Amphi-Festival 2010
Am 24. Juli 2010 war es endlich wieder soweit. Das von den Besuchern langersehnte sechste Amphi-Festival in Köln öffnete seine Pforten. Als am 23. Juli pünktlich um 10 Uhr mit dem Einlass begonnen wurde, hatten sich bereits lange Schlangen vor den Toren gebildet. Die Besucher konnten es kaum erwarten endlich das tolle Gelände des Tanzbrunnens zu bevölkern. In diesem Jahr war das Amphi-Festival zum zweiten Mal in seiner Geschichte ausverkauft – was bei dem hervorragenden Aufgebot von Bands auch nicht anders zu erwarten war. Das Line Up mit 37 Künstlern auf drei Bühnen versprach den rund 16.000 Besuchern eine großartige Party und das Versprechen sollte gehalten werden. (H)
Im Vorfeld des sechsten Amphi-Festivals, wurde ein Bandwettbewerb ausgerufen. Vier Nachwuchsbands konnten sich die Teilnahme auf eBay ersteigern und dann um den Platz des Festivalopeners am Samstag auf der Mainstage musizieren. Gewinner des Wettbewerbs war mit deutlichem Vorsprung die Leipziger Band ZIN. Den zweiten Rang belegten BOUNDLEZZ, gefolgt von DIVAMEE und NOVUS UK. Die Zuschauer konnten mit einer kleinen Spende ihren Favoriten unterstützen. Der Sinn des geldreichen Abends war es, Spenden für den die Initiative „Dunkelziffer e.V.“ zu sammeln. Der gemeinnützige Verein kümmert sich um Missbrauchsopfer und unterstützt diese. Der Abend wurde neben dem musikalischen Wettstreit ganz dem Kampf gegen Kindesmissbrauch gewidmet. Insgesamt konnten JASMIN FALCK von „Dunkelziffer e.V.“ 3000 Euro von KAI LOTZE und MARCO GÖTHEL, den Initiatoren des Amphi-Festivals, überreicht werden. Ich hoffe, dass dies Beispiel für andere Veranstalter wird und auch im nächsten Jahr wieder auf dem Programm steht. (F)
Samstag
Gestartet wurde also am Samstag um 12 Uhr mit den Gewinnern des „New Talents Wettbewerbes“. Die vier Jungs von ZIN rockten die Mainstage. Nachdem die 2005 von Sänger IVEN COLE gegründete Band bereits 2009 auf dem WGT auftrat, folgte nun ihr Auftritt auf dem Amphi-Festival. Dann ging es Schlag auf Schlag. DIN|A|TOD folgten ZIN um 12:50 Uhr auf die Mainstage, während sich das Gelände immer weiter füllte. Um 13.50 Uhr wurden sie von END OF GREEN abgelöst, deren Fangemeinde von den fünf Stuttgartern, die eine großartige Show ablieferten, schlicht begeistert war.
Um 14.30 Uhr verließen die Jungs die Mainstage und machten Platz für die „schwedische Boy-meets-Girl-Duo“ ASHBURY HEIGHTS, deren Auftritt um 14:55 begann. Nach einigen Kämpfen, die sie mit der Technik austragen mussten, waren aber weder sie noch ihre Anhänger zu bremsen.
Ihnen folgten um 16:10 Uhr, von vielen heiß erwartet, WELLE: ERDBALL. Spätestens jetzt platzte der Bereich vor der Mainstage aus allen Nähten. Songs wie „Wir Sind Die Roboter“, „Ich Bin Aus Plastik“ und „Schweben, Fliegen Und Fallen“ ließ kaum einen Fan still stehen. Etwas, um nicht zu sagen, sehr, verwundert waren die Versammelten allerdings, als ein Cover von „Fred Vom Jupiter“ und von Nicoles „Ein Bisschen Liebe“ folgten. Besonders letzteres sorgte nach dem Ende des Auftrittes gegen 17:00 für viel Diskussionsstoff.
Knapp eine halbe Stunde später betrat CHRIS POHL gefolgt von CONSTANCE RUDERT und ULRIKE GOLDMANN die Bühne. Begleitet wurden die Mitglieder der Berliner Dark-Pop-Band BLUTENGEL von einigen Tänzerinnen in Engelskostümen. BLUTENGEL spielten gut eine Stunde vor zahlreichen Fans, bevor sie um 18.25 Uhr Platz für ANNE CLARK machten. Die britische Sängerin und Pianistin gab einen Querschnitt durch ihre nun schon 28jährige Karriere zum Besten und sorgte mit ihrer Band für ruhigere Töne. ANNE CLARK spielte bis 20:35 Uhr, bevor die Bühne für den „Mainstage – Headliner“ des Abends vorbereitet wurde.
