JANNE TELLER: Nichts. Was Im Leben Wichtig Ist

Cover
VERLAG
Hanser
VERÖFFENTLICHUNG
26.07.2010
ISBN
3446235965

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„Wir hätten aufhören sollen, bevor es so weit gekommen war; jetzt war es irgendwie zu spät, auch wenn ich tat, was ich konnte.“
Als die Schule nach den Sommerferien wieder begonnen hatte, kam Pierre Anthon zu einer Erkenntnis, die sein Leben und das all seiner Klassenkameraden veränderte. Pierre Anthon kam zu dem Schluss, dass nichts im Leben eine Bedeutung hat. Wenn das Leben beginnt, beginnt bereits der Verfall; mit dem Leben beginnt der Tod. Er packte ruhig seine Schulsachen, stand auf und verließ das Klassenzimmer; dorthin kam er nie wieder zurück. Seine Klassenkameraden regte Pierres Erkenntnis und sein Rückzug aus dem Leben, das er bisher geführt hatte, zum Nachdenken an. Auf dem täglichen Schulweg kamen sie immer an Pierres Haus vorbei und mussten Tag für Tag seine nihilistischen Äußerungen und Schmähungen gegen ihre Zukunftspläne und Ziele über sich ergehen lassen. Doch eines Tages fanden sie sich zusammen, um diesem destruktiven Verhalten ihres ehemaligen Klassenkameraden entgegenzutreten. Nachdem der erste Versuch, ihn mit Gewalt zum Erkennen der Bedeutung der Dinge des Lebens zu zwingen, scheiterte, erdachten sie einen klugen und zunächst noch harmlosen Plan. Sie wollten Pierre Anthon mit einer Sammlung von Dingen, die eine Bedeutung für jeden von ihnen haben, von seinem Nihilismus kurieren. Jeder von ihnen sollte eine Sache zu einem Berg der Bedeutung auftürmen, dass für diese Person eine starke Bedeutung und damit einen großen Verlust darstellt.

Eine Puppe ohne Kopf, ein altes Gesangbuch und ein kaputter Kamm wurden die Grundsteine des Bergs. Nacheinander legten sie Gegenstände auf den Berg, die für sie einst eine Bedeutung hatten. Allerdings fehlte es ihnen bei diesem Vorgehen an wahrer Bedeutung. So durfte die Person, die an der Reihe war, etwas auf den Berg zu legen, bestimmen, was der Nächste beisteuern sollte. Damit begann eine Spirale des Schreckens und letztendlich der Gewalt. Die Forderungen wurden immer grausamer. Ein Hamster, der Sarg mit der Leiche eines Bruders einer Mitschülerin. Pierre Anthon wusste bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts von dem Vorhaben seiner ehemaligen Klassenkameraden und schmähte ihnen Tag für Tag auf ihrem Weg zur Schule. Als der große Hans die Unschuld von Sofie einfordert, eskaliert das Vorhaben.

Mit „Nichts“ hat JANNE TELLER ein sehr tiefgehendes und gleichzeitig verstörendes Buch geschrieben. Es ist die Geschichte eines Jungen, nicht älter als vierzehn Jahre, der die Bedeutung allen Seins in Frage stellt. Ganz im Sinne des Nihilismus wird alles bis hin zum eigenen Leben als nicht bedeutsam erklärt. Die Sehnsucht nach Bedeutung wird in diesem Buch mit solch harter Nüchternheit versucht zu erzwingen, dass es den Leser auf eine sehr harte Probe stellt. In der Gestalt von Kindern werden grausamste Handlungen erdacht und vollzogen, um das Gefühl der Leere in ihnen zu füllen und andere zu überzeugen. Gerade die Tatsache, dass es sich bei den Charakteren in dieser Geschichte um Kinder handelt, verstärkt die zermürbende Wirkung des Buches. Das Buch ist aus der Ich-Perspektive der 13-jährigen Agnes geschrieben und das auch in der Sprache, die dieses Kind beherrscht. Dies verstärkt noch die Wirkung auf den Leser.
Die Geschichte folgt einem klaren Pfad und läuft unaufhaltsam auf das dramatische Ende zu. Der aufmerksame Leser kann sehr schnelle erfassen, welchen Weg die Geschichte zwangsläufig einschlagen wird. Allerdings schmälert dies nicht die Spannung. Der Preis von 13 Euro ist für den Umfang von 139 Seiten eigentlich etwas hoch. Allerdings erwartet einen dafür eine durch und durch spannende und dramatische Geschichte.

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Finstergruende
Finstergruende:
"Auf dramatische und unverhüllte Weise beleuchtet „Nichts“ die Suche des Menschen nach dem Sinn und der Bedeutung des Lebens."

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