Melancholia

CD-Cover
REGIE
LARS VON TRIER
BUCH
LARS VON TRIER
LAUFZEIT
130 min
FSK
12
VERLEIH
Concorde
START:
06.10.2011

Dass die Erde untergeht, ist schnell klar. Sie wird umtanzt von „Melancholia“, dem planetengwordenen Schwermutsgefühl LARS VON TRIERs – orchestiert von WAGNERs Ouvertüre zu „Tristan Und Isolde“. Nachdem die Erde weg ist, setzt die Handlung ein.

Justine (KIRSTEN DUNST) und ihr Bräutigam Michael (ALEXANDER SKARSGÅRD) fahren in einer Limousine zur ihrer eigenen Hochzeit. Der Weg durch den Wald ist schmal und bald bleibt der Wagen in den Kurven hängen. Zu Fuß erreichen sie das Anwesen von Justines Schwager John (KIEFER SUTHERLAND) und ihrer Schwester Claire (CHARLOTTE GAINSBORUG) mit einiger Verspätung. Claire organisiert zusammen mit einem neurotischen Hochzeitsplaner (UDO KIER) den Abend. Je mehr die Zeit voranschreitet, je mehr Ritual um Ritual abgearbeitet wird – Hochzeitsreden, Tanz des Hochzeitspaars, Anschneiden der Torte –, desto stärker isoliert sich Justine. Ihr anfänglich fröhlich verträumter Blick wirkt beinahe somnambul. Melancholie und eine Hochzeit – man sieht, welche Möglichkeiten sich daraus entwickeln können.
Justines Versuch, sich der rituell bürgerlichen Ordnung zu entziehen, wird durch die Figur ihrer Schwester Claire konterkariert. Haus und Hof, Mann und Kind bezeugen ihre Standfestigkeit im Leben. Wir sehen Justine, wie sie bei den beiden unterkommt. Die Familie will ein kosmisches Ereignis betrachten: der eingangs mit der Erde tanzende Planet soll nach wissenschaftlichen Berechnungen an ihr vorbeifliegen. Dass es anders kommt, wissen wir bereits.

Die Melancholie ist ein feines Gefühl. Fein im Sinne davon, die Welt auf eine sehr sensible Art wahrzunehmen. Das Alltägliche wird zur Qual und dessen Struktur, das Ritual, zur seelischen Folter. Was anderen Freude, gar Glück bedeutet, bleibt dem Melancholiker unverständlich. Wie eine Fortsetzung seines letzten Films „Antichrist“ wirkt LARS VON TRIERs neuer. Erschlug es im Kino die Zuschauer geradezu durch die Visualisierungsmacht der filmgewordenen VON TRIERschen Depression – bekanntlich litt der Regisseur während der Dreharbeiten daran –, so kommt sein filmischer Versuch über das feine Gefühl der Traurigkeit sanfter daher: weich gezeichnet, fast pathetisch, fast kitschig. Auch seine Auseinandersetzung mit der deutschen Romantik wird thematisch fortgesetzt. War es in „Antichrist“ die Faszination für die Finsternis des deutschen Waldes, das Dunkle und Böse aus den Kunstmärchen und der Schwarzen Romantik, so ist es in „Melancholia“ eine Erhabenheit darstellende Natur/Kino/Ästhetik der Landschaft, diesmal aber einer englischen. Das kühle Blau und Violett erinnert nicht von ungefähr an die Gemälde CASPAR DAVID FRIEDRICH.

Justines Beziehung zu dem Planeten ist von einer seltsamen Faszination getrieben. Man spürt, wie sie sich das Ende ersehnt, so als hätte sie es bereits gesehen. Der blau schimmernde Planet „Melancholia“ erscheint als Manifestation ihres Gefühlszustands. Die Idee von der „Welt als Wille und Vorstellung“ - buchstäblich als Imagination ihrer Geistes kraft - wirkt hier noch als augenzwinkerndes Zitat nach.

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Fabian:
"Blau geht die Welt zu Ende."

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