Pünktlich um 20:35 Uhr starteten „AND ONE“ ihre Party auf der Mainstage. Nun zeigte sich, wie klein doch der Platz vor der Hauptbühne sein kann. Die Bühne für die drei Jungs wurde hinter einem roten Vorhang vorbereitet, was zu wilden Spekulationen unter den wartenden Fans sorgte, da keine andere Band den Umbau so heimlich vorgenommen hatte. Die Spannung war groß, was STEVE, CHRIS und GIO sich nun wieder für ihre Fans ausgedacht hatten. Und so brodelte die Menge bereits vor bei den ersten Tönen von AND ONE. Als sich der Vorhang dann hob, sah die erstaunte Fangemeinde eine für AND ONE vollkommen untypische Bühnengestaltung. Der Bühnenhintergrund war in Tarnfarben gehalten, GIO und CHRIS standen hinter großen Y-förmigen Keyboardständern, in deren Mitte ein noch größeres Y zu sehen war. „Der totale STEVE“ selbst kam in grüner Tarnbekleidung mit Sonnenbrille und schon fast etwas mehr, als einem Dreitagebart auf die Bühne. STEVE begründete diese „Verwandlung“ damit, dass die Band mit ihrem neuen Album „Tanzomat“ das erste reinrassige AND ONE EBM-Album seit 1989 auf den Markt bringen werde und man sich deshalb im Stil von „FRONT 242“ gekleidet habe. Die Menge war von dieser Ankündigung schlichtweg aus dem Häuschen und feierte mit der Band in gewohnter Weise.
Leider konnten STEVE NAGHAVI und Co. um 22 Uhr keine „richtige“ Zugabe mehr geben, was die Fans nicht wirklich einsehen wollten. Der Lärmschutz für die am Tanzbrunnen liegenden Häuser verbot einen weiteren Song. Doch CHRIS und STEVE gaben noch eine stark gekürzte „Flüsterversion“ von „Klaus“ zum Besten und standen im Anschluss daran ihren Fans im AND ONE Zelt noch sehr lange Zeit zur Verfügung, was diese dann doch entschädigte. (H)
Unterdessen im Staatenhaus
Um 12.30 Uhr leiteten MISS CONSTRUCTION die Party im Staatenhaus ein. Mit ihnen begann ein wahres Fest für die Freunde elektronischer Musik. Abgelöst wurden sie nach einer halben Stunde von DESTROID. Leider hatten alle Bands mit dem Sound in der Halle zu kämpfen. Dennoch tanzten die Fans begeistert mit. (H)
Den dritten Auftritt des Tages in der Staatenhalle bestritten FADERHEAD: ein halbes Dutzend junger Kerle auf der Bühne, nur Flausen im Kopf und eine Menge harter Electrotracks im Gepäck. Den ersten Drink des Tages nahm FADERHEAD auf der Bühne mit seinen Fans gemeinsam. Eine große Flasche Wodka wurde angesetzt und nach einem kräftigen Schluck großzügig mit der Menge geteilt. Und das ganz zum Leidwesen der Fotografen, die sich zu der Zeit noch im Bühengraben aufhielten. Natürlich durften die zwei größten und international bekannten Clubhits nicht fehlen. „Dirtygrrrls/Dirtybois" und "Tanz Zwo Drei Vier" brachten das Publikum gänzlich zum ausrasten. Am Rande der Menge tat sich eine ganze Horde an Tänzern zusammen und erschuf ein Meer aus fliegenden Neondreads und Leuchtstäben. (F)
Im Anschluss an den Elektromann aus Hamburg betraten die vier Jungs von SOLITARY EXPERIMENTS die Bühne. Zu Beginn des Konzerts war die Staatenhalle noch recht übersichtlich gefüllt. Dies änderte sich allerdings schlagartig, als die ersten Strophen von „Road To Horizon“ durch die Halle schallten. In gewohnt stilvollem Outfit – schwarze Hose, rotem Hemd, schwarzer SE-Krawatte und schwarze Handschuhe – sang DENNIS SCHOBER sechs Songs ihres aktuellen Albums „In The Eye Of The Beholder“ und zwei ältere. Speziell zu erwähnen wären hier „Rise And Fall“, „Déjà Vu“ und der absolute Ohrwurm-Hit „Seele Bricht“ in der härteren FEINDFLUG-Version. Drummer FRANK GLAßL entledigte sich schon nach kurzer Zeit seines Oberteils und schlug mit voller Kraft und Inbrunst die Drums. Das Publikum war hingerissen vom energiegeladenen Auftritt der Band und spendete frenetischen Applaus. Im Nachhinein waren einige Stimmen aus dem Publikum zu hören, denen das Konzert viel zu kurz war. (F)
Um 17 Uhr räumten SOLITARY EXPERIMENTS, noch immer von begeisterten Fans gefeiert, die Bühne und machten den Bühnentechnikern Platz, die alles für den österreichischen Musiker THOMAS RAINER vorbereiteten. NACHTMAHR sollte den Fans die nächsten 40 Minuten einheizen, bevor sie von FUNKER VOGT abgelöst werden sollten.
