story
02. Try To Forget
03. Ready To Die
04. What’s Love All About
05. I Rregret
06. Rage
07. Time To Be Alive
08. Flavour Of The Week
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09. Hands On My Skin
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CAMOUFLAGE
Wer in den Achtzigern groß geworden ist verbindet mit dem Namen CAMOUFLAGE gewiss einige Erinnerungen. Songs wie „Love Is A Shield“ und „The Great Commandment“ brachten den Herren einigen Ruhm, und die Songs stehen heute noch auf den Setlisten etliche DJs. In 1983 wurde die Band LICENCED TECHNOLOGY von HEIKO MAILE, MARCUS MEYN, MARTIN KAHLING und OLIVER KREYSSIG gegründet. Nur ein Jahr später verließ MARTIN die Band und das übrige Trio benannte sich um in CAMOUFLAGE. In ihrem ersten Studio im Keller von HEIKOs Elternhaus nahmen sie 1985 ihre ersten Demos auf. 1990 verließ OLIVER die Band aus persönlichen Gründen. Ab 2004 arbeiteten HEIKO, MARCUS und OLIVER, der wieder zu Band stieß gemeinsam an neuem Material. Zwei Jahre später veröffentlichten sie „Relocated“. Die letzte Veröffentlichung war eine Kompilation von Remixen und B-Seiten in 2007.
Nach diversen Auftritten standen CAMOUFLAGE am 25. November nun in der Hugenottenhalle. Nicht ganz so euphorisch und laut wie bei DE/VISION aber annähernd so ausgelassen feierte das Publikum die altgediente Band. Eröffnet wurde das Konzert mit „Suspicious Love“, gespielt von HEIKO, MARCUS und OILVER. Der Sound war fantastisch und der Gesang verursachte Gänsehaut. Der zweite Song „Misery“ war der erste Ausblick auf das neue Album „Greyscale“ der Band. Ab hier wurde das Trio von JOCHEN SCHWALBACH am Schlagzeug und WOLKER HINKEL (spielte u. a. für FOOL’S GARDEN) tatkräftig unterstützt. „Misery“ und auch der zweite Song „Shine“ des neuen Albums fehlte es im Vergleich zu den alten Songs etwas an Kraft. Ein paar Witze, welche auf die ewige Fehde zwischen Frankfurt und Offenbach, den beiden Seiten des Mains, anspielten, lockerten die Stimmung noch ein wenig mehr auf. Mit dem Ausruf „Hessen rules!“ brach ein Jubel durch die Besucher. „I Can’t Feel You“ und „Me & You“ durften als wahre Klassiker nicht im Set fehlen. Den Refrain von „Love Is A Shield“ sang das Publikum dann fast im Alleingang. Der All-Time-Favorite „The Great Commandment“ war der letzte Song des Abends. Für meinen Geschmack war er mit zu viel Gitarre und Schlagzeug versetzt. Jedoch sang und applaudierte die Menge bis Hände und Ohren wehtaten.
Setlist
01. Suspicious Love
02. Misery (New song)
03. Neighbours
04. I Can't Feel You
05. We Are Lovers
06. Dreaming
07. Confusion
08. That Smiling Face
09. Me & You
10. Love Is A Shield
11. Shine (New Song)
12. The Great Commandment
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AND ONE
Pünktlich mit einiger Verspätung wurde es dann Zeit für den Hauptteil des Abends. AND ONE alias STEVE NAGHAVI und Co. aus Berlin sind mit die bekanntesten Vertreter der Szene. 1989 startete die Geschichte des Synth Pop Projektes. STEVE NAGHAVI und CHRIS RUIZ veröffentlichten den ersten Tanzflächen- und Klubhit „Metalhammer“. Ab 1991, beginnend mit dem Album „Anguish“, veröffentlichten AND ONE pro Jahr ein Album und diverses Beiwerk, bis einschließlich 2004. Ihr Sound ist eine Mischung aus melodischem Synthpop mit treibenden EBM-Elementen, der unter die Haut fährt. Ihre Musik wurde zu ihrem Markenzeichen und mit extrem hohem Wiedererkennungswert. Die jüngsten Alben waren „Bodypop“ (2006), gefolgt von dem umstrittenen Livealbum „Bodypop 1 ½“ und ihrem aktuellen und heiß diskutiertem Werk „Tanzomat“. Zurzeit wird wieder an Material für ein neues Album gewerkelt.
