End Of Animal
Ist das Ende ein Anfang? Und der Anfang das Ende? Die einzige Zeitangabe, auf die in „End Of Animal“ Verlass ist, ist der Countdown des Fremden (PARK HAE-IL), den Sun-young (LEE MIN-JI) in ihrem Taxi mitnimmt. Danach werden alle Zeitangaben unzuverlässig. 5 Minuten sind 30 Minuten sind eine Ewigkeit. Nach Ablauf des Countdowns ist die Welt eine andere. Sun-young irrt durch ein unwirkliches koreanisches Nirgendwo, trifft einen Jungen, ein reiches Pärchen, einen Mann mit einem Fahrrad bis sie zum Schluss, dem absoluten Ende, auch noch einmal den Fremden aus dem Taxi wieder trifft.
Regisseur SUNG-HEE JO, der auch für das Drehbuch verantwortlich ist, lässt in seinem Debütfilm keinen Zweifel daran, wie es um die Menschheit steht. Die Personen, die Sun-young trifft, entpuppen sich allesamt als seelenlose Wesen, die den eigenen Vorteil über alles stellen. Der Junge (PARK SE-JONG) entpuppt sich als aggressiver Egomane, die Frau als diebische Elster, der Mann auf dem Fahrrad (YOO SUNG-MOK) als gefährlicher Psychopath. Doch auch die schwangere Sun-young, anfangs angesichts mangelnder Alternativen , für den Zuschauer sicherlich noch eine Art Ankerpunkt in all der Tristesse, zeigt sich am Ende als ebenso banales Wesen wie alle anderen.
„End Of Animal“ ist die nihilistische Version von CORMAC MCCARTHYs „The Road“ (verfilmt durch JOHN HILLCOAT). Wo MCCARTHYs bei aller Düsternis, Verzweiflung und Traurigkeit immer die Hoffnung am Horizont im Blick hatte, gibt es bei SUNG-HEE JO einfach nur Sinnlosigkeit, was seinen Film zu einer Art koreanische Variante von BECKETTs „Warten auf Godot“ und SATREs „Geschlossene Gesellschaft“ macht.
Das Ende scheint das wirkliche Ende zu sein. Zumindest insofern, als dass jede Hoffnung, der Mensch könne mehr sein als ein Tier, über Bord geworfen wurde. Mehr gibt es nicht zu sagen. Oder doch? Der einzige Lichtblick ist ein Rätsel: Der geheimnisvolle Anhalter scheint mehr über die Personen und Ereignisse zu wissen. Vielleicht könnte er uns unsere Hoffnung zurückgeben. Aber ihn können wir nicht fragen.