Das Elektroprojekt aus Hameln, mit einem Stammplatz unter den großen der Elektro-Szene, brachte das Publikum 45 Minuten lang zum Schwitzen. Sollte es noch Fans der elektronischen Tanz Musik gegeben haben, die noch nicht völlig durchweicht waren, dann änderte sich das spätestens jetzt. (H)
Von vielen sehnlichst erwartet und dementsprechend gefeiert wurden ab 18:25 Uhr THE CRÜXSHADOWS. Kaum hatte die Synth-Rock-Band die Bühne betreten, sprang Frontman ROGUE schon wieder von dieser und begab sich zur Freude der Fans und zum Schrecken der Security auf den Wellenbrecher vor der Bühne. Durch die spärliche Beleuchtung war leider nicht viel auf der Bühne zu erkennen. Dieses Mal gab es zum Glück keinen Zwischenfall wie auf dem M’era Luna, als ROGUE vom Lichtmast abrutsche und kurze Zeit in der Luft hing. Eine ganze Stunde konnten THE CRÜXSHADOWS für ihre Fans spielen, bevor sie die Bühne räumen mussten. Im Anschluss wurde es Zeit für die Elektro-Urgesteine von PROJECT PITCHFORK. Die Hamburger Combo um PETER SPILLES und DIRK SCHEUBER gab von Anfang an Vollgas und brachte die Zuschauer ins Schwitzen. Mit weiß-blau-goldenem Gesicht sang PETER SPILLES unter anderem „Endless Infinity“, „Darkness“ und den Klassiker „Timekiller“. Im Vorfeld schon angesprochene Soundprobleme, trafen PROJECT PITCHFORK leider sehr stark. Es bleibt zu hoffen, dass dies im kommenden Jahr gelöst werden kann.
SKINNY PUPPY, der Hauptakt des Abends betrat die Bühne leider erst nach fast einer halben Stunde Verspätung. Die Post-Industrial-Band lieferte eine bizarre und fulminante Show. Mit Schultüte auf dem Kopf und Horrormaske im Gesicht schmetterte CEVIN KEY die Vocals ins Publikum. (F)
Der Samstag bot aber auch ruhigere Vorstellungen. So konnte man zum Beispiel auf der Theaterstage den WELLE:ERDBALL Film „Operation Atahualpa“ sehen, OLIVER KLEINs „Rocky Horror Show“ beiwohnen und Vorträgen von CHRISTIAN VON ASTER und DR. MARK BENECKE lauschen.
Der hatte auch gleich ein Heimspiel. Der Kölner referierte anhand von Fakten und (zum Teil den Magen doch etwas fordernden) Bildern zum Thema „Was passiert mit den Menschen nach dem Tod“. Er gab Antworten auf die Fragen was mit einer Leiche passiert, wenn sie in Wasser, Eis, Hitze liegt, ob es möglich ist, dass Nägel und Haare nach dem Tod weiterwachsen und wie es zu den Berichten über sogenannte „Untote“ kommen kann. Wie immer war der Andrang groß und so war es gut, dass der forensische Biologe seinen Vortrag auch am Sonntag noch mal halten würde.
CHRISTIAN VON ASTER las aus seinem neuesten Werkes „Apocalypse Au Chocolat“. Ein Buch, das die unglaublichen Hintergründe der Apokalypse aufdeckt und dem Leser erklärt, dass der Teufel nicht immer nur ein Eichhörnchen ist und was es mit den Schwestern der begrenzten Barmherzigkeit auf sich hat. Leider gab es am Einlass zur Theaterbühne einige Missverständnisse, sodass Anfangs nur wenige Besucher CHRISTIAN VON ASTERS Ausführungen lauschen durften. Doch dann füllten sich die Plätze mit deutlich begeisterten Zuhörern.
Nach einer Umbauphase von etwa einer Stunde war die Theaterstage dann für verschiedene, internationale DJs freigegeben. Wer keine Konzerte sehen wollte, konnte hier nun bis 4 Uhr, tanzen und feiern. (F)






