Apocalypse Now

CD-Cover
MEDIUM
DVD
REGIE
FRANCIS FORD COPPOLA
BUCH
JOHN MILIUS, FRANCIS FORD COPPOLA
LAUFZEIT
329 min min
FSK
16
VERLEIH
Studio Canala / Arthaus
VERÖFFENTLICHUNG
22.09.2011

Apokalypse Now (1979 / 2001) ist der einzig wahre Kriegs- wie auch Anti-Kriegsfilm. FRANCIS FORD COPPOLA ist der einzige Regisseur, der es geschafft hat, den Wahnsinn des Krieges im Medium Film anzuzweifeln. Gerade MICHAEL CIMINO (Deer Hunter, 1978) , OLIVER STONE (Platoon, 1986), STANLEY KUBRICK (Full Metal Jacket, 1987) und am meisten TERRENCE MALICK (The Thin Red Line, 1998) sind an ihrem Vorhaben, einen kritischen (Anti-) Kriegsfilm zu schaffen, gescheitert. Ihre moralische Perspektive, den Krieg als menschenvernichtende Maschine darzustellen, versackte entweder in kitschigem Pathos wie bei Micheal Cimino und Oliver Stone, in zweifelhafter wie verzweifelter Selbstanklage wie bei Stanley Kubrick oder in pseudo-kritischer Naturpreisung wie bei Terrence Malick.

COPPOLAS eigener Wahnsinn war gerade groß genug, den Wahnsinn des Vietnamkrieges in Filmbilder zu übertragen. In einer Zeit, da die mediale Präsenz des Krieges (es gibt Theorien, die besagen die USA haben den Vietnamkrieg aufgrund der Darstellung in den Nachrichten-Medien verloren) über die Wahrnehmung des Krieges in der Heimat bestimmte, wurde der einfache Soldat zum Verbrecher und Mörder. Die kriegstreiberischen USA auf dem Weg, die Welt von allem ideologischen Übel zu befreien, stellte sein eigenes Volk (die jungen Soldaten) dem eigenen Volk (den Daheimgebliebenen und Frauen) als Buhmänner hin.
Wer sollte nun die Soldatenehre und das konservative Amerika dazu retten? Nach dem der gealterte JOHN WAYNE als "grüner Teufel" (The Green Berets, R: RAY KELLOGG, 1968) - noch mitten im Krieg gedreht - schnell als Propaganda abgetan wurde, musste eine neue Garde Filmemacher ran. Leute die es besser wissen müssten, weil sie den Nerv der "jungen Generation" trafen. Nach dem Cimino, Coppola und Co. vom Independent- zum Blockbuster-Kino aufgestiegen sind, gab man ihnen selbstverständlich alle finanziellen Möglichkeiten. Ihre einzige Legitimät bestand darin, das Publikum in die Kinos zu locken. New Hollywood war vor allem eine neue Art der Geldscheffelei.

Die Fokussierung auf die in den Krieg Ziehenden oder aus dem Krieg heimkehrenden war das angesagte Thema und machte damit den Kriegs- zum Antikriegsfilm. Die Soldaten wurden damit noch einmal instrumentalisiert: ihr Leinwand-Leiden sollte den Wahnwitz des Krieges in die private Sphäre der Kinozuschauer überführen. Mitleid sollte so erregt werden. Die Funktionsweise dieser Dramatisierung des privaten Unglück als unangreifbares und gegebenes Schicksal baut auf die Tragik des Helden auf. Damit steht der amerikanische (Anti-)Kriegsfilm der antiken Dramentheorie Aristoteles näher als einer indentierten Gesellschaftskritik: auch der Krieg soll unterhalten.
Die Dramatisierung des Stoffes ist dabei die ethische Verfehlung der Regisseure. Und je stärker die Filme als Darstellung persönlicher Schicksalsschlägen rezipiert wurden, desto spürbarer wurde der moralische Fehltritt der Regisseure und der Produzenten der Filme. Man denke nur an die Rambo-Trilogie. Folgte der erste Film (First Blood, R: TED KOTCHEFF, 1982) dem oben skizzierten Schema des Kriegsheimkehrers als tragischem Held, so sind die folgenden Filme Stilisierungen des Charakters Rambo als Kriegsmaschine schlechthin. Der Erfolg des ersten Films ist die Ursache für konservative Kriegshelden-Romantik der letzteren.