Eine dunkle und nebelige Bühne wurde durch einige Spots erhellt. Aus den Lautsprechern tönte das synthetische Intro „Ice“. Dan kamen die vier Herren auf die Bühne. Vier? Neben STAVE NAGHAVI, RICK SCHAH und JOKE JAY kam noch ein vierter Herr mit Glatze und Brille mit. Dieser, später von STEVE als FELIX, ein neues Mitglied der Truppe, vorgestellte platzierte sich hinter einer ganzen Phalanx aus Keybords und elektronischen Geräten. Die Neugierde wuchs und die Fans feierten schon jetzt ihre Helden. Mit einem Klassiker starteten AND ONE sogleich die Show. „Techno Man“ stürzte die Besucher ohne Umschweife mitten hinein ins Vergnügen. Nun wahren alle wach. Danach wurde es mit „Love & Fingers“ und „Love Me To The End“ etwas ruhiger. STEVE begrüßte sein „Außerhalb“ und tat kund, dass die Hugenottenhalle eine wesentlichere Verbesserung zur Batschkapp sei, in der sie früher gespielt hatten. Mehr Platz und bessere Luft. In der Batschkapp konnten AND ONE allerdings vor ausverkauftem Haus spielen, was ihnen in der Hugenottenhalle noch lange nicht gelang. Als Hommage an THE CURE wurde ihr Song „The Walk“ auf AND ONE performt. Mit „Sometimes“ zeigte STEVE etwas Gefühl. Der Song spreche ihm direkt aus dem Herzen, ließ er verlauten. Als Nächstes sollte das Publikum als Testhörer herhalten. Wie bei anderen Konzerten auch schon testeten AND ONE ein paar Songs, um zu entscheiden, ob man sie weiter entwickeln oder verwerfen solle. „Wounds“ und „Memory“ hießen die beiden Experimente. Weder Gutes noch Schlechtes ließe sich über die Songs sagen. Rhythmus und Melodie waren eindeutig AND ONE zu zuordnen. Die Arrangements waren einfach, genauso wieder Gesang. Alles in allem nichts Besonderes.
Im Anschluss an die Neulinge kam JOKE nach vorne und brüllte „High“. Die Betonung lag auf Brüllen, denn Gesang oder Shouts konnte man es nicht nennen. Als Backing Vocals noch zu gebrauchen, jedoch für einen Soloauftritt völlig ungeeignet. Nun folgten, wieder von STEVE gesungen, unter anderem „Traumfrau“, „Deutschmaschine“ und „Schwarz“. Es dauerte eine Weile bis mir auffiel, was mich an dem kompletten Konzert verwundert und gestört hatte. Fast alle Songs waren an manchen Ecken mit kleinen Änderungen versehen, so dass sie sich sehr ähnlich anhörten. Besonders aufgefallen war es bei „Deutschmaschine“, „Metalhammer“ und fast schon schmerzlich bei „Get You Closer“. Assoziationen an Club Remixe und Weichspüler kamen auf. Durch die kleinen aber feinen Veränderungen wurde den starken Stücken die Kraft entzogen. Den Großteil der Zuschauer störte dies wohl nicht, denn anzumerken war ihnen nichts.
Ebenso auffällig war es, dass STEVE nicht ganz auf der Höhe zu sein schien. Im Vergleich mit vergangenen Konzerten waren seine Reden recht farblos und er wirkte müde.
Mit dem Ende von „Schwarz“ verkündete STEVE, dass sie nun aufhören würden ein ernsthaftes Konzert zu spielen und die Party nun beginnen würde. Als ersten Partysong präsentierten sie „Für“ gefolgt von dem umstrittenen „Zerstörer“. Mit „Playing Dead“ endete das Mainset dann gegen 22 Uhr. Während die Musik immer noch spielte, verließen die vier Herren bereits die Bühne. Lange ließen sich STEVE und Co. feiern bis sie zur ersten Zugabe zurückkamen. Doch bevor es ans Musizieren ging reif STEVE zu einer Suchaktion in eigner Sache auf. Ein verlorener Autoschlüssel stellt Band und Crew vor ein Problem und das Publikum sollte den Boden um sich herum absuchen, um das Problem zu lösen. Doch leider hat es nicht geholfen, der Schlüssel blieb verschollen. Insgesamt drei Zugaben spielten AND ONE an diesem Abend. Doch einigen Zuschauern war es wohl zu viel, sie verließen nach dem Hauptteil die Halle.
Leider wird dieser Gig nicht zu den Meilensteinen der Bandgeschichte gezählt werden. Trotz der ausgelassenen und guten Stimmung fehlte es einfach am alten AND ONE Zauber. Jeder kann einmal einen schlechten Tag haben, und so hoffe ich, dass dies auf den 25. November zutrifft.
Setlist
00. Intro: Ice
01. Techno Man
02. Love & Fingers
03. Love You to the End
04. The Walk (THE CURE Cover)
05. Shining Star
06. Sometimes
07. Seven
08. Wounds (neu)
09. Memory (neu)
10. High (gesungen von JOKE JAY)
11. Traumfrau
12. Electrocution
13. Deutschmaschine
14. The Aim Is In Your Head (gesungen von JOKE JAY)
15. Schwarz
16. Für
17. Zerstörer
18. Metalhammer
19. Recover You
20. Get You Closer
21. Playing Dead
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22. Timekiller (PROJECT PITCHFORK Cover)
23. Military Fashion Show
24. Body Nerv
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25. Krieger (gemixt mit "Sweet Dreams" Snippet von EURYTHMICS)
26. Speicherbar
27. Wasted (gemixt mit "Personal Jesus" Snippet von DEPECHE MODE)
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28. So klingt Liebe (Acoustic)

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Finstergruende
Finstergruende:
"Ein Synth-Pop-Tag mit Höhen und Tiefen - AND ONE mit Abstrichen"