Die Abenteuer Von Tim Und Struppi: Das Geheimnis Der Einhorn
Fast jeder hat schon einmal von den Abenteuern von Tim und Struppi (frz. Original: "Les Aventures De Tintin") gehört, jenen liebevoll gestalteten Geschichten, in 24 Comic-Bänden, des belgischen Autors und Zeichners HERGÉ (1907–1983). Nun haben die beiden Regieschwergewichte STEVEN SPIELBERG und PETER JACKSON, der hier allerdings nur als Produzent fungiert, sich des großartigen Stoffes angenommen. Grundlage für den Film bildeten Elemente aus dem Comic-Band "Das Geheinmis Der Einhorn", der 1943 erschien, sowie den beiden Folgebände "Die Krabbe Mit Den Goldenen Scheren" (1943) und "Der Schatz Von Rackham, Dem Roten" (1944).
Der junge belgische Reporter Tim (JAMIE BELL) entdeckt auf einem Trödelmarkt ein Miniaturmodell der "Einhorn", ein Schiff, das schon vor Jahrhunderten gesunken ist. Aber er ist nicht der Einzige, der Gefallen an diesem Schiffsmodell findet. Ein Amerikaner (JOE STARR) und der zwielichtige Sakharin (DANIEL CRAIG) haben ebenfalls Interesse an der Antiquität. Doch Tim will das Schiff unter keinen Umständen wieder hergeben. Er platziert es lieber über seinem Kamin, nicht ahnend was für ein Geheimnis die "Einhorn" in sich birgt.
Bald darauf wird bei Tim eingebrochen und seinen gesamte Wohnung auf den Kopf gestellt. Tim hat keine Zeit sich mit der Aufklärung des Einbruchs zu beschäftigen, denn er wird niedergeschlagen und auf ein Schiff verschleppt. Dort lernt er den verpeilten, stets betrunkenen, Käptain Haddock (ANDY SERKIS) kennen. Das Abenteuer beginnt....
Der Film startet mit wunderbaren Referenzen an HERGÉ. Auf dem Trödelmarkt, auf dem Tim das Schiffsmodell der "Einhorn" kauft, gibt es einen Stand mit Bildern von bekannten Figuren aus den Tim und Struppi Geschichten. Oder wenn Tim sich zeichnen lässt und sein Bild genauso aussieht wie Tim aus den Comics.
Schnell verlässt der Film die HERGÉ-Anleihen und wird zu einem "Indiana Jones"-artigen Action-Spektakel - wenig verwunderlich wenn im Regiestuhl STEVEN SPIELBERG sitzt. Zwar ist die eine oder andere Actionsequenz etwas zu lang und zu hektisch geraten. Aber das tut dem fast zweistündigen Filmspass keinen Abbruch. SPIELBERG versteht es die überbordenden Actionszenen, ja die Technik lädt zum Spielen ein, wieder einzufangen und setzt sein altbewährtes Verständnis von Abenteuerromantik dagegen.
Auch sonst gibt es für den Zuschauer viel zu entdecken: zum Beispiel wenn den beiden Detektiven Schultze & Schulze benommen nach einem Zusammenprall auf dem Bürgersteig, der Logik im Comic folgend, ein paar Vögel um die Köpfe fliegen. Kurz darauf wird klar, dass es sich um „richtige“ Vögel handelt, die aus einem Käfig geflohen sind und vom Besitzer wieder eingefangen werden. In einer anderen Szene, als Tim im Meer schwimmt, taucht seine Haartolle wie die Haifischflosse in „Der Weisse Hai“ (1975) aus dem Wasser aus. Was für ein großartiges Zitat!
Den Figuren wurde mit Hilfe des Performance Capture-Verfahrens Leben eingehaucht. Diese Technik hatte schon JAMES CAMERON für Avatar genutzt. Mit Hilfe dieses Verfahrens kann die Mimik der Darsteller auf die animierten Charaktere übertragen werden. Allerdings ist das Ergebnis eher zwiespältig zu bewerten. Die Animationen sind ohne Zweifel realistisch geraten und von großer Detailiertheit, aber es will keine Sympathie für die einzelnen Figuren aufkommen, besonders nicht für Tim. Wahrscheinlich kommt hier der Uncanny-Vally-Effekt zum Tragen, der den Zuschauer befällt, wenn er mit künstlichen menschenähnlichen Figuren konfrontiert wird. Dies bedeutet, dass die Akzeptanz dann groß ist, wenn Figuren besonders künstlich gestaltet sind oder aber sich nicht mehr von Filmaufnahmen echter Menschen unterscheiden. Befinden sich Animationen dazwischen, erscheinen sie oft unheimlich und grotesk (zum Beispiel beim Film "Der Polarexpress"). Indes sind die Umgebung im Film, wie auch die tierischen Charaktere, allen voran Struppi, sehr gut gelungen.
Fazit:
"Die Abenteuer Von Tim Und Struppi" ist eine sehr freie Literaturverfilmung mit viel Action und liebevollen Reminiszensen an HERGÉ und Anspielungen auf frühere SPIELBERG-Klassiker. Unter all der Actionlastigkeit leidet allerdings etwas die Dramaturgie. HERGÉ meets SPIELBERG - Das Zusammenspiel von modernster 3D- und Animationstechnologie und Elementen aus klassischen Abenteuerfilmen funktioniert.
Zwei weitere Teile sind schon in Planung. Beim nächsten Film wird PETER JACKSON Regie führen. Wir dürfen gespannt sein.




