Von Menschen Und Göttern
Neun französische Mönche bewohnen ein Kloster nahe einem kleinen Dorf im algerischen Atlas Gebirge. Die Gruppe ist eine kleine christliche Enklave in einem muslimischen Land. In einer Art Symbiose leben die Mönche mit den Bewohnern des Dorfes. Es ist ein gegenseitiges Nehmen und Geben, dessen gemeinschaftliche Basis keine religiöse, sondern eine zwischenmenschliche ist. Das Leben, wie es dort fast dokumentarisch gezeigt wird, wirkt wie der Zeit enthoben, fast paradiesisch.
XAVIER BEAUVOIS drehte seinen Spielfilm „Von Menschen Und Göttern nach wahren Begebenheiten. Im Jahr 1996 wurden neun Mönche aus einem Kloster entführt, ihre Köpfe wurden an einer Straße gefunden, ihre Leichname gelten bis heute als verschollen. Fest steht, dass die Mönche zwischen die Fronten eines Aufstandes islamistischer Rebellen gegen das algerische Militärregime geraten sind. Man kann nur vermuten, dass ihr Opfer ein instrumenteller Akt war, der dazu dienen sollte, die Souveränität der Rebellen zu beweisen. Die Morde konnten nie aufgeklärt werden.
Der Film zeigt die letzten Monate im Leben dieser Mönchen. In aller Ruhe wird ihr Alltag dargestellt, ihre Rituale, die Gebete und der Umgang mit den Dorfbewohnern. Man erhält den Eindruck der Möglichkeit des konfliktfreien, religiösen Mit- und Nebeneinanders, das auf gegenseitigem Respekt vor dem anderen Glauben fußt. Christian der Abt (LAMBERT WILSON) nimmt sinnbildlich diese Zwischenfigur ein, der parallel den Koran und christliche Legenden liest und so das Verbindende zwischen den Religionen sucht.
Doch der Konflikt zwischen Rebellen und Regime erreicht die Idylle. Eine Gruppe jugoslawischer Gastarbeiter wird in der Nähe ermordet und bald darauf rät das Militär den Mönchen das Land zu verlassen. Ein erster nächtlicher Kontakt mit den Rebellen, die um den Arzt im Kloster wissen und diesen ihrer Verletzten wegen aufsuchen, läuft glimpflich ab. Nicht nur die Rebellen setzen die Mönche unter Druck, auch das Militär erscheint als unberechenbar und besetzt das Umland mit Kontrollposten. Das Kloster und seine Bewohner geraten mehr und mehr in die Zange einer blutigen Auseinandersetzung, in dem diese zum Spielball der Konfliktparteien werden.
Der Film beschäftigt sich mit der Frage, wie man angesichts drohender, übermächtiger Gewalt, wohlmöglich des nahenden Todes handeln soll. Den Mönchen ist bald bewusst, das mit ihrer Entscheidung, zu gehen oder zu bleiben, die Sicherheit der Bewohner des Dorfes in Gefahr ist. Dabei ist nicht einmal klar, von wem die größere Gefahr ausgeht, von den Rebellen oder vom Militär.
Der Entscheidungsprozess ist letztendlich nicht in erster Linie ein religiöser, doch hat man sich einer höheren Sache verschrieben wie die Mönche es getan haben, so ersetzt das Leben im Kloster bald die eigene Familie. Der persönliche Glaube muss dabei zwangsläufig auf den Prüfstein geraten. Man sieht, wie jeder Mönch in sich geht und sein Leben reflektiert. Die Entscheidung zu bleiben, wird dennoch eine gemeinsame.
Schließlich ist „Von Menschen und Göttern“ kein Film über den Konflikt des christlichen und des islamischen Glaubens. Vielmehr geht es um grundlegende Fragen des Vertrauens, des Zusammenhalts, um das Leben verändernde Entscheidungen und die Notwendigkeit, sich mit all dem auseinanderzusetzen. Das alles sind vor allem Elemente des Erzählens, wie sie in jedem Buch, jedem Film zu finden sind. Ob die letzten Monate im Leben der Mönche, die tatsächlich auf diese grausame Weise ermordet worden, so verlief ist letztendlich nebensächlich. Es geht hier nicht um Authentizität, sondern um eine gute, um eine große Erzählung, in der das sprichwörtliche gewordenen "Menschliche" thematisiert wird - ein Beitrag also, zur großen Sinn-des-Lebens-Debatte.
Vielleicht lässt sich der enorme Publikumserfolg des Films dadurch erklären. Während jeder neue Actionfilm das Erzählen zugunsten teurer Effekte einfach sein lässt, gelangt BEAUVOIS' Film zu der ursprünglichen Kraft des Kinos zurück, gute Geschichten erzählen.
DVD-EXTRAS
"Bruder Luc - Der Mönch Aus Tibhirine" eine Dokumentation von SILVÈRE LANG (25 min.)
Bildergalerie
Kinotrailer
Booklet mit vielen Hintergrundinformationen, Interviews und Texten der Choräle