Die einzig nicht verwerfliche Darstellung des Vietnamkrieges ist "Apokalypse Now", da der Kriegsschauplatz hier nicht verlassen wird. Die Gräuel die wir im Film sehen sind zugleich surreal übersteigert. Der Krieg selbst wird zu einem perversen Kunstwerk erklärt.
Der ganze Film ist ein einziges bildsprachliches Konstrukt, das bewusst auf die Ästhetisierung des Krieges als Wahnsinn abzielt. Der Vietnamkrieg war ein Krieg der Bilder: jeder kennt die schrecklichen Aufnahmen des nackten Mädchens, das brennend aus einem so eben mit Napalm bombardierten Dorf rennt oder die Hinrichtung eines Vietcong-Kämpfers durch Kopfschuss auf offener Straße. Coppola geht daher den einzig richtigen Weg die mediale Präsentation, wie sie stattgefunden hat und selbst eine reale Ästhetik des Schreckens darstellte, durch eine gewalttätige Bildsprache im Film selbst zu brechen. Die Ästhetisierung des Krieges im Spielfilm richtet sich somit gegen die Ästhetisierung des Krieges durch dessen mediale Repräsentation, wie sie dem amerikanische Volk präsentiert wurde.

Nicht das private Schicksal des Helden steht bei Apokalypse Now im Vordergrund, sondern die Verwirrung und Verirrung in der Fremde, d.h. in buchstäblich unheimlichen Gefilden. Nach Freud ist das Unheimliche das nicht mehr Heimelige oder Heimatliche. Der größte Zugewinn der schon 2001 heraus gebrachten Redux-Version des Films besteht in einer Szene, in der Captain Willard (MARTIN SHEEN) mit seiner Mannschaft zu einem Familiensitz ehemaliger französischer Kolonialisten kommt. Deren Beharren zu Bleiben und das Land angesichts des Krieges nicht zu verlassen ist eine Sturheit, die aus dem Gegensatz von Heimat und Fremde entsteht.
Die Aneignung des Fremden als Heimat als das Eigene, als kolonialistisch motivierte Handlung, ist keine private Entscheidung, sondern die Vorgabe eines imperialistischen Landes, das das Denken des Individuums erfolgreich mit seiner Politik der Aneignung infiltriert hat. Die reaktionären Franzosen im Film, die dann auch leben und aussehen wie geisterhafte Gestalten aus dem 19. Jahrhundert, spiegeln das Handeln der USA wider, die ihre Bürger als Soldaten in ein fremdes Land schickt und dieses besetzen lässt, um es der eigenen politischen Denke zu unterwerfen, in diesem Sinne also zu neokolonialisieren.

Die neu erschienene DVD-Box wird dem "wahnsinnigsten Kriegsfilm aller Zeiten" nun endlich gerecht. Besonders empfehlenswert ist die Box allein schon aufgrund des Dokumentarfilms Heart of Darkness: A Filmmakers Apocalypse, der den Wahnwitz COPPOLAS solch ein Projekt zu realisieren, grandios darstellt.

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Fabian:
"Film - / Krieg(s)- / Wahnsinn"

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DVD-EXTRAS

Audiokommentar von FRANCIS FORD COPPOLA
MARTIN SHEEN im Gespräch mit FRANCIS FORD COPPOLA
Interview mit JOHN MILIUS von FRANCIS FORD COPPOLA
Geschnittene Szene Affen
Zusätzliche Szenen
Die Geburt des 5.1-Sounds
Die Musik von „Apocalypse Now“
Der Synthesizer-Soundtrack von BOB MOOG
„A Million Feet Of Film“: Der Schnitt von „Apocalypse Now“
Auszüge aus dem Drehbuch von JOHN MILIUS mit Anmerkungen von FRANCIS FORD COPPOLA
Eine Storyboard-Galerie mit mehr als 200 Zeichnungen
Fotoarchiv mit mehr als 100 Fotos von den Dreharbeiten, Pressemappen und Fotos von MARY ELLEN MARK
Marketingarchiv mit einer Postergalerie, Aushangbildern und Trailern
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